Bitcoin: Alte Wallets erwachen, Zinssorgen drücken
Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 14:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zwei Geschichten überlagern sich gerade bei Bitcoin: Während der Kurs unter Zinsängsten leidet, wachen im Hintergrund Millionenbestände aus der Frühzeit der Kryptowährung auf. Beides zusammen zeigt, wie unterschiedlich die Kräfte sind, die den Markt aktuell bewegen.
Der Kurs fiel am Morgen des 8. September unter die Marke von 79.000 Dollar, nachdem er tags zuvor noch bei rund 79.400 Dollar gestanden hatte. Auslöser ist der überraschend starke US-Arbeitsmarktbericht vom 4. September mit 162.000 neuen Stellen — fast dreimal so viele wie erwartet.
Die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung beim FOMC-Meeting am 16. September liegt laut Marktdaten inzwischen bei rund 60 Prozent, was Risikoassets grundsätzlich unter Druck setzt.
Alte Bestände in Bewegung
Parallel zur Kursschwäche zeigt die Blockchain ein ungewöhnliches Muster: Zehn Jahre und ältere Bitcoin-Bestände werden laut Auswertungen von Galaxy Research in diesem Jahr so schnell verschoben wie nie zuvor. Zwischen dem 16. und 26. August aktivierten sich sechs Wallets aus den Jahren 2011 bis 2014 und bewegten zusammen 553 Bitcoin im Gegenwert von mehr als 40 Millionen Dollar.
Der spektakulärste Einzelfall: Eine seit August 2012 ruhende Adresse verschob auf einen Schlag 212 Bitcoin im Wert von rund 13,66 Millionen Dollar — bei einem damaligen Einstandspreis von gerade einmal 12 Dollar je Bitcoin. Ein weiterer Transfer von 40 Bitcoin aus dem Mai 2012 landete bei der Handelsplattform Boerse Stuttgart Digital, was auf einen deutschen Bitcoin-Pionier der ersten Stunde hindeuten könnte.
Zwei konkrete Ereignisse erklären das Erwachen: Ein US-Gericht unterbrach ein Verfahren rund um herrenlose Adressen, was gezielte Bewegungen auslöste. Zusätzlich sorgte eine Sicherheitslücke bei Hardware-Wallets des Anbieters Coldcard dafür, dass zahlreiche Langzeit-Halter ihre Bestände auf sicherere Verwahrsysteme umzogen.
Da die Coins überwiegend zu professionellen Infrastruktur-Anbietern und kaum auf den freien Spot-Markt fließen, lässt sich daraus kein unmittelbarer Verkaufsdruck ableiten.
ETF-Zuflüsse trotzen der Zinsangst
Trotz der Kursschwäche bleibt die institutionelle Nachfrage bemerkenswert stabil. US-Spot-Bitcoin-ETFs zogen in der vergangenen Woche rund 987 Millionen Dollar an — ein Plus von 6,7 Prozent gegenüber der Vorwoche. Ethereum-, Solana- und XRP-Produkte verloren im gleichen Zeitraum zwischen 73 und 97 Prozent ihrer Vorwochenzuflüsse. Institutionelles Kapital konzentriert sich damit klar auf Bitcoin, während Altcoins gemieden werden.
Heute erscheint der Erzeugerpreisindex für August, morgen folgt der Verbraucherpreisindex — die letzten beiden Inflationsdaten vor dem FOMC-Meeting am 16. September. Ein heißer CPI-Wert dürfte die Zinserhöhungserwartungen weiter festigen und den Kurs Richtung der Unterstützung bei 77.000 Dollar drücken. Ein kühlerer Wert könnte dagegen die September-Erwartungen drehen und dem Markt neuen Spielraum geben.
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