Bausch Health: RBC hebt Kursziel auf 10 Dollar
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 15:37 Uhr | Redaktion boerse-global.deRBC hat heute das Kursziel für Bausch Health von 9 auf 10 US-Dollar angehoben. Die Einstufung „Sector Perform“ bleibt bestehen. Damit würdigt das Analysehaus die verbesserten Aussichten nach den gestern veröffentlichten Quartalszahlen, ohne eine positivere Empfehlung auszusprechen. Für Anleger stehen dem kräftigen Ergebniswachstum und dem Schuldenabbau weiterhin absehbare Belastungen bei Xifaxan gegenüber.
Die Börse reagiert deutlich positiv: Die Aktie legt heute um 9,5% zu. Die operative Entwicklung liefert dafür eine Grundlage. Allerdings lässt sich das jüngste Wachstum nicht ohne Weiteres in das kommende Jahr fortschreiben.
Ergebnis wächst stärker als Umsatz
Bausch Health erzielte im dritten Quartal 2026 einen Konzernumsatz von 2,941 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem berichteten Wachstum von 10% gegenüber dem Vorjahresquartal. Organisch betrug der Zuwachs 8%.
Bemerkenswert ist vor allem die Ergebnisentwicklung. Sie zeigt, dass der Konzern den höheren Umsatz mit einem überproportionalen Anstieg des bereinigten operativen Ergebnisses verbinden konnte. Die Verbesserung beschränkt sich damit nicht auf die Erlösseite.
Das Bausch Health zurechenbare bereinigte EBITDA erreichte 1,305 Milliarden US-Dollar und stieg um 32%. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 1,77 US-Dollar.
Auch ohne Bausch + Lomb setzte sich das Wachstum fort. Dieser Unternehmensteil verzeichnete das vierzehnte Quartal in Folge steigende Umsätze und ein höheres bereinigtes EBITDA. Letzteres überschritt erstmals die Milliardenschwelle in einem Quartal. Das unterstreicht, dass nicht allein Bausch + Lomb zur positiven Entwicklung beitrug.
Ein wichtiger Wachstumsträger war Salix mit 831 Millionen US-Dollar Umsatz und einem Plus von 16%. Allerdings profitierte Xifaxan nach Angaben des Finanzvorstands auch von höheren Lagerbeständen im Vertrieb.
Diese Einschränkung ist für die Bewertung wichtig: Zusätzliche Bestände bei Vertriebspartnern sind kein gleichwertiger Beleg für eine dauerhaft stärkere Nachfrage. Eine spätere Normalisierung könnte die Umsatzentwicklung wieder bremsen.
Angehobene Prognose stärkt den Ausblick
Für 2026 erwartet Bausch Health nach der Prognoseanhebung einen Konzernumsatz von 10,975 bis 11,175 Milliarden US-Dollar. Die neuen Ziele untermauern die Zuversicht des Unternehmens nach dem starken Quartal.
Entscheidend ist dabei nicht nur das zusätzliche Umsatzpotenzial. Der angehobene Ergebnisausblick signalisiert ebenfalls, dass Bausch Health für das Gesamtjahr mit einer stärkeren operativen Leistung rechnet.
Beim bereinigten EBITDA liegt die neue Prognose bei 4,315 bis 4,415 Milliarden US-Dollar. Ohne Bausch + Lomb stellt das Unternehmen einen bereinigten operativen Cashflow von 1,600 bis 1,675 Milliarden US-Dollar in Aussicht.
Für Aktionäre verbindet sich damit eine zentrale Frage: Wie viel der operativen Stärke kann Bausch Health zur Entlastung seiner Bilanz nutzen? Die angekündigte Rückzahlung einer Anleihe gibt darauf eine konkrete Antwort.
Barmittel für Tilgung und Aktienrückkäufe
Bausch Health Americas plant die vollständige Rückzahlung von rund 643 Millionen US-Dollar ausstehenden Senior Notes. Die Anleihen tragen einen Zins von 8,500% und werden 2027 fällig.
Die Tochtergesellschaft will die Rückzahlung am 30.11.2026 aus vorhandenen Barmitteln finanzieren. Gestern kündigte sie eine separate unwiderrufliche Rückzahlungsmitteilung mit heutigem Datum an. Die gestrige Unternehmensmitteilung war selbst noch keine formelle Rückzahlungsmitteilung.
Parallel genehmigte der Vorstand ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 50 Millionen US-Dollar. Rückkäufe können am 3.11.2026 beginnen und sollen spätestens am 3.11.2027 enden.
Das Programm dient primär dazu, mögliche Verwässerung durch künftige Mitarbeiteraktienvergütung auszugleichen. Es ist daher nicht als uneingeschränkte zusätzliche Ausschüttung an die Aktionäre zu verstehen. Erworbene Aktien werden eingezogen; eine Verpflichtung zum Rückkauf besteht nicht.
Xifaxan begrenzt die Euphorie
Der wichtigste Vorbehalt betrifft die bevorstehenden Medicare-Preisänderungen für Xifaxan. Finanzvorstand JJ Charhon bezifferte den erwarteten Nettoeffekt für 2027 auf eine Belastung von geschätzt 400 bis 500 Millionen US-Dollar gegenüber dem Vorjahr. Der neue Medicare-Preis gilt ab 1.1.2027.
Bereits vor dem Wirksamwerden können Abgrenzungen für Lagerbestände die ausgewiesene Entwicklung belasten. Hinzu kommt das Risiko eines Lagerabbaus im Vertrieb. Das Management hat damit ausdrücklich auf Gegenwind hingewiesen, der über die reine Preisänderung hinausgeht.
Bausch Health liefert somit stärkere Ergebnisse, höhere Jahresziele und konkrete Schritte beim Schuldenabbau. RBCs unveränderte Einstufung setzt dazu einen zurückhaltenden Akzent. Für die weitere Bewertung zählt vor allem, wie gut das Unternehmen die angekündigten Xifaxan-Belastungen mit seiner operativen Entwicklung auffangen kann.
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