Bitcoin: Shorts fliegen aus dem Markt
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bitcoin hat sich binnen wenigen Tagen aus der Zinsangst gekämpft und dabei gleich reihenweise Wetten gegen den Kurs zerlegt. Am Montag stieg die Kryptowährung auf bis zu 85.111 Dollar, ein Plus von 5,7 Prozent binnen 24 Stunden. Wer auf fallende Kurse gesetzt hatte, zahlte einen hohen Preis: Von 770 Millionen Dollar liquidierten Positionen entfielen laut CoinGlass 648 Millionen Dollar auf Short-Seller.
Zinsschock verdaut, Widerstand gebrochen
Die vergangene Woche hatte es in sich. Eine Zinserhöhung der US-Notenbank, eine Anhebung der Bank of Japan auf ihr höchstes Niveau seit 31 Jahren und das Scheitern des Clarity Act im US-Senat drückten Bitcoin zeitweise unter Druck – ohne dass der Kurs dabei nachhaltig unter 75.000 Dollar fiel. Ein Nexo-Analyst wertete das als Zeichen, dass der Markt die schlechten Nachrichten bereits vorab eingepreist hatte.
Parallel entspannte sich das Umfeld an anderer Front: Die Ölpreise gaben nach, nachdem sich Gespräche zwischen den USA und dem Iran am Rande der UN-Generalversammlung andeuteten.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen, die am 14. September mit 5,014 Prozent ihren höchsten Stand seit Oktober 2023 erreicht hatte, sank wieder auf rund 4,93 Prozent. Ein HashKey-Researcher bezeichnete das klarere Makrobild als notwendige Voraussetzung für die Erholung.
Als der Kurs die Marke von 82.000 Dollar durchbrach, geriet die Bewegung ins Rollen: Stop-Loss-Orders lösten weitere Zwangskäufe aus, die den Kurs bis über 84.000 Dollar trieben. Auch das 50-Wochen-Durchschnittsniveau wurde zurückerobert.
Ein Glassnode-Indikator, der den Verkaufsdruck von Bitcoin-Haltern misst, fiel bis zum 20. September auf einen der niedrigsten Stände der Messreihe – ein Hinweis darauf, dass Verkäufer allmählich die Bestände ausgehen.
Strategy kauft weiter, ETF-Zuflüsse bleiben dünn
Strategy, das nach eigener Darstellung größte Bitcoin-Treasury-Unternehmen, stockte seinen Bestand in der Woche bis zum 20. September um 950 Bitcoin für 75,7 Millionen Dollar auf – zu einem Durchschnittspreis von 79.670 Dollar.
Der Gesamtbestand liegt damit bei 846.000 Bitcoin und nähert sich dem bisherigen Rekord von 847.363 Coins aus dem Juni. Firmengründer Michael Saylor bestätigte den Kauf auf der Plattform X und verwies zugleich auf Rückkäufe von STRC-Vorzugsaktien im Volumen von 174 Millionen Dollar.
Die Spot-Bitcoin-ETFs zeichneten dagegen ein zurückhaltenderes Bild. Nach Abflüssen von 746 Millionen Dollar zu Wochenbeginn kehrten am Donnerstag und Freitag 592 Millionen Dollar zurück – unter dem Strich blieb ein Nettozufluss von nur 6,2 Millionen Dollar, der kleinste seit Start der Produkte.
Die nächste Bewährungsprobe liefert der Datenkalender: Der PCE-Preisindex wird am 30. September veröffentlicht, der US-Arbeitsmarktbericht am 2. Oktober, die Inflationsdaten am 14. Oktober. Ein Analyst von CoinShares warnte zudem, dass die US-Notenbank ihre für 2027 erwarteten Zinssenkungen aus der Prognose gestrichen habe – ein Signal, das den Dollar stützt und die von Bitcoin ersehnte Liquiditätswende verzögern könnte.
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