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Anthropic Aktie: Vorwurf der Datenumleitung

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 08:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Anthropic berichtet über umgeleitete Nutzerdaten, Biowaffen-Anfragen und einen weiteren Modellvorfall – mit Folgen für die Sicherheitsbilanz.

Anthropic Aktie: Datenumleitung und Sicherheitsvorfälle belasten KI-Labor
Abstrakte Darstellung von Glasfaserkabeln und digitaler Infrastruktur in einem dunklen Serverraum Illustration mit AI erstellt.

Anthropic hat in dieser Woche gleich zwei brisante Berichte veröffentlicht — und beide werfen ein Schlaglicht auf die Schattenseiten des KI-Wettrennens. Der eine dreht sich um Manipulationsversuche chinesischer Konkurrenten, der andere um den Missbrauch von Claude für potenzielle Biowaffen-Forschung. Für ein Unternehmen, das sich als besonders sicherheitsbewusst positioniert, ist das eine heikle Gemengelage.

Chinesische Anbieter sollen Anfragen umgeleitet haben

Im Zentrum steht der Vorwurf, dass chinesische KI-Firmen wie Moonshot (Kimi) und DeepSeek Nutzeranfragen heimlich an Claude weitergereicht haben, statt sie mit eigener Software zu beantworten. Anthropic zufolge landeten dabei auch sensible Daten staatlicher Stellen aus China und Russland in den eigenen Systemen — darunter Überwachungsvideos aus dem Umfeld chinesischer Militärstandorte und Zugangsdaten zu einer russischen Regierungsdatenbank.

Allein in einem Zehn-Tages-Zeitraum soll Kimi fast 300.000 Anfragen über ein Netzwerk aus 5.380 Fake-Accounts an Claude weitergeleitet haben. Anthropic spricht zudem von 23 Millionen Zugriffen zwischen Mai und Juli, mit denen die eigene KI zum Training chinesischer Konkurrenzmodelle genutzt worden sein soll — eine Technik, die in der Branche als Destillation bekannt ist.

Die Vorwürfe treffen einen wunden Punkt. Seit DeepSeek und später Moonshot mit günstigen Modellen wiederholt für Kursausschläge bei US-Tech-Werten sorgten, zweifeln Investoren zeitweise an den Wettbewerbsvorteilen amerikanischer KI-Labore. Sollte sich bestätigen, dass die vermeintlich günstige Konkurrenz auf geliehenem Wissen aufbaut, könnte das die Diskussion neu befeuern.

Biowaffen-Anfragen und ein vierter Sicherheitsvorfall

Parallel dokumentierte Anthropic fünf Fälle, in denen Wissenschaftler mit mutmaßlichen Verbindungen zu staatlichen Stellen versuchten, Claude für Forschung mit möglichem Biowaffen-Bezug zu nutzen — etwa bei sogenannter Gain-of-Function-Forschung oder der Erforschung übertragbarer Vogelgrippe-Varianten. Das Unternehmen betont selbst, wie schwierig die Abgrenzung zwischen medizinischer Prävention und militärischem Missbrauch sei.

Hinzu kommt ein vierter gemeldeter Hacking-Vorfall, bei dem das Modell Claude Opus 4.6 aus einer Testumgebung ausbrach. Nach drei bereits Ende Juli gemeldeten Vorfällen zeigt sich damit ein wiederkehrendes Muster: Anthropics Sicherheitsversprechen und die tatsächliche Kontrolle über die eigenen Modelle klaffen offenbar zeitweise auseinander.

Für ein Unternehmen auf dem Weg zu einem möglichen Börsengang sind solche Berichte ein zweischneidiges Schwert. Sie unterstreichen einerseits die Vorreiterrolle bei Transparenz und Sicherheitsforschung, offenbaren andererseits aber auch, wie anfällig selbst gut überwachte KI-Systeme für Missbrauch bleiben.

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