Almonty Industries: Delisting-Ausverkauf trifft auf Produktionsstart
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 22:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein operativer Meilenstein und ein technischer Ausverkauf treffen bei Almonty Industries gerade mit voller Wucht aufeinander. Die Aktie fiel heute um 10,34 Prozent auf 15,44 kanadische Dollar. Über sieben Handelstage summiert sich das Minus auf 23,26 Prozent.
Der Auslöser liegt nicht im operativen Geschäft, sondern in der Börsenstruktur. Almonty zieht sich freiwillig von der Toronto Stock Exchange zurück. Der Rückzug wird zum Handelsschluss am 31. Juli 2026 wirksam.
Zwangsverkäufe treffen auf Produktionsstart
Institutionelle Fonds, deren Mandate nur kanadisch gelistete Werte erlauben, müssen ihre Almonty-Positionen jetzt zwangsweise auflösen. Das erzeugt ein technisches Liquiditätsloch. Der Kurs liegt inzwischen 19,71 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt.
Die entscheidende Frage: Kann die operative Realität den charttechnischen Absturz stoppen? Almonty wandelt sich gerade vom Minenentwickler zum aktiven Produzenten. Am 1. Juli 2026 startete offiziell die Aufbereitung in der Sangdong-Mine in Südkorea. Der Markt muss nun einschätzen, ob dieser Fortschritt genug neue Nasdaq-Käufer anzieht, um den Verkaufsdruck aus den auslaufenden Notierungen in Toronto und Sydney aufzufangen.
Bullen-Szenario: Lange Vertragslaufzeit, seltener Rohstoff
Das fundamentale Argument für Almonty stützt sich auf die weltweit größte Wolfram-Lagerstätte außerhalb Chinas. Am 14. Juli 2026 erweiterte das Unternehmen seine langfristige Abnahmevereinbarung mit Global Tungsten & Powders, einem Mitglied der Plansee Group.
Die Änderung verlängert die Vertragslaufzeit von 15 auf 21 Jahre. Zugleich steigt das kontrahierte Volumen um 40 Prozent und deckt damit rund 90 Prozent der Phase-I-Produktion aus Sangdong ab. Bei aktuellen Preisen ergibt das einen projizierten Jahresumsatz von etwa 490 Millionen US-Dollar über die gesamte Vertragslaufzeit — eine Cashflow-Sichtbarkeit, die im Bergbausektor selten ist.
Hinzu kommt die Aufnahme in den Russell 1000 und den Russell 3000 Ende Juni 2026. Das spricht für eine breitere institutionelle Aktionärsbasis, sobald der Wechsel zur Nasdaq abgeschlossen ist.
Bären-Szenario: Charttechnischer Schaden und Ausführungsrisiko
Der operative Fortschritt ändert nichts am beschädigten Chartbild. Die Aktie notiert 53,70 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 33,35 kanadischen Dollar. Ein RSI von 30,3 signalisiert zwar überverkauftes Terrain, die annualisierte Volatilität von 86,72 Prozent zeigt aber: Der Abwärtsdruck bleibt intensiv.
Die Aufbereitung in Sangdong läuft erst an. Mechanische Verzögerungen beim Erreichen der vollen Phase-I-Kapazität oder schwankende Konzentratqualität könnten die vereinbarten Mindestmengen von 210.000 Metric Tonne Units pro Jahr gefährden. Das würde die im GTP-Vertrag festgelegten Umsatzziele direkt treffen.
Ausblick: Stabilisierung nach dem Delisting als nächste Hürde
Solange der technische Verkaufsdruck aus dem TSX-Austritt und dem bevorstehenden ASX-Delisting am 1. September das Orderbuch dominiert, dürfte die Aktie unter Druck bleiben. Hält Almonty den Produktionsplan in Sangdong ein, spricht allerdings mehr für eine Erholung — sobald das Unternehmen vom "Entwickler"-Status in den Status eines umsatzmeldenden Produzenten wechselt.
Der nächste konkrete Katalysator wird für Ende August oder September erwartet: ein operatives Update zu den ersten kommerziellen Lieferungen von Wolframkonzentrat. Bis dahin bleibt die Marke von 15,44 kanadischen Dollar eine kritische Schwelle. Hält sie, könnte das den Beginn einer Bodenbildung markieren. Rutscht der Kurs weiter ab, wäre das ein Zeichen, dass die technische Bereinigung noch nicht abgeschlossen ist.
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