Bitcoin: Entkopplung mit Fragezeichen
Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 04:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bitcoin klebt seit Wochen an einer unsichtbaren Wand. Zwischen 63.000 und 66.000 Dollar pendelt der Kurs, während im Hintergrund zwei gegensätzliche Kräfte ziehen: frisches institutionelles Kapital auf der einen Seite, alte Wallets, die nach Jahren wieder auftauchen, auf der anderen. Genau diese Spannung sorgt dafür, dass Marktteilnehmer aktuell genauer hinschauen als sonst.
BlackRock sieht einen Stimmungswandel
Robert Mitchnick, Leiter des Digital-Assets-Geschäfts bei BlackRock, beschrieb am Montag eine subtile, aber spürbare Verschiebung: Bitcoin habe sich von Aktien entkoppelt. Während KI-Werte im Juli einen deutlichen Rückschlag erlitten, habe sich Bitcoin vergleichsweise stabil gehalten. Für Mitchnick untermauert das die These von Bitcoin als Portfolio-Diversifikator.
Untermauert wird das durch die Fondsflüsse. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten in der vergangenen Woche mit rund 853,5 Millionen Dollar ihre stärkste Zufluss-Woche seit Mitte April. Allein BlackRocks IBIT-Fonds zog mehr als 80 Prozent davon an Land, Fidelitys FBTC kam auf etwa 13 Prozent. Trotzdem bewegt sich der Kurs kaum von der Stelle — institutionelles Geld kauft, ohne dass sich das im Chart bislang niederschlägt.
Bitcoin notiert derzeit im Bereich von 63.900 Dollar und damit knapp über seinem 200-Tage-Durchschnitt bei etwa 63.770 Dollar. Diese Marke gilt unter Chartanalysten als Wasserscheide: Solange der Kurs darüber bleibt, gilt der langfristige Trend als intakt. Fällt er darunter, könnten Verkäufer die Kontrolle übernehmen. Auf Jahressicht steht Bitcoin trotz der jüngsten Stabilisierung rund 30 Prozent im Minus.
Alte Wallets kehren zurück
Parallel zur ETF-Debatte sorgen erneut historische Bitcoin-Adressen für Aufsehen. Eine Wallet, die seit Januar 2014 unberührt war, bewegte am Sonntag knapp 27 Bitcoin — bei einem Einstandspreis von etwa 803 Dollar pro Coin entspricht das einem Gewinn von rund 1,73 Millionen Dollar. Erst eine Woche zuvor war eine seit 2011 ruhende Wallet mit knapp 50 Bitcoin aktiv geworden und leitete die Coins an eine Adresse weiter, die mit dem Handelsplatz FalconX in Verbindung steht.
Solche Bewegungen belegen nicht automatisch einen Verkauf. Historisch gehen ihnen aber häufiger Konsolidierungen oder Vorbereitungen für einen Verkauf oder eine Besicherung voraus. Angesichts der ohnehin fragilen technischen Lage rund um die 200-Tage-Linie beobachten Marktteilnehmer solche Signale derzeit aufmerksamer als in ruhigeren Marktphasen.
Regulatorisch bläst zudem in Australien ein kühlerer Wind: Die Finanzaufsicht AUSTRAC hat die Registrierung des größten Krypto-Geldautomaten-Betreibers des Landes für drei Monate ausgesetzt, weil grundlegende Meldepflichten nicht erfüllt wurden. Der Vorfall reiht sich in eine breitere Debatte um schärfere Kontrollen für Bar-zu-Krypto-Umtauschstellen ein, die Regulierer zunehmend als Einfallstor für Geldwäsche einstufen.
Die entscheidende Marke bleibt damit die 200-Tage-Linie bei rund 63.770 Dollar. Hält Bitcoin dieses Niveau trotz der wieder aktiven Altbestände, bekäme die Entkopplungs-These von BlackRock zusätzliches Gewicht. Rutscht der Kurs klar darunter, dürfte die Diskussion um frisches ETF-Geld schnell in den Hintergrund treten.
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