Aktie, Erfolg

BP Aktie: Erfolg verpufft an der Börse

Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 20:57 Uhr | Redaktion boerse-global.de

BP verdoppelt Gewinn dank Hormus-Krise, doch fallende Ölpreise drücken die Aktie. Operativ schwächelt der Konzern unter neuer Chefin O'Neill.

BP-Aktie trotz verdoppeltem Gewinn im Minus: Ölpreis-Rückgang belastet
Industrielle Ölraffinerie bei Dämmerung in einer stimmungsvollen, minimalistischen Finanzpublikations-Ästhetik. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Doppelter Gewinn, sinkender Kurs — bei BP passt an diesem Dienstag zunächst nichts zusammen. Der britische Ölkonzern hat im zweiten Quartal deutlich mehr verdient als von Analysten erwartet. Die Aktie reagierte trotzdem mit Verlusten.

Der um Sondereffekte bereinigte Nettogewinn kletterte auf rund 5,7 Milliarden Dollar, umgerechnet knapp fünf Milliarden Euro. Das ist doppelt so viel wie im Vorjahresquartal und übertrifft die Analystenschätzungen von gut fünf Milliarden Dollar. Grund für den Sprung: Die von Iran nach den Angriffen der USA und Israels faktisch gesperrte Straße von Hormus trieb die Ölpreise und mit ihnen auch die Preise für Diesel und Kerosin nach oben.

An der Börse hielt die Freude über das Zahlenwerk nicht lange. Nach einem festen Handelsstart drehte die Aktie ins Minus und gab am Nachmittag zeitweise rund viereinhalb Prozent nach. Händler machten dafür zuletzt wieder fallende Ölpreise verantwortlich — der Effekt aus dem Nahost-Konflikt, der BP das starke Quartal beschert hatte, lässt spürbar nach.

Operatives Geschäft hinkt hinterher

Unternehmenschefin Meg O'Neill, die den Konzern erst Anfang April übernommen hat, dämpfte die Erwartungen selbst. Die drei Monate bis Ende Juni seien operativ schwächer gelaufen als das Vorquartal. Die Förderanlagen arbeiteten weniger zuverlässig, die Produktion sank, und die Raffinerien verarbeiteten weniger Rohöl. Nur teilweise ließen sich diese Probleme auf geplante Wartungsarbeiten und den Konflikt im Nahen Osten zurückführen, räumte O'Neill ein.

Parallel treibt die Managerin den Konzernumbau voran. BP hat die Raffinerie in Gelsenkirchen verkauft, den Verkauf des Einzelhandelsgeschäfts in Österreich vereinbart und plant, sein Biogasgeschäft in den USA abzustoßen. Auch das britische Nordsee-Geschäft steht zum Verkauf — nach mehr als sechs Jahrzehnten Präsenz in der Region zieht sich BP damit aus einem seiner historischen Kerngebiete zurück. Die Devise lautet: schlanker und wertvoller werden, statt an jedem Standort präsent zu bleiben.

Die Kursreaktion zeigt, wie stark BP derzeit an den Ölpreisen hängt. Ein starkes Quartal reicht nicht, wenn der Markt bereits auf sinkende Notierungen blickt. Ob der Konzernumbau unter O'Neill die operativen Schwächen der letzten Monate ausgleichen kann, dürfte sich erst in den kommenden Quartalen zeigen, wenn die Sondereffekte aus dem Nahost-Konflikt vollständig ausgelaufen sind.

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