BASF Aktie: Evonik pocht auf mehr
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 02:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Übernahmepoker um Evonik nimmt Konturen an – und die zeigen vor allem eines: Der Preis reicht nicht. Evonik hat das Angebot von BASF nach übereinstimmenden Berichten abgelehnt, weil es aus Sicht der Essener zu niedrig angesetzt war, um überhaupt in Verhandlungen oder eine Due Diligence einzusteigen.
22,15 Euro je Aktie reichen nicht
BASF hatte rund 22,15 Euro je Evonik-Aktie geboten, das Gesamtvolumen des Angebots lag bei etwa 10,3 Milliarden Euro. Damit wäre Evonik mit einem Unternehmenswert von 14,2 Milliarden Euro bewertet worden.
Zum Vergleich: Die Essener kommen aktuell auf eine Marktkapitalisierung von 8,4 Milliarden Euro und einen Unternehmenswert von rund 12 Milliarden Euro inklusive Nettoverschuldung. Beide Konzerne zusammen erwirtschafteten im vergangenen Jahr kombinierte Erlöse von rund 74 Milliarden Euro.
BASF selbst hält sich bei der Preisfrage offiziell bedeckt und spricht von "Sondierungen", deren Fortgang und Ausgang gegenwärtig offen seien. Evonik wiederum betont, es handle sich um eine unverbindliche Ansprache, Gespräche fänden derzeit nicht statt. Größte Evonik-Anteilseignerin ist die RAG-Stiftung mit knapp 44 Prozent – ihre Haltung dürfte am Ende über Erfolg oder Scheitern des Vorhabens entscheiden.
Gewerkschaft mahnt zur Vorsicht
Neben dem Preisstreit meldet sich auch die Belegschaftsseite zu Wort. Die Chemiegewerkschaft IGBCE sieht "offene und kritische Fragen" und warnt davor, dass eine Fusion zweier erfolgreicher Unternehmen allein durch die schiere Größe des neuen Gebildes noch keine Zukunftsgeschichte für Standorte und Beschäftigte schreibe.
In beiden Konzernen laufen bereits Restrukturierungs- und Personalabbauprogramme – die Gewerkschaft fordert, diese "Schraube" nicht weiter zu überdrehen.
Strategisch nachvollziehbar ist der Vorstoß trotzdem: BASF droht seinen Rang als weltweit umsatzstärkster Chemiekonzern an den chinesischen Rivalen Sinopec zu verlieren, dessen Chemiesparte im vergangenen Jahr fast auf Augenhöhe mit BASFs Konzernumsatz von 59,7 Milliarden Euro lag.
Eine Evonik-Übernahme würde diesen Abstand vergrößern und zugleich das Spezialchemie-Portfolio um Hightech-Kunststoffe, Futtermittelzusätze und Beschichtungsingredienzien erweitern.
Der Ball liegt nun bei BASF. Sollte der Konzern nachlegen wollen, braucht es ein deutlich höheres Angebot, um sowohl die RAG-Stiftung als auch das Management von Evonik zu überzeugen. Bis dahin bleibt der Ausgang der Sondierungen offen.
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