BMW Aktie: China-Auslieferungen brechen um 30,2 Prozent ein
Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 04:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
BMW steckt mitten im größten Umbau seiner jüngeren Geschichte. Während die Werke München und Leipzig auf die neue Elektro-Baureihe umgerüstet werden, schrumpft gleichzeitig die Stammbelegschaft. Die Aktie notiert nach einem schwachen Jahresverlauf weiterhin deutlich unter ihrem Ausgangsniveau.
Werksumbau für die Neue Klasse
Im Stammwerk München läuft seit dem 6. August die Serienproduktion des neuen i3 – Ergebnis eines fünfjährigen Umbaus mit einem Investitionsvolumen von 650 Millionen Euro. Ab 2027 sollen dort ausschließlich Elektroautos vom Band laufen.
Parallel hat BMW das Werk Leipzig für die Neue Klasse fit gemacht: Nach 5,5 Wochen Stillstand startet dort ab Donnerstag wieder die Regelmontage. 160 neue Roboter, 240 Hubtische und 1.500 Tonnen ausgetauschter Stahl stecken in dem Umbau, für den BMW in den vergangenen fünf Jahren knapp 2 Milliarden Euro investiert hat. Ziel sind künftig 1.200 Fahrzeuge pro Tag. Die E-Motoren für die neuen Modelle kommen aus Steyr, die Batterien aus Irlbach-Straßkirchen.
Der Umbau ist teuer, aber unternehmenspolitisch alternativlos: BMW will mit iX3 und i3 der Neuen Klasse 2026 den Anschluss an die Elektromobilität nicht verpassen, während zugleich Personalkosten sinken sollen.
Stellenabbau trifft die Belegschaft
Denn parallel zum Investitionsprogramm schrumpft die Mannschaft. BMW will weltweit 8.000 Stellen abbauen. In Deutschland läuft dafür von Oktober 2026 bis Ende 2027 ein Freiwilligenprogramm, das sich an 50.000 der insgesamt 84.000 Beschäftigten richtet.
Abfindungen sind steuerpflichtig, bleiben aber sozialversicherungsfrei – die sogenannte Fünftelregelung kann die Steuerlast dabei senken. Bei einer Beispielabfindung von 250.000 Euro brutto bleibt laut Berechnungen netto deutlich weniger übrig, als die Bruttosumme suggeriert.
Der Abbau bei BMW ist Teil einer branchenweiten Entwicklung: Die IG Metall kündigte für den 21. September bundesweite Proteste gegen den Stellenabbau in der Autoindustrie an. Die Branche hatte 2025 bereits 50.000 Jobs verloren, ein Rückgang von 6 Prozent auf 721.000 Beschäftigte. Auch Volkswagen stellt weitere 50.000 Stellen zur Disposition, Porsche streicht bis 2032 rund 5.000 Jobs, und Mercedes-Benz setzt seinen Sparkurs fort.
China bleibt die offene Wunde
Der eigentliche Auslöser des Sparkurses liegt jedoch in China. Im zweiten Quartal 2026 brachen die Auslieferungen dort um 30,2 Prozent ein, das operative Ergebnis im Autogeschäft fiel um 60 Prozent auf 629 Millionen Euro.
Besonders hart trifft es die Elektrosparte: Von Januar bis Mai 2026 verkaufte BMW in China nur noch 10.000 Elektroautos, nach 42.000 im Vorjahr – ein Rückgang von 75 Prozent. Selbst Preisnachlässe von 10.000 bis 14.000 Euro auf den i3 konnten die Nachfrage nicht beleben, die i5-Produktion pausiert.
Angesichts der China-Schwäche und der Handelsbarrieren überprüft BMW seine Produktstrategie. Das geplante Luxus-SUV G74, als Konkurrent zur Mercedes G-Klasse gedacht, liegt vorerst auf Eis. Konzernchef Nedeljkovi? hatte nach der Gewinnwarnung Mitte Juni betont, weiter auf Technologieoffenheit zu setzen – also keine einseitige Vollelektrifizierung zu erzwingen.
Kurs spiegelt die Belastungen
Am Markt kommt die Mischung aus Restrukturierung und China-Schwäche weiterhin an: BMW notiert bei 59,96 Euro und liegt seit Jahresbeginn 35,82 Prozent im Minus. Zum 52-Wochen-Hoch von 97,90 Euro, das im Dezember erreicht wurde, beträgt der Abstand 38,75 Prozent.
Immerhin hat sich die Aktie zuletzt vom 52-Wochen-Tief bei 56,40 Euro, das erst im Juli markiert wurde, um gut 6 Prozent erholt. Der Umbau in den Werken mag die Zukunft sichern – die Geschäftszahlen und der Kurs zeigen, dass der Weg dorthin noch lang ist.
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