BASF Aktie: SPD-Fraktion prüft Evonik-Mehrheit
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 07:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Geplatzte Offerte stellt Ludwigshafen vor Grundsatzfragen
Im Übernahmepoker um den Spezialchemiekonzern Evonik steht BASF vor einer richtungsweisenden Entscheidung.
Vor rund zwei Wochen bestätigte BASF Sondierungsgespräche mit Evonik und der RAG-Stiftung. Das Tauziehen um die Konditionen erreicht damit eine neue Stufe.
Gestern brachte zudem die SPD-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag eine Prüfung ins Spiel, ob sich das Land gemeinsam mit der RAG-Stiftung eine Mehrheit an Evonik sichern solle. Für die Aktionäre in Ludwigshafen gewinnt die Situation damit an politischer Brisanz. An der Börse ging das Papier gestern bei 50,95 Euro aus dem Handel.
Wie teuer darf die strategische Expansion werden?
Die zentrale Ungewissheit betrifft die finanzielle Disziplin des Chemieriesen. Ein Zukauf könnte das Spezialchemiegeschäft stärken, droht aber bei steigenden Übernahmepreisen die Bilanz zu belasten.
Analyst James Hooper von Bernstein Research ordnete die Lage am 28. September ein. Eine Kombination mit Evonik sehe zwar rechnerisch attraktiv aus, mache die Investmentstory aber grundsätzlich komplexer. Bernstein senkte damals das Kursziel für BASF von 63 auf 61 Euro, beließ die Einstufung jedoch bei „Outperform“.
Für Anleger stellt sich die Frage, wie weit das Management bei einem Nachbessern gehen würde. Ein deutlich erhöhtes Gebot könnte künftige Renditen schmälern. Zieht BASF die Offerte hingegen ohne Einigung zurück, bliebe ein erhoffter Wachstumsschub vorerst aus.
Disziplinierter Zukauf und Spezialchemie bieten Aufwärtspotenzial
Im optimistischen Fall bewahrt das Management kühlen Kopf. Gelingt eine Einigung zu wirtschaftlich tragfähigen Konditionen oder bricht BASF die Gespräche bei überzogenen Forderungen konsequent ab, rückt die operative Entwicklung wieder in den Vordergrund.
Zuversichtlich zeigte sich Parmantier & Cie. Das Analysehaus veröffentlichte am Dienstag eine Kaufempfehlung für die Aktie mit einem Kursziel von 59,00 Euro auf Sicht von sechs Monaten. Die Experten trauen dem Papier damit deutlichen Erholungsspielraum zu.
Gleichzeitig arbeitet der Konzern an gezielten Produktinnovationen abseits großer Zukäufe. Am Montag kündigte BASF an, den Anwendungsfokus des Ultrason-Portfolios für elektronische Komponenten in KI-Rechenzentren und der E-Mobilität zu erweitern.
Zudem stellte das Unternehmen am 30. September neue Ultradur-Compounds mit Rezyklatanteil vor. Fassen solche Initiativen im Markt Fuß, während teure Abenteuer vermieden werden, besteht Potenzial für eine Neubewertung.
Teure Bieterschlacht und politische Hürden drohen
Auf der Kehrseite birgt das Vorhaben erhebliche Risiken, falls sich BASF auf ein langwieriges Wettbieten einlässt. Sollte das Management die Offerte spürbar anheben, um den Widerstand bei Evonik zu brechen, drohen steigende Schulden und langwierige Integrationsprozesse.
Zusätzliche Hürden baut die politische Ebene auf. Der Vorstoß für eine gemeinsame Sperrminorität aus RAG-Stiftung und Land Nordrhein-Westfalen verdeutlicht den Widerstand gegen eine vollständige Kontrolle aus Ludwigshafen. Staatliche Mitspracherechte könnten geplante Synergien behindern und Restrukturierungen verlangsamen.
Sollten die Verhandlungen nach monatelangem Ringen ohne Ergebnis scheitern, droht zudem eine Vertrauenskrise am Kapitalmarkt. Wertvolle Zeit im anspruchsvollen Branchenumfeld wäre damit ungenutzt verstrichen.
Chartmarken und Quartalszahlen setzen den Rahmen
Für den weiteren Kursverlauf zeichnen sich konkrete Leitplanken ab. Solange der Kurs über dem 200-Tage-Durchschnitt von 49,75 Euro notiert, bleibt der übergeordnete Trend intakt. Kippt das Papier jedoch unter diese Unterstützung, dürften die Sorgen vor teuren Fehltritten das Handelsgeschehen dominieren. Auf der Oberseite bildet das 52-Wochen-Hoch bei 55,05 Euro die entscheidende Barriere für eine Ausdehnung der Aufwärtsbewegung.
Wichtige Klarheit bringt der nächste Unternehmenstermin. Am 28. Oktober 2026 um 07:00 Uhr MEZ veröffentlicht BASF die Quartalsmitteilung für das dritte Quartal 2026. Dort wird sich die Unternehmensführung den Fragen stellen müssen, wie sie den Spagat zwischen M&A-Ambitionen und Kapitaldisziplin meistern will.
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