Aroundtown Aktie: First Berlin kappt Kursziel, bleibt positiv
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 06:54 Uhr | Redaktion boerse-global.deFirst Berlin Equity Research hat am Freitag das Kursziel für Aroundtown gesenkt. Ausschlaggebend sind höhere deutsche Anleiherenditen und der zunehmende Zinsdruck auf Immobilienaktien. Damit bleibt das Analysehaus trotz vorsichtigerer Bewertung grundsätzlich positiv gestimmt.
Die jüngste Einschätzung stellt die Finanzierungskosten in den Mittelpunkt – nicht die von Aroundtown unterstützte Beteiligung der Tochter Grand City Properties an LEG Immobilien.
Höhere Renditen belasten die Bewertung
First Berlin begründete die Zielsenkung mit höheren Renditen zehnjähriger deutscher Staatsanleihen im Bewertungsmodell auf Basis abgezinster Zahlungsströme. Das Analysehaus führte den Kursdruck im Immobiliensektor zudem auf gestiegene Renditen und Sorgen um die Finanzierung zurück.
Die Unterscheidung ist für Anleger wichtig: Ein niedrigeres Kursziel bedeutet hier keine Abkehr von der Kaufempfehlung. First Berlin bewertet die Aktie vorsichtiger, hält die grundsätzliche Anlageeinschätzung jedoch aufrecht. Die Zinsentwicklung belastet damit die Bewertung, ohne das positive Urteil vollständig zu verdrängen.
Deutlich skeptischer fiel die Einschätzung von Goldman Sachs vor rund zwei Wochen aus. Das Haus stufte Aroundtown von Neutral auf Verkaufen herab und senkte sein Kursziel von 1,80 auf 1,30 Euro. Als Begründung nannte es Risiken durch höhere Refinanzierungskosten.
Damit unterscheiden sich die beiden Häuser nicht nur beim Kursziel. Während First Berlin trotz des Zinsdrucks zum Kauf rät, gewichtet Goldman Sachs die Belastung durch künftige Finanzierungskosten stärker.
Goldman Sachs erwartete, dass Aroundtown rund 5,6 Milliarden Euro an Schulden mit Fälligkeit 2026–2028 zu einem Zinssatz von 5,5 Prozent refinanzieren werde. Dabei handelt es sich um eine Analystenerwartung, nicht um bereits abgeschlossene Finanzierungen.
LEG-Beteiligung setzt einen anderen Akzent
Den Finanzierungssorgen steht die von Aroundtown unterstützte Investition der Tochter Grand City Properties gegenüber. Sie erweitert das Engagement im deutschen Wohnimmobilienmarkt und soll zugleich den Ergebnisbeitrag stärken.
Aroundtown teilte am 20. Oktober mit, dass Grand City Properties eine Beteiligung von 20,04 Prozent an LEG Immobilien erworben habe. Die Tochter könne den Anteil auf bis zu 29,9 Prozent erhöhen.
Eine weitere Aufstockung ist damit eine Möglichkeit, keine feststehende Entscheidung. Grand City Properties kann die Beteiligung ebenso reduzieren oder vollständig verkaufen. Der Einstieg erfolgte über die Tochtergesellschaft und nicht durch einen direkten LEG-Kauf von Aroundtown.
Nach Unternehmensangaben würde Wohnen durch die Investition mit 42 Prozent zum größten Portfoliosegment. Einschließlich Hotels würde der Anteil des Bereichs „Living“ von 53 Prozent auf annähernd 60 Prozent steigen.
Für Anleger stehen damit zwei unterschiedliche Einflussfaktoren nebeneinander: der erwartete Ergebnisbeitrag der LEG-Beteiligung und die von den Analysten hervorgehobenen Zinsrisiken. First Berlins jüngste Entscheidung bringt diese Spannung zum Ausdruck: eine niedrigere Bewertung, aber weiterhin eine Kaufempfehlung.
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