Barrick Mining Aktie: 1,95 Milliarden von Newmont
Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 12:37 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wer die jüngste Kursbewegung bei Barrick Mining nur als weitere Episode der Goldminen-Euphorie abtut, übersieht das eigentlich Bemerkenswerte: Hier wird gerade ein jahrelanger Streit in barer Münze aufgelöst – und das zugunsten des Unternehmens. Für mich ist der Nevada-Vergleich mit Newmont die eigentliche Nachricht dieser Woche, nicht die Tagesbewegung des Kurses.
Der Deal, der mehr ist als eine Randnotiz
Newmont überweist Barrick 1,95 Milliarden US-Dollar zur Beilegung des Streits um die gemeinsam gehaltenen Nevada Gold Mines. Die Zahlung soll binnen 30 Tagen fließen. Im Gegenzug bringt Barrick das Fourmile-Projekt in das Joint Venture ein, Newmont steuert Fiberline und Mike bei. Die Beteiligungsquoten bleiben bei 61,5 Prozent für Barrick und 38,5 Prozent für Newmont – Barrick behält also die Kontrolle über das größte Gold-Asset Nordamerikas.
Fourmile gilt als potenzieller Wertetreiber ersten Ranges: Bis zu 750.000 Unzen Gold jährlich, über 25 Jahre, so die genannte Größenordnung. Ob sich das exakt so realisiert, steht auf einem anderen Blatt. Aber die Richtung ist klar, und Newmont hat der Nordamerika-Abspaltung von Barrick zugestimmt – das ist der eigentliche Hebel. Ohne diese Zustimmung wäre der geplante IPO der nordamerikanischen Goldassets deutlich komplizierter geworden.
Warum die Zahlen die These stützen
Wer skeptisch bleibt, sollte sich die operative Entwicklung ansehen. Im zweiten Quartal lag der Free Cashflow bei 1,7 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gewinn je Aktie stieg um 55 Prozent, das EBITDA um 51 Prozent auf 2,55 Milliarden US-Dollar. Das sind keine Zahlen, die man mit reiner Goldpreis-Euphorie erklären kann – hier stimmt auch die operative Basis.
Die Dividendenrendite hat inzwischen die Marke von 2 Prozent überschritten, bei einer Ausschüttungsquote von rund 24 Prozent. Das ist aus meiner Sicht ein Wert, der Spielraum lässt, ohne die Substanz zu gefährden. Zugleich handelt die Aktie mit rund dem 11,5-Fachen der erwarteten Gewinne – kein Schnäppchenpreis, aber angesichts der operativen Dynamik auch keine Übertreibung.
Der Kurs hat die Story bereits eingepreist – teilweise
Der Schlusskurs von 63,84 kanadischen Dollar am Donnerstag liegt gut 17 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 54,48 Dollar. Das signalisiert eine Aktie im starken Aufwärtstrend, aber auch eine, die kurzfristig überkauft wirken kann. Auf Jahressicht steht ein Plus von 81 Prozent zu Buche – eine Zahl, die zeigt, dass der Markt die operative und strukturelle Verbesserung bei Barrick längst goutiert.
Trotzdem bleibt Luft nach oben: Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch beträgt noch 14 Prozent. Die Aktie hat sich also weit von ihrem Tief erholt, ist aber noch nicht wieder am Rekordniveau angekommen. Für mich spricht das dafür, dass der Markt die Nevada-Einigung und die bevorstehende Abspaltung noch nicht vollständig eingepreist hat – sonst müsste die Aktie näher am Hoch notieren.
Risiken bleiben, aber sie wiegen aus meiner Sicht leichter
Natürlich gibt es Gegenwind: Die durchschnittlichen All-in-Sustaining-Costs sind im Jahresvergleich um 11 Prozent gestiegen, der Free Cashflow wurde durch eine Einmalzahlung in Mali belastet. Rohstoffpreisvolatilität und Treibstoffkosten bleiben strukturelle Risiken, die jedes Minenunternehmen begleiten.
JPMorgan hat sein Kursziel im April zwar von 91 auf 79 kanadische Dollar gesenkt – bewegt sich damit aber immer noch deutlich über dem aktuellen Konsens-Kursziel von 68 Dollar. Andere Häuser wie Barclays und National Bank Financial haben ihre Ziele zuletzt angehoben.
Mein Fazit
Die Kombination aus gelöstem Nevada-Streit, freigesetztem Kapital für den Nordamerika-Spinoff und robusten operativen Zahlen ergibt für mich ein stimmigeres Bild als reine Goldpreis-Spekulation.
Die Chancen, dass die Story weiterträgt, überwiegen aus meiner Sicht die kurzfristigen Risiken einer überkauften Marktlage. Wer die Aktie bereits hält, findet in diesem Deal einen strukturellen Grund, gelassen zu bleiben – Neueinsteiger sollten sich der derzeit erhöhten Schwankungsbreite bewusst sein.
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