Arcelormittal Aktie: Werk in Ukraine gibt auf
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 10:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Vier Raketenangriffe in fünf Wochen waren zu viel. ArcelorMittal zieht die Reißleine bei seinem Werk in Kryvyi Rih und teilt der ukrainischen Regierung mit, dass ein sicherer Betrieb dort nicht mehr möglich ist.
Der jüngste Angriff auf die Anlage ereignete sich am 21. September, nach vorausgegangenen Attacken im August und Mitte September. In der Summe forderten die vier Angriffe fünf Todesopfer und 17 Verletzte, einer der Betroffenen liegt weiterhin auf der Intensivstation. Konzernchef vor Ort, Mauro Longobardo, sprach von "tiefem Bedauern" über die Entscheidung.
Milliardenbelastung durch Wertberichtigung
Der Rückzug hat finanzielle Folgen. ArcelorMittal rechnet mit einer nicht zahlungswirksamen Wertberichtigung von rund einer Milliarde Dollar, die vor allem Sachanlagen am Standort betrifft. Seit Kriegsbeginn im Februar 2022 hat der Konzern bereits mehr als 700 Millionen Dollar an finanzieller Unterstützung in die ukrainische Tochter gesteckt, um den Betrieb überhaupt so lange aufrechtzuerhalten.
Ein kompletter Rückzug ist die Maßnahme allerdings nicht. Das Unternehmen betont, die Infrastruktur am Standort erhalten zu wollen, um eine spätere Wiederaufnahme der Produktion offenzuhalten, sollte sich die Sicherheitslage ändern. Gespräche mit der ukrainischen Regierung über die Zukunft der Anlage laufen bereits.
An der Börse blieb die Reaktion bislang verhalten. Im vorbörslichen Handel in New York notierte die Aktie leicht im Plus. Die Wertberichtigung ist zwar buchhalterisch bedeutsam, ändert aber nichts an der operativen Substanz des Konzerns außerhalb der Ukraine — dort erwirtschaftete ArcelorMittal 2025 einen Umsatz von 61,4 Milliarden Dollar bei einer Stahlproduktion von 55,6 Millionen Tonnen.
Der Fall Kryvyi Rih bleibt vorerst ein Sonderposten in der Bilanz, kein Strukturproblem für den Gesamtkonzern. Ob und wann eine Wiederaufnahme der Produktion realistisch wird, hängt allein von der weiteren Entwicklung des Kriegs ab.
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