Alibaba, Aktie

Alibaba Aktie: Anthropic belegt 151 Millionen KI-Anfragen

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 02:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Alibaba verbindet KI-Wachstum mit einer DHL-Partnerschaft, steht aber wegen Datendiebstahlvorwürfen, hoher Ausgaben und Kursverlusten unter Druck.

Alibaba unter Druck: KI-Vorwürfe treffen Expansion und Aktie
Abstraktes, atmosphärisches Bild einer modernen Serverumgebung mit leuchtenden Glasfaserkabeln als Symbol für KI-Technologie. Illustration mit AI erstellt.

Der chinesische E-Commerce-Riese Alibaba sieht sich mit massiven Vorwürfen US-amerikanischer Sicherheitsbehörden und des KI-Unternehmens Anthropic konfrontiert.

Während der Konzern operativ durch eine neue Partnerschaft mit der DHL Group und technologische Fortschritte in der künstlichen Intelligenz (KI) expandiert, belasten Berichte über einen großangelegten industriellen Datendiebstahl die Stimmung am Markt. US-Bundesberater stufen das Unternehmen inzwischen als nationale Sicherheitsbedrohung ein, was den Druck auf das Papier weiter erhöht.

Schwere Vorwürfe zur „AI Distillation“

Laut einem umfassenden Bericht von Anthropic soll Alibaba in den Monaten Mai bis Juli dieses Jahres eine der größten Kampagnen zur sogenannten „AI Distillation“ durchgeführt haben. Dabei werden systematisch Antworten eines leistungsstarken KI-Modells – in diesem Fall Claude – genutzt, um eigene Modelle kostengünstiger zu trainieren.

Den Angaben zufolge verzeichnete Anthropic über 151 Millionen Interaktionen, die von mehr als 3.500 gefälschten Konten ausgingen. In Spitzenzeiten seien bis zu drei Millionen Anfragen pro Tag registriert worden.

Parallel dazu veröffentlichten das FBI, die NSA und die CISA eine Warnung, wonach Alibaba und weitere chinesische Firmen bereits seit Ende 2024 in großem Stil Fähigkeiten von US-Modellen wie GPT, Gemini und Claude extrahieren.

Die Behörden werfen dem Qwen-KI-Team von Alibaba vor, operativ an diesen Datensammelkampagnen beteiligt zu sein. Das chinesische Handelsministerium wies diese Anschuldigungen als haltlos zurück und drohte mit Gegenmaßnahmen. Diese geopolitischen Spannungen überschatten die technologische Entwicklung des Konzerns, dessen Astar-Modell in Tests zur Evolution von KI-Systemen laut Berichten von Zhejiang University mit einer Erfolgsrate von bis zu 67,86 % abschnitt und damit Expertenwerte übertraf.

Partnerschaft mit DHL Group und operative Cloud-Zahlen

Gestern unterzeichneten die DHL Group und Alibaba.com am Rande der CoCreate-Konferenz in Los Angeles eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit. Ziel der Kooperation ist es, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) durch KI-gestützte Logistiklösungen im grenzüberschreitenden Handel zu unterstützen. Dabei soll die Alibaba-KI-Plattform Accio direkt mit den Buchungsfunktionen von DHL Global Forwarding verknüpft werden, um Echtzeit-Angebote und Versandvergleiche zu ermöglichen.

Diese Expansion ist Teil einer kostspieligen Strategie. Im jüngsten Quartalsbericht wies Alibaba für das Segment AI-Cloud ein Umsatzplus von 45 % auf 48,44 Milliarden RMB aus. Das Segment trägt damit rund 18 % zum Gesamtumsatz bei.

Allerdings fordern die massiven Investitionen ihren Tribut: Die Investitionsausgaben (Capex) beliefen sich auf 67,68 Milliarden RMB, was zu einem negativen freien Cashflow von 44,67 Milliarden RMB führte. Zum Vergleich: Der US-Konkurrent Amazon meldete für AWS zuletzt ein Umsatzwachstum von 37 %, kämpft jedoch ebenfalls mit hohen Ausgaben für die KI-Infrastruktur.

Marktreaktion und rechtliche Hürden

Anleger reagieren verunsichert auf die Mischung aus regulatorischem Druck und hohen Ausgaben. Der Schlusskurs am Freitag lag bei 94,30 €, womit die Aktie seit Jahresbeginn bereits 26 % an Wert verloren hat. Besonders deutlich wird die Kursschwäche im Vergleich zum 52-Wochen-Hoch, von dem das Papier aktuell 43 % entfernt notiert. Die US-Sicherheitswarnungen führten bereits am Mittwoch zu einem Kursrutsch der ADS-Papiere um rund 2,6 %.

Zusätzlich zu den sicherheitspolitischen Themen sieht sich das Management mit einer Sammelklage wegen mutmaßlichen Wertpapierbetrugs konfrontiert. Interessierte Anleger haben hierfür eine Frist bis zum 5. Oktober 2026, um sich als Hauptkläger zu melden.

Während Analysten wie jene von Goldman Sachs für den breiteren chinesischen Markt im zweiten Quartal ein Gewinnwachstum von 24 % im Jahresvergleich feststellten, bleibt Alibaba aufgrund der spezifischen Vorwürfe und der hohen Kapitalbindung in einem schwierigen Fahrwasser.

Ob die Effizienzgewinne durch KI-Modelle wie Qwen, die laut Branchenberichten Engineering-Aufgaben zu einem Bruchteil der US-Kosten lösen können, die politischen Risiken aufwiegen, bleibt die zentrale Frage für die kommenden Monate.

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