American Electric Power Aktie: Gewinn sinkt, Prognose steigt
Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 15:26 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Quartalsgewinn, der um mehr als 40 Prozent einbricht — und trotzdem eine angehobene Jahresprognose. Bei American Electric Power passt das auf den ersten Blick nicht zusammen. Der Grund liegt in Sondereffekten des Vorjahres und einem Wachstumstempo, das selbst dem Management neues Selbstvertrauen gibt.
Im zweiten Quartal 2026 verdiente der Versorger nach US-GAAP 713 Millionen Dollar oder 1,31 Dollar je Aktie. Im Vorjahresquartal waren es noch 1,226 Milliarden Dollar beziehungsweise 2,29 Dollar gewesen. Der Rückgang erklärt sich vor allem durch den Verkauf einer Minderheitsbeteiligung am Transmission-Geschäft im Jahr 2025 sowie durch die Verschiebung steuerlicher Effekte — beides Einmalfaktoren, die das laufende operative Geschäft kaum berühren. Die bereinigte operative Gewinnkennziffer, die AEP als eigentlichen Maßstab für die Geschäftsentwicklung ansieht, fiel mit 1,36 Dollar je Aktie nur leicht niedriger aus als vor einem Jahr. Der Umsatz legte um 7 Prozent auf 5,445 Milliarden Dollar zu.
Prognose klettert trotz schwächerem Quartalsgewinn
CEO Bill Fehrman zeigte sich von der zugrunde liegenden Geschäftsentwicklung überzeugt genug, um die Jahresprognose anzuheben. Statt der bisherigen Spanne von 6,15 bis 6,45 Dollar je Aktie erwartet AEP nun ein operatives Ergebnis zwischen 6,25 und 6,55 Dollar. Am langfristigen Wachstumsziel von 7 bis 9 Prozent jährlich bis 2030 hält das Unternehmen fest, gestützt auf ein Investitionsprogramm von 78 Milliarden Dollar über fünf Jahre. Zusätzlich sieht AEP Spielraum für weitere Investitionen von mehr als 10 Milliarden Dollar, etwa für ein Brennstoffzellenprojekt in Wyoming.
Treiber des Wachstums ist der Strombedarf großer Abnehmer. Allein im zweiten Quartal kamen sechs Gigawatt an neuen Lastverträgen hinzu, vor allem in Texas — darunter Hyperscaler, Rechenzentren und Industriekunden. Die vertraglich gesicherte Lastentwicklung bis 2030 summiert sich damit auf 69 Gigawatt. Um diese Nachfrage zu bedienen, hat AEP bereits rund 13 Gigawatt an gasbefeuerter Turbinenkapazität gesichert und prüft weitere 10 Gigawatt bis 2035.
Affordability als politisches Verkaufsargument
Damit die wachsende Nachfrage nicht zulasten normaler Haushaltskunden geht, verweist AEP auf Kostenentlastungen von bis zu 16 Milliarden Dollar, die aus dem Lastwachstum selbst entstehen sollen. Hinzu kommen günstige Darlehen und Zuschüsse des US-Energieministeriums: AEP Texas sicherte sich zuletzt eine Kreditlinie von bis zu 3,3 Milliarden Dollar für fast 100 Transmissionsprojekte, die über die Laufzeit rund 685 Millionen Dollar an Zinskosten sparen soll. Über das gesamte Portfolio hinweg beziffert AEP die erwarteten Kundenvorteile aus Bundesdarlehen und -zuschüssen auf rund 1,4 Milliarden Dollar.
Auf regulatorischer Seite lief es im Quartal ebenfalls rund: Ohio genehmigte eine Senkung der Verteiltarife, Oklahoma gab grünes Licht für 1,3 Gigawatt neue Erzeugungskapazität, und in Virginia ermöglichte eine 1,4-Milliarden-Dollar-Verbriefung den niedrigsten Antrag auf Tariferhöhung bei Appalachian Power seit fast 30 Jahren. Mittlerweile haben fünf der elf AEP-Bundesstaaten spezielle Tarife für Großkunden genehmigt, drei weitere Anträge sind anhängig — ein Baustein, mit dem der Versorger sicherstellen will, dass das Wachstum der Rechenzentren die Rechnung für alle anderen Kunden nicht in die Höhe treibt.
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