ASML Aktie: Vietnam-Deal mit Viettel hängt
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 23:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deVietnams Pläne für eine eigene Halbleiterfertigung geraten ins Stocken, weil der Abschluss über zentrale Fertigungsanlagen auf sich warten lässt. Wie die Nachrichtenagentur Reuters heute berichtet, steht eine Einigung zwischen dem staatlichen vietnamesischen Militärkonzern Viettel und ASML über den Kauf von DUV-Lithografie-Systemen (Deep Ultraviolet) seit Monaten aus. Damit droht das südostasiatische Land sein Ziel zu verfehlen, im Jahr 2027 die Testproduktion in einer ersten eigenen Chipfabrik aufzunehmen.
Verzögerungen beim Fabrikbau in Hanoi
Das Projekt im Hochtechnologiepark Hoa Lac nahe Hanoi ist auf Investitionen von rund 1,3 Milliarden US-Dollar veranschlagt. Eigentlich sollte die Anlage nach dem Spatenstich zu Jahresbeginn bis Ende 2027 errichtet und nach einer Pilotphase bis 2030 im Vollbetrieb laufen.
Neben fehlender Erfahrung des Bauherrn und administrativen Verzögerungen bei der Freigabe staatlicher Mittel gilt der ausstehende Liefervertrag mit ASML als wesentliches Hindernis für den Zeitplan.
ASML lehnte eine Stellungnahme zu den laufenden Verhandlungen ab, während Viettel angab, das Vorhaben bewege sich im Rahmen der Planungen. Für den niederländischen Konzern unterstreicht der Vorgang das weltweite Bestreben von Schwellen- und Industrieländern, eigene Fertigungskapazitäten aufzubauen. Zugleich zeigt die Hängepartie, wie stark solche nationalen Initiativen von der Ausrüstung aus den Niederlanden abhängen.
ING warnt vor Klumpenrisiken
Wie dominant die Stellung des Konzerns inzwischen ist, zeigt eine heute veröffentlichte Analyse der Bank ING. Den Ökonomen zufolge könnte ASML im laufenden Jahr direkt für bis zu 1,6 Prozent der gesamten niederländischen Wirtschaftsleistung verantwortlich sein, nach 1,3 Prozent im Vorjahr. Zählt man heimische Zulieferer und Investitionen hinzu, belaufe sich der wirtschaftliche Fußabdruck sogar auf 2,2 Prozent der Bruttowertschöpfung.
Die Experten warnen jedoch vor zunehmenden Klumpenrisiken und verweisen auf historische Parallelen zu Nokia in Finnland. Zu den zentralen Belastungsfaktoren zählen neben Engpässen bei Fachkräften und Flächen vor allem geopolitische Beschränkungen. So schränken US-Regularien die Ausfuhr moderner Maschinen nach China ein, während weitere Initiativen die niederländischen Exporte künftig noch strenger reglementieren könnten.
Gespaltene Reaktionen der Analysten
Unter den Analystenhäusern sorgt die Gemengelage für unterschiedliche Einschätzungen. Citigroup passte das Kursziel für ASML nach oben an und sieht den fairen Wert bei 2.300 Euro, nachdem zuvor 2.200 Euro veranschlagt worden waren. Dagegen zeigte sich Jefferies vorsichtiger und reduzierte das eigene Kursziel von 1.650 auf 1.590 Euro bei einer Einstufung mit „Hold“.
An der Börse notiert das Papier heute mit einem Zuwachs von 1,5 Prozent bei 1.425,20 Euro. Damit verzeichnet der Titel seit Jahresanfang ein Kursplus von 55 Prozent, bleibt aber mit 18 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch.
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