Berkshire Hathaway vor der Japan-Frage: Wie weit geht Abel bei den Handelshäusern?
Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 05:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ausgangslage
Greg Abel reiste in der ersten Septemberwoche nach Japan und traf dort die Führungsspitzen der fünf großen Handelshäuser Mitsubishi, Itochu, Mitsui, Marubeni und Sumitomo.
Gegenüber Nikkei Asia machte der Berkshire-Chef deutlich, dass eine weitere Aufstockung der bestehenden Beteiligungen nicht nur denkbar, sondern beabsichtigt ist. „Unser Ziel ist es, unseren Anteil an ihnen weiter zu erhöhen", sagte Abel und nannte dabei sogar einen möglichen Zeitpunkt: Sollte er im kommenden Monat in Omaha die Lage sichten und man entscheide sich für etwas mehr Engagement bei jedem einzelnen Unternehmen, werde man das tun.
Diese Aussage zählt jetzt deshalb, weil sie über die reine Bestandshaltung hinausgeht, die Berkshire bei den Handelshäusern bislang gepflegt hat. Bisher galten die Beteiligungen als langfristige, aber weitgehend statische Position im Portfolio.
Abels Formulierung deutet auf einen möglichen aktiven Ausbau hin – zu einem Zeitpunkt, an dem sich Berkshire nach 14 Quartalen als Nettoverkäufer im zweiten Quartal erstmals wieder als Nettokäufer von Aktien positioniert hat, mit knapp 20 Milliarden Dollar an Nettozukäufen.
Die entscheidende Frage
Der zentrale Punkt für Anleger lautet: Bleibt es bei rhetorischer Absichtsbekundung, oder folgt tatsächlich eine substanzielle Kapitalallokation in Richtung Japan?
Abel selbst relativierte im selben Gespräch ein mögliches Gegenargument – die hohen japanischen Anleiherenditen, die auf Mehrjahrzehnthochs liegen. Er bezeichnete sie im Vergleich zu globalen Renditeniveaus als „relativ moderat" und betonte, kein einziges der Handelshäuser habe dies als fundamentale Herausforderung angeführt. Damit entfällt ein naheliegender Bremsfaktor für weiteres Engagement.
Parallel dazu bewegt sich Berkshire mit der im März verkündeten Beteiligung an Tokio Marine Holdings bereits auf einem zweiten Gleis im japanischen Versicherungsmarkt, mit dem Ziel, bei internationalen Transaktionen zusammenzuarbeiten. Ob die Handelshaus-Aufstockung und das Tokio-Marine-Engagement Teil einer koordinierten Japan-Strategie sind oder eher opportunistisch nebeneinanderstehen, bleibt offen.
Bullisches Szenario
Sollte Berkshire die Beteiligungen an den fünf Handelshäusern tatsächlich ausbauen, würde das Unternehmen einen Teil seiner enormen Kassenreserve – zuletzt 365,5 Milliarden Dollar zum 30. Juni, nach einem Rekordwert von 397,4 Milliarden Dollar Ende des ersten Quartals – in bewährte, dividendenstarke Auslandsbeteiligungen lenken.
Die Handelshäuser gelten als diversifizierte Konglomerate mit breiter Rohstoff-, Energie- und Handelsbasis. Eine Aufstockung würde signalisieren, dass Abel bereit ist, Kapital dort zu investieren, wo Bewertungen im internationalen Vergleich attraktiv erscheinen, während US-Aktien insgesamt als teuer gelten.
In Kombination mit dem jüngsten Rückkehr zum Nettokäufer-Modus und dem fortgesetzten Rückkauf eigener Aktien könnte dies als Zeichen wachsender Investitionsdisziplin unter Abel gewertet werden.
Bärisches Szenario
Dagegen steht die Möglichkeit, dass es bei der Ankündigung bleibt. Abel selbst formulierte konditional – „wenn wir die Lage sichten" und „wenn wir uns entscheiden".
Ein fester Termin oder ein konkretes Volumen wurde nicht genannt. Zudem bleibt die Schwäche im Versicherungsgeschäft ein Gegengewicht: Die Underwriting-Erträge fielen im zweiten Quartal um 13 Prozent auf 1,73 Milliarden Dollar, die Kapitalerträge aus dem Versicherungsgeschäft sanken um 9 Prozent.
Ein Unternehmen, das an anderer Stelle operative Schwäche zeigt, könnte bei internationalen Zukäufen vorsichtiger vorgehen als die Rhetorik vermuten lässt. Auch die hohen japanischen Anleiherenditen, selbst wenn Abel sie als handhabbar einstuft, könnten die Finanzierungskosten der Handelshäuser mittelfristig belasten und damit indirekt auf die Beteiligungswerte drücken.
Ausblick
Solange Abel an seiner Aussage festhält und im Oktober tatsächlich eine sichtbare Aufstockung folgt, dürfte der Markt dies als Bestätigung einer aktiveren Kapitalallokationsstrategie werten.
Bleibt es hingegen bei der bloßen Absichtserklärung ohne konkrete Transaktion, dürfte die Aufmerksamkeit rasch wieder auf die schwächelnde Versicherungssparte und die Frage zurückfallen, wie Berkshire seine weiterhin enorme Kassenreserve tatsächlich einsetzt.
Der von Abel selbst genannte Zeitpunkt – der kommende Monat, wenn er die Lage aus Omaha sichtet – liefert einen konkreten Anhaltspunkt, an dem sich diese Frage entscheiden dürfte. Die Aktie selbst notierte zuletzt bei 649.000 Euro und damit 5,4 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 686.000 Euro, was auf eine gewisse Zurückhaltung der Anleger in den vergangenen Wochen hindeutet.
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