AMD Aktie: Anthropic-Deal sichert zweistellige Milliarden
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 08:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de
AMD-Aktien legen 7,47 Prozent zu und schließen bei 452,30 Euro. Der Kurs erholt sich damit von einem heftigen Rücksetzer, den die Aktie kurz nach den eigenen Rekordzahlen erlitten hatte. Ein Widerspruch, der Anleger aufhorchen lässt: Erst der Ausverkauf, dann die Kehrtwende.
Erst Enttäuschung, dann Kurssprung
AMD meldete am Dienstag nach Börsenschluss Quartalszahlen, die Analystenschätzungen übertrafen. Der Chiphersteller verdiente 1,66 Dollar je Aktie bei 11,5 Milliarden Dollar Umsatz. Erwartet hatten Analysten laut Bloomberg-Konsens 1,62 Dollar je Aktie und 11,3 Milliarden Dollar Umsatz.
Der Ausblick für das dritte Quartal fiel besser aus als erwartet. Trotzdem verkauften Investoren die Aktie zunächst ab, der Kurs brach um mehr als 8 Prozent ein.
CEO Lisa Su blieb dennoch zuversichtlich. „Wir starten mit starkem Momentum ins zweite Halbjahr. Die Nachfrage nach Epyc-Prozessoren zieht an, Instinct-Systeme skalieren, und Helios beginnt hochzulaufen", sagte sie. Die KI-Nachfrage treibe den Bedarf an Rechenleistung branchenübergreifend, so Su weiter, und positioniere AMD hervorragend für substanzielles Umsatz- und Gewinnwachstum in den kommenden Jahren.
Banken erhöhen Kursziele deutlich
Die Erholung speist sich vor allem aus einer Welle nach oben korrigierter Kursziele großer Investmentbanken. Jefferies hob sein Ziel von 515 auf 640 Dollar an, Benchmark auf 685 Dollar, BofA auf 620 Dollar. UBS sieht die Aktie jetzt bei 730 Dollar, Wedbush bei 600 Dollar. Baird verdoppelte sein Kursziel gleich auf 1.250 Dollar.
Als Begründung verweisen die Analysten auf AMDs wachsendes KI-Ökosystem. Eine mehrjährige Vereinbarung mit Anthropic sichert AMD Nachfrage im zweistelligen Milliardenbereich für die MI455X-GPUs und Helios-Systeme, mit Umsatzwirkung im Data-Center-Geschäft bis 2027. Eine weitere Abmachung deckt bis zu 2 Gigawatt an Instinct-MI450-GPUs ab Start 2027 ab – gekoppelt an eine mögliche Kapitalbeteiligung von AMD an Anthropic in Höhe von bis zu 5 Milliarden Dollar.
Microsoft liefert zusätzlichen Rückenwind
Auch Kommentare aus dem Hause Microsoft stützen die positive Einschätzung zu AMDs Server-CPU-Geschäft. Microsoft-CEO Satya Nadella betonte die wachsende Bedeutung von Prozessoren im Zeitalter agentischer KI-Systeme. „Wenn es um das Betreiben von Agenten geht, sind CPUs genauso wichtig wie GPUs", sagte Nadella. Microsoft werde entsprechend Racks mit AMD-Produkten bestellen.
Diese Verschiebung in der Rechenarchitektur könnte AMDs adressierbaren Markt spürbar vergrößern. Das Unternehmen selbst hatte darauf hingewiesen, dass in der ersten KI-Welle das Verhältnis von CPU zu GPU zwischen 1:4 und 1:8 lag. Im Zeitalter agentischer KI rückt dieses Verhältnis näher an 1:1 heran, teilweise sogar darüber hinaus. Das Management beziffert den globalen Markt für Server-CPUs bis 2030 auf über 120 Milliarden Dollar, bei einer jährlichen Wachstumsrate von mehr als 35 Prozent.
Solide Bilanz, aber ambitionierte Bewertung
Die Finanzkennzahlen untermauern den optimistischen Blick der Analysten. Der Umsatz liegt bei rund 34,6 Milliarden Dollar, die Bruttomarge übersteigt 50 Prozent. Der freie Cashflow betrug im vergangenen Quartal etwa 2,57 Milliarden Dollar, der operative Cashflow rund 2,96 Milliarden Dollar. Die Verschuldung bleibt mit einem Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital von 0,06 minimal, die Liquiditätsquote liegt bei 2,7.
Bei der Bewertung mahnen einige Analysten dennoch zur Vorsicht. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 116 und ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von mehr als 15 zeigen: Der Markt preist bereits aggressives Wachstum ein. Bleibt die Umsetzung der milliardenschweren KI-Deals hinter den Erwartungen zurück, könnten die hohen Multiples zur Bremse werden.
Mit dem Kurssprung notiert die Aktie nur noch 0,57 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 449,73 Euro und liegt binnen einer Woche über 20 Prozent im Plus. Vom 52-Wochen-Hoch bei 511,70 Euro, erreicht am 30. Juni, trennen die Aktie aber weiterhin fast 12 Prozent. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von knapp 81 Prozent zeigt: Die Schwankungen rund um die Quartalszahlen sind noch nicht ausgestanden.
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