AeroVironment, Aktie

AeroVironment Aktie: 117,3-Millionen-Dollar-Auftrag

Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 06:17 Uhr | Redaktion boerse-global.de

AeroVironment verzeichnet Kursgewinn, bleibt aber unter Vorjahresniveau. Der Konzern setzt auf neue Verteidigungsaufträge, während rechtliche Risiken bestehen bleiben.

AeroVironment: Erholungskurs trotz Klagen und SCAR-Aus
Abstrakte Darstellung moderner Drohnentechnologie und Verteidigungsinnovation in einem professionellen industriellen Umfeld. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ein Kurssprung von 6,39 Prozent an einem einzigen Handelstag auf 138,25 Euro – und trotzdem liegt die Aktie satte 40,31 Prozent unter dem Niveau vor zwölf Monaten. Diese Kluft zwischen kurzfristigem Schwung und langfristigem Absturz erzählt die eigentliche Geschichte. AeroVironment erfindet sich gerade neu, während der Konzern die Trümmer eines gescheiterten Milliardenprogramms wegräumt. Für mich ist genau das der spannende Punkt an diesem Papier: die Wette auf einen Wandel, der schon läuft, aber noch nicht im Kurs ankommt.

Der SCAR-Schock und die Klagewelle

Der eigentliche Auslöser für den Absturz liegt in einer Serie schlechter Nachrichten aus dem Frühjahr 2026. Die US Space Force stoppte die Arbeiten am „BADGER"-Antennensystem per Anordnung. Am Ende stand die Kündigung des kompletten SCAR-Vertrags.

Die Folge: ein Goodwill-Abschreiber von 151,3 Millionen Dollar und ein operativer Verlust von 179 Millionen Dollar im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026. Mehrere Anwaltskanzleien reichten daraufhin Sammelklagen wegen mutmaßlichen Wertpapierbetrugs ein. Die Aktie war im Oktober 2025 noch bei 354,30 Euro notiert, im Juni 2026 fiel sie bis auf 117,45 Euro. Der aktuelle Kurs liegt gut 17 Prozent über diesem Tief – ein Hinweis darauf, dass der Markt einen Großteil des rechtlichen Risikos bereits eingepreist hat.

Der Umbau zum Defense-Tech-Anbieter

Trotz des SCAR-Debakels wirkt das Kerngeschäft mit taktischen Drohnensystemen stärker denn je. Die im Mai 2025 abgeschlossene Übernahme von BlueHalo hat aus dem reinen Drohnenbauer einen breiter aufgestellten Verteidigungstechnologie-Anbieter gemacht. Mehrere aktuelle Entwicklungen stützen diese These:

  • Die US-Armee wählte im Mai 2026 die Switchblade 400 für ihr LASSO-Programm aus und positioniert das System als leichten Panzerjäger.
  • Im Juli 2026 sicherte sich das Unternehmen einen Auftrag über 117,3 Millionen Dollar für das P550-eVTOL-System im Rahmen der Long-Range-Reconnaissance-Initiative der Armee.
  • Die US-Regierung genehmigte im Juli 2026 den Verkauf von Switchblade-Varianten an Griechenland – ein weiteres Signal für die internationale Nachfrage nach günstig verfügbarer Kampftechnik.

Ende Juli 2026 kam eine Kooperation mit Applied Intuition hinzu. Ziel ist die Integration fortschrittlicher Autonomie-Software in das „Mayhem 10"-System. Das passt zum Pentagon-Kurs Richtung autonome Kriegsführung und Schwarmtechnologie.

Bewertung gegen Volatilität

Der Analysten-Konsens sieht ein Kursziel von 195,99 Euro – ein Aufschlag von 41,8 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Mit einem RSI von 52,2 ist die Aktie weder überkauft noch überverkauft, technisch also ein neutraler Einstiegspunkt. Meiner Einschätzung nach sprechen die Chancen für geduldige Anleger, auch wenn die Risiken real bleiben.

Die annualisierte Volatilität von 92,50 Prozent zeigt aber, wie sehr dieses Papier zwischen Chance und Risiko schwankt. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 198,96 Euro liegt weiterhin bei über 30 Prozent – ein Kursverlauf, der noch weit von einer echten Trendwende entfernt ist. Die anhaltende Serie neuer Aufträge zeigt aber, dass AeroVironment seinen Auftragsbestand jenseits des gescheiterten SCAR-Programms erfolgreich wieder aufbaut.

Die zweite Jahreshälfte 2026 entscheidet, ob diese Defense-Tech-Erfolge schneller wachsen als das Risiko aus den laufenden Klagen. Genau an dieser Kante zwischen operativem Fortschritt und juristischem Kopfrisiko wird sich zeigen, ob die aktuelle Erholung trägt oder nur eine Verschnaufpause im Abwärtstrend war.

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