Boeing Aktie: Gewerkschaftsvotum entscheidet
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 07:59 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Heute stimmen rund 17.000 Ingenieure und Techniker über ein verbessertes Tarifangebot ab. Scheitert es, könnte ein Streik schon in der kommenden Woche die Zertifizierung zweier ohnehin verspäteter Jets stoppen. Dabei läuft es bei Boeing an anderen Fronten derzeit ordentlich.
Streikgefahr bei zwei Zulassungsprojekten
Die Gewerkschaft SPEEA hatte das erste Angebot im August klar abgelehnt: Im Professional Unit stimmten etwa 64 Prozent mit Nein, im Technical Unit rund 72 Prozent. Bei einer zweiten Ablehnung wäre ein Ausstand ab dem 7. Oktober möglich, dem Tag nach Ablauf der aktuellen Verträge.
Das neue Angebot vom 11. September sieht eine garantierte Anhebung von 10 Prozent bei Ratifizierung vor. Die jährlichen Garantiesteigerungen liegen künftig bei pauschal 4 Prozent, dazu kommen mögliche Leistungszuschläge. Nach Gewerkschaftsrechnung ergibt sich über vier Jahre ein durchschnittliches Plus von 32 Prozent, zuvor waren es 26,5 Prozent.
Diesmal empfehlen die Gewerkschaftsräte beider Einheiten die Annahme. Im August hatte der Rat der Technikergruppe noch zur Ablehnung geraten. Mehrere frühere Nein-Wähler wollen nun zustimmen, es gibt aber weiter Widerstand. Ein Mitglied fürchtet, die Raises reichten bei steigender Inflation und hohen Spritpreisen nicht aus.
Ein Streik würde die Zertifizierung der 737 MAX 10 und der 777-9 abrupt stoppen und die Auslieferungsoffensive bremsen. Konzernchef Kelly Ortberg hatte zuletzt betont, ein Ausstand würde das Unternehmen finanziell treffen.
Aufträge und politischer Rückenwind
Positive Nachrichten kamen zuletzt reichlich. Ethiopian Airlines bestellte acht 777-8-Frachter und zwei 777-Frachter und ist damit der erste afrikanische Käufer der neuen Frachtvariante. Zuvor hatte die Airline bereits acht 777-9 geordert, die Bestellungen für die 777X-Familie verdoppeln sich damit.
Hinzu kommt der Zuschlag der US-Marine für den Kampfjet F/A-XX, ein Auftrag mit einem Anfangsvolumen von mehr als 20 Milliarden Dollar. Konkurrent Northrop Grumman ging leer aus und verlor an der Börse deutlich.
Auch Washington sendet Signale. Verkehrsminister Sean Duffy will die Zulassung neuer Flugzeuge beschleunigen und verweist auf Konkurrenz aus China. Die Behörde FAA hatte im Juni Änderungen vorgeschlagen. Boeing müsste profitieren: Die 737 MAX 7 brauchte über acht Jahre bis zur Zulassung, die 777X liegt mehr als fünf Jahre hinter dem ursprünglichen Plan.
Präsident Donald Trump lobte zudem die 737 MAX. Anlass war ein Vorfall bei Flydubai, bei dem Passagiere und Crew den Absturzversuch eines Co-Piloten vereitelten. Die Maschine landete sicher.
Charttechnik bleibt schwach
Die Aktie notierte zuletzt bei rund 186 Dollar. Technische Indikatoren zeigen auf Tages-, Wochen- und Monatsbasis überwiegend Verkaufssignale. Der Tages-RSI liegt bei 31 und damit nahe der überverkauften Zone.
Eine Erholung über 190,72 Dollar wäre das erste Zeichen einer kurzfristigen Stabilisierung. Ein Bruch der Unterstützung bei 181,96 Dollar würde das Bild weiter eintrüben.
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