Applied Materials Aktie: Prognose bleibt aus
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 00:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Investor Day ohne die Zahl, auf die alle warten: Applied Materials hat bei seiner Veranstaltung auf der SEMICON West in San Francisco keine Prognose für die Branchenausgaben für Waferfertigungsanlagen (WFE) abgegeben. Die Aktie gab im Tagesverlauf zeitweise gut 8 Prozent nach. Das ist die steilste Verkaufswelle seit Ende Juli.
Warum die fehlende Zahl so schwer wiegt
CEO Gary Dickerson zeigte sich überzeugt, dass die Nachfrage nach Rechenleistung rasant weiter wächst. Eine konkrete WFE-Schätzung blieb er jedoch schuldig. Als Unsicherheitsfaktoren nannte er verfügbare Reinraumflächen, Engpässe in den Lieferketten und die Finanzierung der Energieinfrastruktur.
Das ist für die Branche entscheidend. KI-Nachfrage treibt die Investitionen in moderne Chips, doch der Zeitpunkt von Fabrikbau und Geräteinstallation bestimmt, wann daraus Umsatz wird. Ohne Richtwert fehlt Anlegern die Messlatte für die Wachstumserwartungen des Managements.
Zumal die Bewertung wenig Spielraum lässt: Mit dem rund 39- bis 40-fachen der erwarteten Gewinne ist die Aktie nach dem starken Lauf dieses Jahres ambitioniert eingepreist. Sie notiert nun deutlich unter ihren 20- und 50-Tage-Linien.
Ehrgeizige Ziele, wenig Trost
Dabei lieferte das Unternehmen durchaus langfristige Ansagen. Bis 2030 will es seinen WFE-Marktanteil um mehr als zwei Prozentpunkte steigern und eine bereinigte Bruttomarge von etwa 54 Prozent erreichen. Der Servicebereich soll dann über 12 Milliarden Dollar Umsatz erzielen.
Auch das fünf Milliarden Dollar schwere EPIC Center, entwickelt mit Partnern wie TSMC, Samsung, Intel und Micron, konnte die Stimmung nicht drehen. Evercore ISI bekräftigte die Einstufung "Outperform" samt Kursziel von 700 Dollar. Belastend wirkten zudem Berichte über einen gesunkenen WFE-Marktanteil: von 20,0 Prozent 2024 auf 17,9 Prozent 2025.
Branche unter Druck
Der Abschlag zog den gesamten Sektor mit. KLA und Lam Research verloren jeweils etwa 4 Prozent, ASML gab 3 Prozent ab. Alle drei erholten sich von ihren Tagestiefs. Applied Materials selbst markierte bei 452,81 Dollar den Tiefpunkt und notierte zuletzt bei rund 457 Dollar.
Einen weiteren Anhaltspunkt liefert ASML am Mittwoch mit seinen Quartalszahlen. Als führender Anbieter von EUV-Lithografiesystemen gilt der Konzern als Gradmesser dafür, ob die großen Chiphersteller ihre Kapazitäten tatsächlich ausbauen. Fällt der Ausblick des Niederländers konkreter aus, könnte er die Lücke teilweise füllen, die Applied Materials offengelassen hat.
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