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Bloom Energy Aktie: 70 Prozent der Rohstoffe aus China

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 15:38 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Aktionäre werfen Bloom Energy unzureichende Transparenz zu China-Bezügen vor; die Aktie legte seit Jahresbeginn dennoch 230 Prozent zu.

Bloom Energy: Sammelklage wegen Scandium-Lieferketten und Offenlegung
Moderne Industrieanlage mit Fokus auf Energiekomponenten und globale Lieferketten. Illustration mit AI erstellt.

Wer heute über den Boom der künstlichen Intelligenz nachdenkt, landet unweigerlich bei Transformatoren, Hochspannungsleitungen und Turbinen. Die Gleichung der modernen Technologiebranche ist simpel geworden: Ohne sofort verfügbaren Strom verstauben die teuersten Rechenzentren als ungenutzter Beton.

Vor Ort installierbare Festoxid-Brennstoffzellen, wie Bloom Energy sie herstellt, wirken in dieser Gemengelage wie das ideale Versprechen auf Unabhängigkeit vom überlasteten Stromnetz. Doch der steile Höhenflug offenbart Risse, die tief in die globale Rohstoffgeografie reichen.

Anleger mussten sich heute daran erinnern lassen, dass selbst die modernste Energietechnologie nicht im luftleeren Raum entsteht. Am heutigen Montag endet in den USA die Frist für Aktionäre, sich als Hauptkläger in einer Sammelklage gegen Bloom Energy und führende Manager des Unternehmens zu melden.

Der Vorwurf wiegt schwer: Das Unternehmen soll über Zwischenhändler in Thailand, Japan und Südkorea scandiumhaltige Materialien aus China bezogen und die daraus resultierenden Abhängigkeiten gegenüber dem Kapitalmarkt nicht ausreichend offengelegt haben.

Verdeckte Wege im Schatten des KI-Booms

Die Klageschrift vor einem Bundesgericht in Kalifornien verweist auf Recherchen von Hunterbrook Media vom 8. Juli. Damals gerieten vier angebliche Lieferwege ins Visier, über die Scandiumoxid direkt an ein Werk in Delaware sowie scandiumhaltige Pulver und Keramiken über asiatische Partner geflossen sein sollen.

Die Klageparteien argumentieren, die Darstellung des Unternehmens habe das tatsächliche Ausmaß möglicher Zölle und Lieferrisiken verharmlost.

Wie viel Verwundbarkeit verträgt ein Technologieversprechen, wenn die Lieferketten hinter den Kulissen an denselben geopolitischen Fäden hängen, die man eigentlich umgehen wollte?

Die in der Klage zitierten Behördenunterlagen zeigen eine andere Realität: Demnach stammen rund 70 Prozent der Seltenmetalle für bestimmte Baugruppen aus China. Allein ein südkoreanischer Zwischenlieferant kaufte 2025 Waren im Wert von 127 Milliarden Won von seiner chinesischen Muttergesellschaft.

Hohe Erwartungen treffen auf juristische Risiken

Die Börse zeigte sich von diesen Belastungen lange Zeit bemerkenswert unbeeindruckt. Getrieben von der Fantasie rund um den rasanten Ausbau energiehungriger Rechenzentren, verbucht die Bloom-Energy-Aktie seit Jahresanfang einen Zuwachs von 230 Prozent.

Die Analysten von Morgan Stanley wiesen jüngst darauf hin, dass die Nachfrage nach Rechenleistung das Angebot an verfügbarer Energie noch über Jahre übersteigen dürfte. Vor-Ort-Lösungen gelten an der Wall Street als Brücke über den Engpass.

Am heutigen Handelstag notiert das Papier bei 247,50 Euro, was einem Rückgang von 2,4 Prozent entspricht. Mit einem nachlaufenden Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 300 preist der Markt ein nahezu fehlerfreies Wachstum ein. Bei einer derart ambitionierten Bewertung wird jeder Zweifel an der Stabilität der Lieferketten zur ernsten Belastungsprobe.

Die rechtliche Auseinandersetzung um die Scandium-Lieferungen dürfte Bloom Energy noch monatelang begleiten. Auch wenn das Versäumen der heutigen Frist Anleger nicht von späteren Entschädigungen ausschließt, markiert der Tag einen Wendepunkt in der Wahrnehmung.

Der Fall unterstreicht, dass die Dezentralisierung der Stromversorgung trügerisch sein kann, solange die Beschaffung kritischer Rohstoffe in wenigen Händen konzentriert bleibt. Für Investoren rückt damit eine Erkenntnis in den Vordergrund: Wer die Hardware für die digitale Zukunft liefert, muss sich an der Transparenz seiner Fundamente messen lassen.

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