Alnylam Aktie: Rekordquartal, Kurssturz
Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 17:08 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Umsatzsprung von 74 Prozent, ein Blockbuster-Medikament, das schneller wächst als jeder Vergleichswert der Branche – und trotzdem bricht die Aktie um mehr als ein Viertel ein. Bei Alnylam klaffen Zahlen und Kursreaktion an diesem Donnerstag deutlich auseinander.
Der Grund: Das Unternehmen hat seine Umsatzprognose für 2026 gesenkt. Die Aktie fiel im Handel um rund 25 Prozent auf etwa 214 Dollar und näherte sich damit ihrem 52-Wochen-Tief von 206,89 Dollar.
Starkes Quartal, gekürzte Prognose
Die Geschäftszahlen selbst geben wenig Anlass zur Sorge. Alnylam setzte im zweiten Quartal 1,17 Milliarden Dollar mit Produkten um, ein Plus von 74 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die TTR-Franchise rund um AMVUTTRA und ONPATTRO steuerte davon 1,03 Milliarden Dollar bei – ein Zuwachs von 89 Prozent.
AMVUTTRA knackte damit als erstes Alnylam-Produkt überhaupt die Marke von einer Milliarde Dollar Quartalsumsatz, nur 15 Monate nach dem Marktstart bei ATTR-Kardiomyopathie. Unter dem Strich stand ein Nettogewinn von 164,5 Millionen Dollar, nach einem Verlust von 72,2 Millionen Dollar im Vorjahresquartal. Das operative Non-GAAP-Ergebnis verdreifachte sich nahezu auf 318 Millionen Dollar, die Marge kletterte von 12 auf 25 Prozent.
Der Haken liegt in der Zukunft: Alnylam senkte die Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf 4,7 bis 5,1 Milliarden Dollar, nach zuvor 4,9 bis 5,3 Milliarden Dollar. Die TTR-Sparte allein soll nun 4,2 bis 4,5 Milliarden Dollar erreichen statt der bisher avisierten 4,4 bis 4,7 Milliarden Dollar.
Warum die Nachfrage abflacht
Management-Chefin Yvonne Greenstreet erklärte die Kürzung mit einer Normalisierung der Nachfrage bei sogenannten Second-Line-Patienten. Zu Beginn des Launches hatten viele Patienten, die zuvor auf eine neue Therapie gewartet hatten, das Medikament aufgeholt – dieser Nachholeffekt lässt jetzt nach. Künftiges Wachstum soll stattdessen stärker von neu diagnostizierten First-Line-Patienten getragen werden, die laut Unternehmen bereits rund 80 Prozent des Kategoriewachstums ausmachen.
Etwas Entlastung gibt es an anderer Stelle: Die Prognose für Kollaborations- und Lizenzeinnahmen hob Alnylam auf 575 bis 625 Millionen Dollar an, deutlich über der bisherigen Spanne von 400 bis 500 Millionen Dollar. Grund sind stärkere LEQVIO-Verkäufe und höhere Erstattungen von Roche im Zusammenhang mit der ZENITH-Studie zu Bluthochdruck.
Blick auf die Pipeline
Die Bruttomarge sank unterdessen von 79 auf 75 Prozent, weil mit steigenden AMVUTTRA-Verkäufen auch die Lizenzzahlungen zunehmen. Die Barmittel wuchsen dennoch auf 3,31 Milliarden Dollar, nach 2,91 Milliarden Dollar zum Jahresende 2025 – Spielraum für die wachsende Pipeline.
Dort treibt Alnylam den Nachfolgekandidaten Nucresiran voran, der eine TTR-Knockdown-Rate von mehr als 95 Prozent erreichen soll. Die Phase-3-Studie TRITON-CM wurde von rund 1.250 auf 1.750 Teilnehmer aufgestockt, ein Marktstart wird für 2030 angepeilt. Bis dahin soll die TTR-Franchise laut Unternehmensstrategie einen Jahresumsatz von 5,5 Milliarden Dollar erreichen, bei einem jährlichen Wachstum von 25 Prozent zwischen 2025 und 2030.
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