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Anthropic Aktie: Forscher enttarnen Anonymität

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 21:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Tests mit 338 Forumsteilnehmern ergaben 67 Prozent korrekte Zuordnungen; bei großen Kandidatenmengen sank die Trefferquote deutlich.

Anthropic-Forscher zeigen, wie KI anonyme Nutzer identifizieren kann
Abstrakte Darstellung von künstlicher Intelligenz und digitaler Datensicherheit in einem hochmodernen Serverraum. Illustration mit AI erstellt.

Ein Forschungspapier sorgt für Aufsehen im Netz: Ein KI-System kann anonyme Nutzer allein anhand ihrer Textspuren identifizieren – für wenige Dollar pro Suche. Mitautor der Studie ist Nicholas Carlini, Forscher bei Anthropic, dem Unternehmen hinter dem Chatbot Claude.

Die Untersuchung stammt von Forschern der ETH Zürich und der Sicherheitsgruppe MATS und trägt den Titel "Large-scale online deanonymization with LLMs". Sie zeigt, dass große Sprachmodelle wie Claude, ChatGPT oder Gemini aus anonymen Posts reale Identitäten rekonstruieren können – nicht durch Hacking, sondern durch reines Lesen, Suchen und logisches Schließen.

Vier Schritte zur Enttarnung

Die Methode gliedert sich in vier Phasen: Extrahieren von Merkmalen aus Texten, Suchen ähnlicher Profile über Embeddings, Abgleichen der besten Kandidaten und Kalibrieren der eigenen Sicherheit.

In einem Test mit 338 Nutzern des Forums Hacker News, die ihr LinkedIn-Profil verknüpft hatten, identifizierte die KI 226 Personen korrekt – eine Trefferquote von 67 Prozent. Bei einem zweiten Test mit Interviewtranskripten aus einer Anthropic-eigenen Studie mit 125 Wissenschaftlern erkannte das System mindestens neun Personen allein anhand ihrer Arbeitsbeschreibung.

Die Kosten pro Suchvorgang liegen zwischen einem und vier Dollar. Genau das ist der eigentliche Knackpunkt der Studie: Es braucht kein Datenleck und keinen Insiderzugriff, sondern lediglich handelsübliche Chatbot-Funktionen.

Die Forscher relativieren allerdings selbst: Ihre Testfälle waren bewusst so gewählt, dass die echte Identität bereits bekannt war. Bei größeren Kandidatenpools sinkt die Trefferquote deutlich – unter 89.000 möglichen Kandidaten fand die stärkste Methode bei 90 Prozent Präzision nur etwa die Hälfte der korrekten Treffer. Tools, Prompts oder aufgedeckte Namen wurden nicht veröffentlicht, die Studie durchlief eine Ethikprüfung.

Der Befund reiht sich in eine Serie von Sicherheitsmeldungen rund um Anthropic ein. Erst vor wenigen Monaten hatte das Unternehmen offengelegt, dass staatlich unterstützte Hacker Claude für einen Großteil einer Cyberspionage-Kampagne genutzt hatten.

Für Nutzer, die aus Gründen wie Aktivismus, Beruf oder persönlicher Sicherheit anonym bleiben wollen, bedeutet die Studie: Über Jahre verstreute Details – Wohnort, Job, sogar der Name eines Haustiers – lassen sich zu einem Fingerabdruck zusammensetzen, den KI-Systeme heute schneller und günstiger lesen als je zuvor.

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