Airbus Aktie: Unbefristeter Streik gefährdet 870er-Lieferziel
Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 05:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein unbefristeter Streik in Spanien setzt Airbus derzeit stärker zu als jede Kursschwankung der vergangenen Wochen. Seit Dienstag legen Beschäftigte an acht Standorten die Arbeit nieder, Gewerkschaften melden eine Beteiligung von rund 90 Prozent. Vorausgegangen waren 22 Tage Warnstreiks im Juli. Es geht um inflationsbedingte Lohnerhöhungen, wiederhergestellte Krankengeldregelungen und den Erhalt der Homeoffice-Möglichkeiten.
Der Konflikt trifft einen Konzern, der sich zuletzt operativ solide präsentierte. Airbus bestätigte am 20. August die Jahresprognose von rund 870 Auslieferungen ziviler Flugzeuge und einem bereinigten operativen Gewinn von 7,5 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2026 war der Umsatz um 12 Prozent auf 33,2 Milliarden Euro gestiegen. Genau diese Lieferzusage steht nun unter Druck, sollte der Ausstand länger andauern.
Analysten sehen Lieferrisiko
Das Analysehaus AlphaValue reagierte am Freitag mit einer vorsichtigen Einschätzung: Es bestätigte sein "Reduce"-Rating mit einem Kursziel von 215 Euro und verwies explizit auf die Ausführungsrisiken für den Lieferplan, die aus den Arbeitsniederlegungen in Spanien resultieren.
Die Aktie schloss am Freitag bei 202,40 Euro, ein Minus von 0,8 Prozent auf Tagessicht. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 0,7 Prozent zu Buche, damit bleibt das Papier rund 8,5 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 221,25 Euro vom Januar.
Der Streik ist nicht der erste Vorstoß der Belegschaft gegen Sparpläne des Managements. Bereits vergangene Woche war Airbus bei einem anderen strittigen Punkt eingeknickt: Nach Protesten in Frankreich und Spanien verzichtete die Führung auf ihren Plan, Homeoffice auf einen Tag pro Woche zu begrenzen.
Stattdessen dürfen Angestellte im Büroumfeld weiterhin im Schnitt zwei Tage pro Woche von zu Hause arbeiten. Dass die aktuelle Eskalation trotz dieses Zugeständnisses erfolgt, zeigt, wie tief die Unzufriedenheit bei Lohn- und Sozialleistungsthemen sitzt.
Militärgeschäft liefert Gegengewicht
Während die zivile Produktion durch den Ausstand belastet wird, entwickelt sich das Verteidigungsgeschäft robust weiter. Die spanische Regierung genehmigte am Donnerstag gemeinsam mit Polen einen Rahmen über 5,4 Milliarden Euro für die gemeinsame Beschaffung von mindestens sieben A330 Multi Role Tanker Transport-Flugzeugen, Lieferungen sind bis 2030 vorgesehen.
Zudem unterzeichnete Airbus einen Vertrag über 115 Millionen Dollar mit der US-Armee für bis zu zwölf UH-72B Lakota-Hubschrauber für die Army National Guard, mit Auslieferungen zwischen 2027 und 2029. Die Royal Canadian Air Force erhielt zudem die erste Maschine ihrer H135-Flotte im Rahmen des Ausbildungsprogramms Future Aircrew Training.
Auf der zivilen Seite bleibt die A350F-Frachterversion ein wichtiger Wachstumsträger: Airbus peilt für die dritte Augustwoche den Erstflug der Maschine an, mit der der Konzern Boeings Dominanz im Frachtsegment angreifen will.
Parallel wird die Produktionskapazität ausgebaut – im nordirischen Belfast begann Mitte August eine Erweiterung der Flügelfertigung um 6.221 Quadratmeter, um die A220-Produktion bis 2028 auf 13 Maschinen pro Monat zu steigern.
Für Anleger bleibt die zentrale Frage, wie lange der Streik andauert und ob er auf weitere Werke übergreift. Solange keine Einigung erzielt ist, dürfte die Unsicherheit über den Jahreslieferplan die Aktie in ihrer Handelsspanne unterhalb des 52-Wochen-Hochs halten.
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