Bitcoin: 70 Milliarden Dollar für KI-Verträge
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 04:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Bitcoin-Markt durchläuft derzeit eine tiefgreifende strukturelle Veränderung, die sich insbesondere in den technischen Fundamentaldaten des Netzwerks niederschlägt. Während der Bitcoin-Kurs bei 62.810,00 USD notiert, zeichnet sich bei den Rechenkapazitäten ein deutlicher Abwärtstrend ab. Die Hashrate des Netzwerks verzeichnet bereits seit 287 Tagen einen Rückgang, was zu einer massiven Anpassung der Mining-Schwierigkeit geführt hat.
Historischer Rückgang der Mining-Schwierigkeit
Die Mining-Schwierigkeit, ein technischer Indikator für den Rechenaufwand bei der Erzeugung neuer Blöcke, ist deutlich gesunken. Berichten zufolge fiel dieser Wert um 19,9 % gegenüber seinem Allzeithoch vom November 2025. Am gestrigen Freitag lag die Schwierigkeit bei 126,23 T, was einem leichten Rückgang von 0,73 % in der jüngsten Anpassung entspricht. Seit dem Höchststand von 155,97 T im vergangenen Jahr ist die Metrik fast kontinuierlich gefallen.
Dieser Rückzug der Rechenleistung wird von Marktbeobachtern als der drittgrößte Rückgang in der Geschichte der spezialisierten Mining-Hardware (ASIC-Ära) eingestuft. Die Hashrate selbst lag zuletzt bei rund 868 bis 900 Exahashes pro Sekunde (EH/s). Damit bewegt sie sich etwa 24 % unter dem Rekordniveau vom Oktober 2025, als zeitweise die Marke von einem Zettahash erreicht worden war.
Strategische Neuausrichtung börsennotierter Miner
Hinter der sinkenden Netzwerklast steht eine strategische Fluchtbewegung zahlreicher Mining-Unternehmen. Statt ihre Rechenleistung ausschließlich für die Sicherung des Bitcoin-Netzwerks einzusetzen, verlagern Akteure wie Core Scientific, Hut 8, IREN und TeraWulf ihre Kapazitäten zunehmend in die Bereiche Künstliche Intelligenz (KI) und High-Performance Computing (HPC). Medienberichten zufolge haben diese Unternehmen bereits Verträge über rund 70 Milliarden US-Dollar für KI-Dienstleistungen abgeschlossen.
Interessanterweise entkoppelt sich die Wertentwicklung dieser Unternehmen zunehmend vom Basiswert. Während Bitcoin auf Sicht von 12 Monaten einen Kursverlust von 45,71 % verbucht, stiegen die Aktienkurse einiger börsennotierter Miner im selben Zeitraum um über 430 %. Der Schwenk zum KI-Geschäft wird am Markt derzeit deutlich positiver bewertet als das reine Krypto-Mining, das unter den gesunkenen Margen leidet. Einzelne Unternehmen wie Sphere 3D planen zudem bereits die Umwandlung bestehender Standorte in KI-Rechenzentren.
Milliardenverluste und institutionelle Zukäufe
Trotz des schwierigen Marktumfelds halten große institutionelle Akteure an ihrer langfristigen Ausrichtung fest. Das Unternehmen Strategy (MSTR) meldete für das zweite Quartal 2026 einen massiven unrealisierten Papierverlust in Höhe von 8,22 Milliarden US-Dollar, der primär auf den gesunkenen Bitcoin-Kurs zurückzuführen ist. Dennoch erhöhte das Unternehmen unter der Führung von CEO Phong Le seinen Bestand bis zum 26. Juli auf insgesamt 843.775 BTC.
Parallel dazu zeigt eine Auswertung von Wintermute, dass der Anteil institutioneller Investoren am außerbörslichen Handelsvolumen (OTC) im ersten Halbjahr 2026 auf 72 % gestiegen ist, nachdem er im Vorjahreszeitraum noch bei 59 % gelegen hatte. Bitcoin und Ether machten dabei zwei Drittel der institutionellen Allokationen aus. Dennoch bleibt der Verkaufsdruck spürbar: Allein im ersten Quartal 2026 veräußerten öffentliche Miner rund 32.000 BTC.
Das aktuelle Marktumfeld ist von einer gedrückten Stimmung geprägt, wobei der "Fear & Greed Index" einen Wert von 33 anzeigt. Technisch betrachtet liegt Bitcoin derzeit deutlich unter seinem 52-Wochen-Hoch von 126.080,00 USD. Analysten verweisen auf eine wöchentliche Divergenz beim Relative-Stärke-Index (RSI), die Ähnlichkeiten zum Bärenmarkt des Jahres 2022 aufweist, während einzelne Marktexperten erst bei Erreichen der US-Zwischenwahlen im weiteren Jahresverlauf mit einer Bodenbildung rechnen.
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