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Bayer Aktie: FDA lässt Kerendia für Diabetiker zu

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 11:17 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kerendia erhält in den USA eine neue Zulassung; Bayer erwartet Spitzenumsätze von über drei Milliarden Euro und verkauft Stivarga.

Flatlay auf weißem Untergrund: weiße runde Tabletten, Marmorstößel, grünes Pflanzenblatt, Glasflakon und gedrucktes DNA-Doppelhelix-Diagramm; Beschriftungskarte mit Text PHARMA
Top-down-Arrangement: weiße Tabletten, Mörser, grünes Blatt, DNA-Diagramm, Beschriftungskarte PHARMA Illustration mit AI erstellt.

Zulassungserfolg in den USA setzt neue Impulse

Am 17. September erteilte die US-Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung für das Medikament Kerendia zur Behandlung von chronischen Nierenerkrankungen bei Typ-1-Diabetes. Für das Präparat mit dem Wirkstoff Finerenon bedeutet dies den Eintritt in ein medizinisches Marktsegment, in dem es in den Vereinigten Staaten seit 30 Jahren keine neue Therapieoption gab.

Die Freigabe verschafft dem Pharma- und Agrarkonzern eine wichtige Perspektive abseits der juristischen Dauerdebatten: Die Unternehmensführung traut dem Medikament in der Spitze jährliche Umsätze von mehr als 3 Milliarden Euro zu.

Die Marktkapitalisierung von 48,44 Milliarden Euro spiegelt die Hoffnung wider, dass sich die Ertragskraft der Leverkusener schrittweise stabilisiert. Nachdem in den vergangenen Monaten vor allem Vergleiche und Portfolioumbauten die Schlagzeilen beherrschten, rückt der therapeutische Fortschritt wieder in das Blickfeld institutioneller Investoren.

Ertragskraft der Medikamentenpipeline steht auf dem Prüfstand

Für Anleger stellt sich nun eine zentrale Frage: Kann Kerendia die hohen Umsatzerwartungen schnell genug erfüllen, um bevorstehende Patentabläufe bei älteren margenstarken Arzneien aufzufangen?

Der Eintritt in den US-Markt erfordert signifikante Mittel für Vertrieb und Vermarktung, bevor signifikante Rückflüsse verbucht werden können. Die Kennzahl des Spitzenumsatzes dient an den Märkten als Maßstab, doch der reale Beitrag zum operativen Konzerngewinn hängt von der tatsächlichen Verordnungsdynamik ab.

Gleichzeitig forciert das Management die Bereinigung des bestehenden Portfolios. Bayer veräußert das Krebsmedikament Stivarga an das Pharmaunternehmen Grünenthal. Die Transaktion umfasst ein Gesamtvolumen von bis zu 375 Millionen Euro. Dieser Schritt verdeutlicht die Absicht, Randaktivitäten abzugeben und gebundenes Kapital freizusetzen, um die Schwerpunkte im Kerngeschäft konsequenter finanzieren zu können.

Spitzenumsätze und Portfoliostraffung stützen das Erholungspotenzial

Im optimistischen Szenario gelingt es Bayer, Finerenon zügig im amerikanischen Markt für Typ-1-Diabetiker zu etablieren. Da über drei Jahrzehnte keine neuen Therapien für diesen speziellen Patientenkreis zugelassen wurden, trifft der Konzern auf einen hohen ungedeckten Behandlungsbedarf.

Sollte die Dynamik anziehen, würde dies die Visibilität der Pharmasparte über Jahre hinaus stärken. Die zusätzlichen Einnahmen böten Spielraum, um eigene Forschungsinitiativen ohne teure Zukäufe voranzutreiben.

Zusätzlichen Rückhalt liefert die Verschlankung der Konzernstruktur: Der Vollzug des Stivarga-Verkaufs wird für Ende 2026 oder Anfang 2027 erwartet. Auch auf der Eigentümerseite zeichnet sich Vertrauen ab.

Der französische Vermögensverwalter Amundi überschritt am 14. September die Meldeschwelle von 3 Prozent und hält 3,04 Prozent der Stimmrechte. An den Märkten spiegelt sich die Zuversicht in einer soliden Zwischenbilanz wider: Seit Jahresanfang legte der Kurs um 34 Prozent zu.

Markteinführungsrisiken und juristische Altlasten dämpfen die Euphorie

Dem Aufwärtsszenario stehen jedoch spürbare Risiken gegenüber. Zulassungserfolge garantieren keine Selbstläufer. Das Erreichen der anvisierten Spitzenmarke von mehr als 3 Milliarden Euro bleibt ein Zielwert, der bei schleppenden Verhandlungen mit Kostenträgern oder zögerlichen Verordnungen durch Fachärzte verfehlt werden kann. Bleiben die Zuwächse hinter den Prognosen zurück, droht dem Papier eine erneute Ernüchterung im Pharmasektor.

Hinzu kommt die fortdauernde Belastung durch die US-Rechtsstreitigkeiten. Zwar fand vor rund zwei Wochen die gerichtliche Anhörung zur finalen Genehmigung des Glyphosat-Sammelvergleichs in Missouri statt, bei der die Konzerntochter Monsanto die Genehmigung durch das Gericht erwartet.

Seit diesem Termin verzeichnete der Titel ein Plus von 1,6 Prozent. Dennoch bindet der Komplex weiterhin Liquidität und Managementressourcen. Solange die Vergleiche nicht vollumfänglich und rechtskräftig abgeschlossen sind, bleibt das Risiko unkalkulierbarer Nachforderungen ein stetiger Bewertungsabschlag.

Weichenstellungen im Herbst entscheiden über den Trend

Für den weiteren Kursverlauf ist entscheidend, wie solide die jüngste Erholungsbewegung untermauert wird. Das Papier geht bei 49,48 Euro in den Handel.

Solange das Niveau oberhalb der jüngsten Zwischentiefs verteidigt wird und die Markteinführung von Kerendia messbare Fortschritte signalisiert, bleibt die Tendenz positiv. Kippt die Stimmung hingegen durch rechtliche Verzögerungen oder Enttäuschungen im operativen Geschäft, dürfte die Nervosität schnell zurückkehren.

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