Amgen Aktie: Neue Medikamente fangen Prolia-Einbruch auf
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 14:28 Uhr | Redaktion boerse-global.deAmgens wachstumsstarke Medikamente gleichen die Einbußen bei älteren Produkten aus. Das zeigen die gestern veröffentlichten Quartalszahlen: Umsatz und bereinigter Gewinn übertrafen die Erwartungen. Für Anleger zählt dabei nicht allein der höhere Jahresausblick.
Entscheidend ist, dass mehrere Produkte kräftig wachsen und damit die Belastungen durch Biosimilar-Konkurrenz auffangen. Klinische Fortschritte eröffnen zusätzliche Perspektiven, während der freie Mittelzufluss zurückging.
Ergebnis über den Erwartungen
Im dritten Quartal 2026 erzielte Amgen einen Umsatz von 10,4 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte 6,45 US-Dollar. Beide Kennzahlen lagen über den Analystenerwartungen.
Damit liefert das bestehende Geschäft die Grundlage für den optimistischeren Jahresausblick. Die Entwicklung zeigt allerdings auch unterschiedliche Geschwindigkeiten: Der bereinigte Gewinn legte stärker zu als der Umsatz.
Laut Reuters stiegen die Erlöse gegenüber dem Vorjahr um 8%, der bereinigte Gewinn je Aktie um 14%. Beim bereinigten Ergebnis hatten Analysten lediglich 5,79 US-Dollar erwartet.
Die Börse bewertet die Zahlen heute positiv: Die Aktie gewinnt 4,5%. Das beseitigt die operativen Schwachstellen nicht, unterstreicht aber die freundliche Aufnahme des Gesamtbilds.
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Amgen nun einen Umsatz von 38,9–39,7 Milliarden US-Dollar. Beim bereinigten Gewinn je Aktie liegt die angehobene Prognose bei 22,90–23,70 US-Dollar.
Mehrere Produkte tragen das Wachstum
Die Stärke verteilt sich auf unterschiedliche Medikamente. Das ist wichtig, weil Amgen gleichzeitig erhebliche Rückgänge bei Prolia und XGEVA verkraften muss. Biosimilars belasten dort das Geschäft; bei Prolia blieben die Erlöse zudem unter den Analystenerwartungen.
Repatha erzielte im Quartal einen Umsatz von 1,09 Milliarden US-Dollar und wuchs um 37%. Uplizna steigerte seine Erlöse um 191%.
Damit hängt der Ausgleich der Rückgänge nicht allein an einem Produkt. Auch Imdelltra gehört zu den stark wachsenden Medikamenten. Die Breite des Wachstums ist ein wesentlicher Grund dafür, dass Amgen trotz der gegenläufigen Entwicklung insgesamt zulegen konnte.
Der Prolia-Umsatz sank um 45% auf 632 Millionen US-Dollar. Imdelltra kam dagegen auf 406 Millionen US-Dollar und konnte seine Erlöse mehr als verdoppeln.
Die Analysten von William Blair bestätigten ihre positive Empfehlung „Outperform“. Sie verwiesen auf die starken Marken und die Breite der Wachstumsträger. Ihre Einschätzung richtet sich damit nicht ausschließlich auf mögliche künftige Studienerfolge, sondern auch auf das bereits vermarktete Portfolio.
Klinische Fortschritte und schwächerer Mittelzufluss
Zusätzliche Perspektiven bieten die berichteten Ergebnisse zu Imdelltra bei kleinzelligem Lungenkrebs. In der Studie Delphi 305 wurde das Medikament zusammen mit Infinzi als Erstlinien-Erhaltungstherapie untersucht.
Das mediane Gesamtüberleben erreichte mit der Kombination 21,1 Monate gegenüber 12,7 Monaten mit Infinzi allein. Die Nachbeobachtungszeit betrug 15,9 Monate.
Die Einordnung bleibt vorläufig: Finale Überlebensdaten sollen nach längerer Nachbeobachtung folgen. Amgen plant weltweite Zulassungsanträge. Die Ergebnisse erweitern damit die klinische Perspektive, ersetzen aber noch keine Zulassungsentscheidung.
Ein Gegenpunkt zum Gewinnwachstum ist der freie Mittelzufluss. Er sank im dritten Quartal 2026 auf 3,7 Milliarden US-Dollar nach 4,2 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal.
Amgen verwies dafür auf das Working Capital sowie einen günstigen Erstattungs- und Zahlungseingang im Vorjahreszeitraum. Für Anleger ergibt sich damit ein gemischtes, operativ aber wachsendes Bild: Die starken Produkte tragen bereits zum Ausgleich der Umsatzverluste bei.
Weitere Impulse könnten die ersten erwarteten Phase-3-Ergebnisse zu MariTide im Jahr 2027 liefern. Bis dahin muss vor allem das vermarktete Portfolio den höheren Jahresausblick unterlegen.
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