Barclays Aktie: Bank bleibt Öl-Sturm trotzig
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 10:17 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Steigende Ölpreise über 100 Dollar je Barrel setzen Aktienmärkte weltweit unter Druck. Barclays-Strategen um Emmanuel Cau sehen die Lage differenzierter — und positionieren sich mit einer klaren Wette auf den Bankensektor.
Die Inflationssorgen treiben die Erwartungen an die US-Notenbank nach oben. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung in der kommenden Woche liegt laut Markteinschätzung bei rund 70 Prozent.
Barclays-Ökonomen rechnen für August mit einem Anstieg der Kernrate der US-Verbraucherpreise um 0,23 Prozent im Monatsvergleich — ein Wert, der eine Zinserhöhung nicht ausschließen würde. Für das Gesamtjahr erwartet das Haus inzwischen zwei weitere Fed-Zinsschritte.
Zinserhöhung als reinigendes Gewitter
Die Barclays-Strategen argumentieren, eine Zinserhöhung könnte paradoxerweise Klarheit schaffen. Sie würde die Reaktionsfunktion der Fed und den wahrscheinlichen Zinsgipfel offenlegen. Die erste Marktreaktion dürfte zwar gemischt ausfallen, historisch hätten Aktien aber nach Wiederaufnahme eines Zinserhöhungszyklus rasch zum Aufwärtstrend zurückgefunden.
Für Europa sieht die Bank zusätzliche Risiken. Steigende Gaspreise vor dem Winter, kombiniert mit vergleichsweise knappen Speicherständen, verschärfen die Inflationssorgen auf dem Kontinent. Eine Wiederholung der Stagflationsdynamik von 2022 sei aber noch nicht in Sicht — europäische Unternehmen hätten ihre Energieversorgung seither diversifiziert, und die deutsche Konjunktur profitiere von fiskalischen Impulsen.
Die Europäische Zentralbank hat in dieser Woche die Zinsen angehoben und damit wachsende Inflationssorgen unterstrichen, gleichzeitig aber ein robusteres Wachstumsbild anerkannt. Barclays rechnet mit einer weiteren EZB-Zinserhöhung im Dezember, sollte der Energiepreisdruck anhalten.
Banken bleiben Übergewichtet
Vor diesem Hintergrund hält Barclays an seiner Übergewichtung des Bankensektors fest. Als weitere Favoriten nennt das Haus "Old Economy"-Werte mit hohem Investitionsbedarf sowie Versorger und Telekomtitel, die zunehmend als Anleihe-Ersatz an Attraktivität gewinnen. Im Telekomsektor verbessere sich die Ertragsdynamik, während ein Großteil des Zinsrisikos bereits in den Bewertungen eingepreist sei.
Europäische Aktien liegen seit Jahresbeginn rund 10 Prozent im Plus und damit nicht weit hinter den USA. Diese Outperformance ist zuletzt ins Stocken geraten — die Kombination aus höheren Ölpreisen, steigenden Zinsen und politischen Unsicherheiten hat die Dynamik gebremst. Barclays hält das zugrunde liegende Wachstum aber weiterhin für solide fundiert.
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