AXT, Aktie

AXT Aktie: Tradr bringt gehebelte ETFs

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 22:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

AXT profitiert von knappen Indium-Phosphid-Wafern und steigenden Erlösen, während hohe Schwankungen sowie unterschiedliche Analystenurteile bleiben.

AXT-Aktie zwischen Wafer-Knappheit, Kursausschlägen und Spekulation
Abstrakte Darstellung von Finanzmarktdynamik und gehebelten Investitionen in einem professionellen, modernen Stil. Illustration mit AI erstellt.

Es gibt Aktien, die einfach die Kurve der eigenen Story nachzeichnen. AXT ist gerade so ein Fall. Der kalifornische Hersteller von Substraten für Indium-Phosphid-Wafer, dem entscheidenden Rohstoff für optische Komponenten in der KI-Infrastruktur, hat in den vergangenen Wochen eine Bewegung hingelegt, die selbst erfahrene Anleger schwindelig macht.

Am Montag, 17. August, sprang das Papier nach einem Bericht der taiwanesischen Zeitung United Daily News um 18 Prozent auf 95,97 Dollar. Der Grund: eine gemeldete akute Unterversorgung bei Indium-Phosphid-Substraten und Epitaxie-Wafern, mit Preiserhöhungen von mehr als zehn Prozent fürs vierte Quartal – dem größten Sprung, der je verzeichnet wurde.

Wer daraus eine lineare Erfolgsgeschichte macht, irrt allerdings. Nur eine Woche später, am 24. und 25. August, brach die Aktie an zwei Handelstagen um 10,5 und 9,3 Prozent ein. Jetzt, zum Wochenstart, zieht sie wieder an: um 4,6 Prozent auf 53,08 Euro. Genau diese Zickzack-Bewegung ist die eigentliche Geschichte – nicht der einzelne Ausschlag.

Ein Rohstoff, der plötzlich knapp wird

Man muss sich klarmachen, was hier strukturell passiert. Indium-Phosphid ist keine Nische mehr, seit optische Transceiver für KI-Rechenzentren zum Flaschenhals der gesamten Branche geworden sind. AXT sitzt an einer Quelle, die gerade knapp wird – und Knappheit ist bekanntlich der beste Verbündete der Preissetzungsmacht.

Genau das zeigten die Zahlen zum zweiten Quartal, veröffentlicht vor gut drei Wochen: Die Indium-Phosphid-Erlöse erreichten mit 30,7 Millionen Dollar einen Rekordwert, fast zwei Drittel des Gesamtumsatzes von 47,6 Millionen Dollar – ein Sprung von 77 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Der Ausblick für das dritte Quartal, ein EPS von 0,29 bis 0,31 Dollar gegenüber einer Analystenschätzung von lediglich 0,09 Dollar, wirkte damals fast wie eine andere Liga.

Diese Dynamik hat inzwischen auch die Kundenseite bewegt. Lumentum sicherte sich Wafer-Kapazitäten mit einer ersten von zwei Anzahlungen über 43,5 Millionen Dollar. Parallel dazu unterzeichnete AXT im zweiten Quartal langfristige Lieferverträge mit dem chinesischen Unternehmen Casella und dem US-Konzern Coherent, jeweils mit Vorauszahlungen von 22,3 beziehungsweise 25,4 Millionen Dollar.

Solche Deals sind mehr als nur Auftragsbestätigungen – sie sind ein Signal, dass Abnehmer bereit sind, für gesicherte Kapazität vorzuzahlen. Das ist ein Verhalten, das man sonst eher von knappen Halbleiter-Vorprodukten kennt als von Substratherstellern zweiter Reihe.

Zwischen Euphorie und Spekulationsblase

Und doch: Wo Knappheit zur Story wird, folgt meist die Spekulation auf dem Fuß. Am 18. August brachte der ETF-Anbieter Tradr an der Cboe gleich vier gehebelte Einzelaktien-Fonds auf AXT auf den Markt, darunter eine zweifach gehebelte Long-Variante und eine invertierte Version mit täglich minus 200 Prozent.

Solche Produkte entstehen nicht zufällig – sie folgen dem Handelsvolumen, und das war bei AXT zuletzt enorm. Die 30-Tage-Volatilität von 184 Prozent liegt inzwischen auf einem Niveau, das eher an Kryptowährungen erinnert als an einen Substrathersteller mit jahrzehntelanger Historie.

Institutionelle Investoren mischen munter mit: D. E. Shaw hielt zum 30. Juni gut 2,25 Millionen Aktien im Wert von rund 162 Millionen Dollar, Millennium Management kam auf 854.322 Aktien, Balyasny eröffnete eine neue Position von über 114.000 Papieren. Auf der anderen Seite verkaufte Direktor Leonard Leblanc Mitte August Aktien im Gesamtwert von gut 605.000 Dollar – ein kleines, aber bezeichnendes Kontrastprogramm zur institutionellen Kauflaune.

Bemerkenswert ist auch, wie gespalten die Analystenmeinungen zum Jahresende Juli ausfielen: B. Riley Securities erhöhte das Kursziel auf 55 von 52 Dollar, blieb aber bei Neutral. Needham dagegen stufte die Aktie von Hold auf Buy hoch. Beide Einschätzungen datieren vom 31. Juli und liegen inzwischen einen Monat zurück – seither hat sich der Kurs deutlich bewegt.

Mit einem Abstand von 4,5 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und einem RSI von 45 wirkt die Aktie aktuell weder überkauft noch überverkauft, sondern schlicht in einer Findungsphase. Die eigentliche Frage, die AXT-Anleger derzeit umtreibt, ist keine kurzfristige: Handelt es sich um einen strukturellen Nachfrageschub für Indium-Phosphid, der Bestand hat – oder um eine Momentum-Story, die so schnell abebbt, wie sie kam?

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