Anthropic Aktie: Amir Salek leitet neue Custom-Silicon-Sparte
Veröffentlicht am: 24.08.2026 um 01:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das KI-Unternehmen Anthropic bereitet einen massiven strategischen Umbau vor, um seine Abhängigkeit von externen Hardware-Zulieferern zu verringern. Wie heute bekannt wurde, hat das Startup Amir Salek als neuen Head of Computing verpflichtet. Salek leitete zuvor die Abteilung für Tensor Processing Units (TPU) bei Google und war Gründungsmitglied des dortigen Programms für maßgeschneiderte Chips.
Bei Anthropic soll er eine neu geschaffene Abteilung für Custom Silicon aufbauen, die eigene Halbleiter für die Ausführung von Modellen der künstlichen Intelligenz entwickelt. Ziel dieser Initiative ist es, die Nutzung von Nvidia-Prozessoren schrittweise zu reduzieren und die Effizienz der eigenen Infrastruktur zu steigern.
Unabhängigkeit durch eigene Halbleiter-Architektur
Die Entscheidung für eine eigene Chip-Entwicklung erfolgt vor dem Hintergrund massiver Investitionen in die Rechenleistung. Medienberichten zufolge verhandelt der Halbleiterhersteller Broadcom derzeit über die Aufnahme von Schulden in Höhe von 70 bis 100 Milliarden US-Dollar.
Diese Mittel sollen dazu dienen, die Kapazitäten für kundenspezifische KI-Chips auszuweiten, wobei Anthropic als einer der zentralen Partner für diese Kapazitäten gilt. Durch die Kombination aus Saleks Expertise und der Partnerschaft mit Broadcom will das Unternehmen die Kontrolle über die gesamte technologische Kette von der Hardware bis zur Software-Anwendung Claude gewinnen.
Parallel zur Hardware-Strategie baut Anthropic seine personelle Basis für die globale Expansion aus. Erst vor wenigen Tagen wurde Sana Ouji, eine ehemalige Führungskraft für Rechenzentren und Energie bei Google, zur Leiterin eines neuen Energieteams ernannt. Dieses Team soll die Infrastruktur für eine weltweite Ausweitung der Rechenzentrumskapazitäten koordinieren, was den enormen Energiehunger der Claude-Modelle adressiert.
Umsatzsprung und geplanter Börsengang im Oktober
Finanziell befindet sich das Unternehmen in einer Phase extremen Wachstums. Die jährliche Umsatzrate (Revenue Run Rate) stieg Medienberichten zufolge bis Juli 2026 auf 65 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Ende 2025 lag dieser Wert noch bei 9 Milliarden US-Dollar, bevor er im Mai 2026 die Marke von 47 Milliarden US-Dollar überschritt.
Für das zweite Quartal 2026 wird ein Umsatz von 10,9 Milliarden US-Dollar erwartet, wobei das Unternehmen mit einem operativen Gewinn von 559 Millionen US-Dollar erstmals die Gewinnzone erreichen dürfte.
Diese Kennzahlen dienen als Vorbereitung für einen geplanten Börsengang (IPO). Berichten zufolge strebt Anthropic den Gang an die öffentliche Börse bereits für Oktober 2026 an. Investoren modellieren für diesen Schritt eine Bewertung zwischen 2 und 3 Billionen US-Dollar. Damit könnte Anthropic den bisherigen Rekordwert von SpaceX übertreffen.
Zur Absicherung der Liquidität finalisiert das Unternehmen derzeit eine revolvierende Kreditfazilität, die ein Volumen von über 10 Milliarden US-Dollar erreichen soll. Auf dem Sekundärmarkt für Privatanteile wurde das Unternehmen zuletzt mit rund 1,5 Billionen US-Dollar bewertet, was einen deutlichen Aufschlag zur Finanzierungsrunde im Mai darstellt.
Milliardendeals mit Amazon und rechtliche Einigungen
Ein wesentlicher Pfeiler der Finanzierung bleibt die Partnerschaft mit Amazon. Anthropic bestätigte am Freitag, dass der Versandriese bislang insgesamt 13 Milliarden US-Dollar investiert hat.
Weitere 20 Milliarden US-Dollar sind als Zusage an das Erreichen kommerzieller Meilensteine geknüpft. Im Gegenzug hat sich Anthropic verpflichtet, innerhalb der nächsten zehn Jahre rund 100 Milliarden US-Dollar für Cloud-Technologien von Amazon Web Services (AWS) auszugeben.
Auch an der juristischen Front gab es eine Klärung: Ein US-Gericht billigte am Freitag einen Vergleich in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar in einem Urheberrechtsstreit. Kläger hatten dem Unternehmen vorgeworfen, geschützte Werke ohne Erlaubnis zum Training der Claude-Modelle genutzt zu haben. Im Rahmen dieser Einigung erhält beispielsweise der Verlag Bloomsbury Publishing rund 42 Millionen US-Dollar für 14.000 betroffene Buchtitel.
Technologisch setzt Anthropic zudem auf mehr Transparenz und Sicherheit. Seit dem 11. August werden für alle von Claude generierten Texte unsichtbare, maschinenlesbare Wasserzeichen implementiert. Damit erfüllt das Unternehmen Anforderungen des EU AI Acts.
Eine vollständige Umstellung auch für ältere Modellversionen soll bis zum 2. Dezember abgeschlossen sein. Zudem wurde am Freitag mit Claude Opus 4.8 eine neue Modellversion veröffentlicht, die es Nutzern ermöglicht, über eine Leistungssteuerung die Antwortzeit gegen die Genauigkeit der Ergebnisse abzuwägen.
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