Boeing Aktie: Airlines verweigern Abnahme
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 10:29 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Software-Fehler in der 737 Max sorgt für neuen Ärger bei Boeing – und diesmal reagieren Kunden mit ungewöhnlicher Deutlichkeit. Southwest und United wollen nach Berichten des "Wall Street Journal" keine neuen Maschinen mehr abnehmen, solange sie mit der betroffenen Software ausgestattet sind. Stattdessen fordern sie eine ältere Softwareversion.
Der Fehler betrifft die automatisierte vertikale Navigation. Bricht ein Landeanflug ab und ändern Piloten danach ihre Flugroute, kann das System auf eine niedrigere Automatisierungsstufe zurückfallen.
Boeing betont, Piloten seien für solche Situationen ausgebildet, und stuft den Fehler nicht als Sicherheitsrisiko ein. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat trotzdem eine Prüfung eingeleitet und angekündigt, ein Corrective Action Review Board einzuberufen, sollte sich ein Sicherheitsproblem bestätigen.
Alte Wunden, neue Fragen
Der Zeitpunkt der Entdeckung wirft Fragen auf. Ein Betreiber der 737 Max hatte Boeing bereits im November 2024 auf das Problem hingewiesen. Zunächst erfüllte der Fall offenbar nicht die Kriterien für eine sicherheitstechnische Überprüfung – die wurde erst im September eingeleitet, fast ein Jahr später. Im August hatte Boeing sämtliche Betreiber der 737 Max informiert.
Bei jedem neuen Software-Problem an diesem Flugzeugtyp schwingt die Vorgeschichte mit. Zwei Abstürze 2018 und 2019 mit 346 Toten gingen auf eine fehlerhafte Assistenzsoftware zurück, die Boeing-Mitarbeiter bei der Zertifizierung als unproblematisch eingestuft hatten. Seither gilt jeder Software-Zwischenfall an der Max als Belastungstest für das Vertrauen von Aufsichtsbehörden und Fluggesellschaften.
Analysten bleiben gelassen
An der Wall Street löst die Meldung bislang keine Alarmstimmung aus. JPMorgan bekräftigte seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 290 US-Dollar und sieht kaum Risiko für die Auslieferungen der Baureihen Max 8 und Max 9, da Kunden auf eine alternative Softwareversion zurückgreifen können.
Anders bei den neueren Modellen Max 7 und Max 10: Sie sind ausschließlich mit der neuen Software verfügbar, weshalb JPMorgan mögliche Lieferverzögerungen im Jahr 2027 im Blick behält.
Der Analystenkonsens bewegt sich zwischen 246 und 305 US-Dollar Kursziel – ein Bild ohne klaren Ausschlag in eine Richtung. Die Bank verweist zugleich darauf, dass Boeings Historie bei Flugsteuerungssoftware zusätzliche Aufmerksamkeit von Regulierern und Betreibern nach sich ziehen könnte.
Die Aktie gab im vorbörslichen Handel leicht nach, blieb aber ohne dramatische Ausschläge. Entscheidend wird nun, wie schnell Boeing das Software-Update liefert und ob die FAA bei ihrer Prüfung ein tatsächliches Sicherheitsrisiko feststellt. Bis dahin dürfte vor allem die Reaktion der Airlines zeigen, wie ernst die Branche den Fall nimmt.
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