Bitcoin: 111 Millionen Dollar Coldcard-Hack
Veröffentlicht am: 27.08.2026 um 20:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Während Bitcoin von einer regulatorischen und geldpolitischen Welle getragen wird, holen zwei Sicherheitsvorfälle die Anleger auf den Boden der Tatsachen zurück. Der Kurs notiert bei 79.464,00 US-Dollar, ein Plus von 1,2 Prozent zum Vortag – doch die eigentliche Geschichte dieser Woche spielt sich abseits der Kurstafel ab.
Coldcard-Hack legt Sicherheitslücke seit 2021 offen
Zwischen dem 3. und 8. August wurden über die Hardware-Wallet Coldcard nach bestätigten Angaben rund 111 Millionen Dollar in Bitcoin entwendet, in der Spitze könnten die Verluste auf bis zu 130 Millionen Dollar steigen. Ursache war eine einzelne Code-Änderung vom 1. März 2021, durch die die Firmware still auf einen software-basierten Zufallsgenerator statt auf den hardwareseitigen zurückfiel.
Betroffen waren in vier Wellen mehr als 5.200 einzelne Adressen, von denen die Angreifer etwa 1.816 Bitcoin abzogen – umgerechnet knapp 116 Millionen Dollar. Der Fall zeigt, dass selbst etablierte Hardware-Wallets über Jahre unentdeckte Schwachstellen tragen können, und dürfte das Vertrauen in einzelne Verwahrlösungen belasten, auch wenn das Bitcoin-Netzwerk selbst unberührt bleibt.
Parallel dazu meldete der Wallet-Hersteller Trezor am 13. August eine Datenpanne bei seinem Versandpartner ShipMonk. Betroffen waren Bestelldaten von 13.689 Kunden, die innerhalb von 90 Tagen vor dem 8. August Sendungen erhalten hatten. Bei 11.742 Datensätzen wurden Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Lieferadressen offengelegt, bei weiteren 1.947 immerhin Namen, Städte und E-Mails.
Auch hier handelt es sich nicht um einen Angriff auf die Blockchain selbst, sondern um ein Problem der physischen Lieferkette rund um Hardware-Wallets – ein Risiko, das Anleger bei der Wahl ihrer Verwahrmethode zunehmend einpreisen müssen.
Politik und Notenbank liefern das Gegengewicht
Dass der Kurs die Nachrichten über gestohlene Millionen bislang wegsteckt, liegt an der parallel laufenden regulatorischen Dynamik. Die US-Börsenaufsicht SEC brachte am 19. August den Vorschlag "Regulation Crypto Assets" auf den Weg, der Investmentverträge mit Kryptowerten in ein klareres Regelwerk einbetten soll.
Am selben Tag empfing US-Präsident Donald Trump Krypto-Manager im Weißen Haus, darunter Coinbase-Chef Brian Armstrong, Ripple-Chef Brad Garlinghouse und Robinhood-Chef Vlad Tenev, und forderte den Kongress auf, den Digital Asset Market Clarity Act zu verabschieden. Der US-Senat hatte bereits am 8. August eine Cloture-Motion eingereicht; die entsprechende Verfahrensabstimmung ist für den 15. September angesetzt.
Armstrong äußerte sich am 21. August zuversichtlich, dass der Clarity Act nun eine Mehrheit finden könnte – aus seiner Sicht ein deutlich bullisches Signal für Bitcoin. Untermauert wird die positive Stimmung von den Zuflüssen in Spot-Bitcoin-ETFs, die am 20. August allein 606 Millionen Dollar erreichten und tags darauf einen kurzen Ausbruch über 81.000 Dollar begleiteten.
Jackson Hole als nächster Prüfstein
In den kommenden Tagen richtet sich der Blick auf das Jackson-Hole-Symposium vom 27. bis 29. August, bei dem Fed-Chef Kevin Warsh Signale zur künftigen Regulierung digitaler Vermögenswerte senden könnte.
Für Anleger bleibt die Gemengelage widersprüchlich: Auf der einen Seite treiben politische Rückenwind und institutionelle Nachfrage den Kurs, auf der anderen Seite mahnen die Vorfälle bei Coldcard und Trezor daran, dass die Sicherheit der Verwahrung nach wie vor eine offene Baustelle der Branche ist.
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