BioNTech Aktie: Seoul-Daten zu pumitamig ab 12. September
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 21:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
BioNTech steckt in einer Phase, in der Anleger zwischen zwei Erzählungen wählen müssen: dem Ende eines Kapitels und dem möglichen Beginn eines neuen. Für mich überwiegt derzeit die Skepsis, wenn auch mit einem Vorbehalt.
Am 28. August teilte BioNTech mit, die Phase-2-Studie BNT122-01 zu autogene cevumeran bei Darmkrebspatienten beendet zu haben. Das unabhängige Datenüberwachungsgremium hatte ein zahlenmäßiges Ungleichgewicht beim Gesamtüberleben zwischen den Behandlungsarmen festgestellt und eine Fortführung als unwahrscheinlich erfolgversprechend bewertet.
Neue Sicherheitssignale gab es nicht, das ist immerhin eine Randnotiz zur Beruhigung. Die parallele Phase-2-Studie zu autogene cevumeran bei Bauchspeicheldrüsenkrebs läuft unverändert weiter. Dennoch bleibt der Abbruch ein Dämpfer für die Onkologie-Pipeline, die BioNTech als Wachstumsträger jenseits des schrumpfenden Covid-Impfstoffgeschäfts verkaufen will.
Comirnaty schrumpft schneller als gedacht
Die eigentliche Wurzel der Skepsis liegt im Kerngeschäft. Im zweiten Quartal 2026 brachen die Umsätze auf 105,6 Millionen Euro ein, nach 260,8 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Der Nettoverlust lag bei 820,8 Millionen Euro.
Als Konsequenz senkte BioNTech die Umsatzprognose für 2026 von 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro auf nur noch 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro. Für mich ist das der eigentliche Belastungsfaktor der Aktie – nicht der einzelne Studienabbruch. Wer auf ein stabiles Impfstoffgeschäft als Brücke zur Onkologie gesetzt hat, muss diese Annahme revidieren.
Am 8. September, also erst gestern, stufte BMO Capital die Aktie von Outperform auf Market Perform zurück und senkte das Kursziel von 128 auf 105 Dollar.
Begründet wurde der Schritt mit einer stärker als erwarteten Erosion von Comirnaty und fehlenden "De-Risking-Daten" für den Antikörper pumitamig bis 2028. Das deckt sich mit meiner Lesart: Der Markt preist zunehmend ein, dass die Onkologie-Story noch Jahre braucht, während das Kerngeschäft schon jetzt schrumpft.
Canaccord Genuity hatte bereits Ende August sein Kursziel auf 136 Dollar gesenkt, hielt aber an der Kaufempfehlung fest – ein Hinweis darauf, dass nicht alle Analysten die Lage gleich pessimistisch sehen.
Die Onkologie-Hoffnung bekommt eine Bühne
Trotz des Rückschlags bei cevumeran bleibt die restliche Pipeline intakt. Von 12. bis 15. September präsentiert BioNTech auf der IASLC-Weltkonferenz für Lungenkrebs in Seoul neue Daten zu pumitamig und gotistobart, darunter erstmals globale Lungenkrebsdaten zur Kombination von pumitamig mit dem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat elfetabart drozuntecan. Das ist der Termin, an dem sich zeigen dürfte, ob die Substanzen das Zutrauen rechtfertigen, das ihnen zugetraut wird. Für mich ist das der eigentliche Prüfstein der kommenden Wochen – wichtiger als jede weitere Kursbewegung.
Der Führungswechsel an der Konzernspitze spielt in dieser Gemengelage eine untergeordnete Rolle. Guido Oelkers übernimmt spätestens zum 1. Februar 2027 als CEO, während Özlem Türeci in eine neue, unabhängige Gesellschaft wechselt, die sie gemeinsam mit Ugur Sahin leiten wird. Das ist ein struktureller Umbau mit langem Zeithorizont, kein kurzfristiger Kurstreiber.
Mein Fazit
Die Aktie notiert bei 83,85 Euro und damit rund 21 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 105,80 Euro, das im Januar erreicht wurde. Zugleich liegt sie 23 Prozent über dem Tief vom März.
Diese Spanne spiegelt die Zerrissenheit der Anleger wider: Das Comirnaty-Geschäft erodiert schneller als gedacht, die gesenkte Umsatzprognose bestätigt das, und der jüngste Studienabbruch nimmt der Onkologie-Pipeline einen Kandidaten.
Auf der anderen Seite bleibt mit pumitamig ein Hoffnungsträger, dessen Daten in Seoul erste Substanz liefern könnten. Solange diese Daten ausstehen, überwiegen für mich die Risiken die Chancen – die kommende Konferenz dürfte zeigen, in welche Richtung sich das Bild verschiebt.
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