Alphabet Aktie: Berkshire erhöht Position um 83 Prozent
Veröffentlicht am: 26.08.2026 um 15:16 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wer Alphabets jüngste Wochen verfolgt, sieht ein Unternehmen, das trotz Gegenwind mit bemerkenswerter Selbstsicherheit auftritt. Für mich ist die erfolgreiche australische Anleiheemission der eigentliche Signalgeber dieser Tage — mehr als die Kurszahlen selbst.
Der Kangaroo-Bond als Vertrauensbeweis
Am Mittwoch vergangener Woche holte sich Alphabet erstmals über eine australische Anleihe frisches Kapital: 5,5 Milliarden australische Dollar, verteilt auf Laufzeiten von drei, fünf, zehn und 20 Jahren.
Bemerkenswert ist die Nachfrage: Laut Reuters übertrafen die Gebote der Investoren 18 Milliarden australische Dollar — mehr als das Dreifache des platzierten Volumens. Der Coupon der 20-jährigen Tranche lag bei 6,9 Prozent. Bloomberg ordnete die Emission später als Teil der Finanzierung von Alphabets KI-Investitionsoffensive ein.
Unterm Strich lese ich das als klares Vertrauensvotum der Kapitalmärkte. Ein Unternehmen, das ohne Not auf einen neuen Anleihemarkt vordringt und dabei derart überzeichnet wird, hat offenkundig keine Finanzierungssorgen — trotz der massiv steigenden Investitionslast.
Und diese Last ist enorm. Zu den Zahlen für das zweite Quartal 2026, die Alphabet vor rund zwei Wochen vorlegte, gehörte neben einem Gesamtumsatz von 119,8 Milliarden Dollar auch eine drastisch angehobene Investitionsguidance: Finanzchefin Anat Ashkenazi rechnet für 2026 nun mit Investitionsausgaben von 195 bis 205 Milliarden Dollar, deutlich mehr als die zuvor kommunizierten 180 bis 190 Milliarden Dollar.
Die Aktie gab seit dieser Meldung um 3,1 Prozent nach — ein Kursrückgang, der für mich eher kurzfristige Verdauung der höheren Kapitalkosten widerspiegelt als fundamentale Zweifel am Geschäftsmodell.
Berkshires Signal wiegt schwerer als der Kursrückgang
Während der Markt die Investitionsflut skeptisch beäugt, hat Warren Buffetts Berkshire Hathaway offenbar eine gegenteilige Schlussfolgerung gezogen. Aus einer Pflichtmitteilung ging hervor, dass Berkshire seine Alphabet-Position im zweiten Quartal um 83 Prozent auf knapp 106 Millionen Aktien aufgestockt hat — ein Paket im Wert von rund 37,8 Milliarden Dollar zum Stichtag 30. Juni, das Alphabet damit zur drittgrößten Aktienposition des Konzerns machte.
Barron's ergänzte, dass darunter auch mindestens zehn Milliarden Dollar direkt von Alphabet erworbene Aktien aus einer im Juni bekanntgewordenen Privatplatzierung fielen.
Für mich spricht dieses Engagement gegen die These, Alphabet verbrenne mit seinen KI-Ausgaben unkontrolliert Kapital. Wenn ein Investor mit Buffetts Kapitaldisziplin gerade jetzt massiv zukauft, überwiegt für mich das Argument, dass die Wall Street die langfristige Rendite der Investitionen unterschätzt.
Auch operativ liefert Alphabet Argumente für diese Sichtweise: Der Cloud-Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar. Das ist keine Randnotiz, sondern ein Beleg dafür, dass die milliardenschweren Investitionen bereits Ertragskraft entfalten.
Belastungsfaktoren bleiben real
Ganz ohne Risiken ist das Bild nicht. Die Anfang April verhängte kartellrechtliche Niederlage vor US-Gerichten lastet noch immer auf der Stimmung und dürfte, gemeinsam mit der jüngsten KI-Reorganisation bei Google DeepMind, zur erhöhten Volatilität beitragen — die 30-Tage-Vola liegt bei 40 Prozent.
Als Demis Hassabis vor zwei Wochen als DeepMind-Chef zugunsten von Koray Kavukcuoglu zurücktrat, verlor die Aktie laut Reuters am Ankündigungstag 4 Prozent. Solche Umbauten verunsichern kurzfristig, ändern für mich aber nichts an der strategischen Grundausrichtung.
Kleinere Nachrichten wie der Kauf der Datenbestände der insolventen Spirit Aviation Holdings für 10 Millionen Dollar zur Fütterung eigener KI-Modelle oder der Marktstart der Pixel-11-Reihe am 20. August wirken dagegen eher wie Randnotizen im Gesamtbild.
Fazit
Der aktuelle Kurs von 297,45 Euro liegt gut 15 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 350,75 Euro, aber immer noch 68 Prozent über dem Jahrestief. Diese Konsolidierung nach der überzeugenden zwölfmonatigen Rally von 67 Prozent wirkt auf mich wie eine Verschnaufpause, keine Trendwende.
Zwischen milliardenschweren Investitionsrisiken und dem klaren Vertrauensbeweis institutioneller Schwergewichte überwiegen für mich die Argumente für die langfristige Story.
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