Aduro Clean Aktie: 120 Stunden Dauerbetrieb
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 23:16 Uhr | Redaktion boerse-global.deAduro hat in seiner Pilotanlage die bislang längste Testkampagne abgeschlossen. Fünf Tage lang lief der Next Generation Process, erstmals auch mit echtem Post-Consumer-Kunststoffabfall. Für den Weg zur ersten Großanlage ist das ein greifbarer Fortschritt.
Vom Labormix zum realen Abfall
Die Kampagne dauerte rund 120 Betriebsstunden, 60 Prozent länger als der Septemberlauf mit 75 Stunden. Die Anlage startete mit einer PE/PP-Mischung im Verhältnis 50:50, wechselte auf 80:20 und verarbeitete dann etwa 20 Stunden lang PO95. Dabei handelt es sich um ein aus den Niederlanden bezogenes Agglomerat aus Post-Consumer-Abfall mit mindestens 95 Prozent Polyolefinen.
Das Material enthält Verunreinigungen wie PET, Polyamid und Polystyrol sowie Füllstoffe und Additive. Genau das macht es relevanter als definierte Testmischungen: Industrielle Recycler bekommen selten sortenreine Ströme. Sämtliche Materialwechsel liefen, ohne die Anlage komplett herunterzufahren.
Ausbeute bewusst nicht im Fokus
Die Ausbeute an kondensierbaren Kohlenwasserstoffen lag bei rund 85 Prozent und damit auf dem angestrebten Zielwert. Im September waren es noch 88,8 bis 90,8 Prozent. Aduro warnt selbst vor einem direkten Vergleich: Die Kampagnen hatten andere Einsatzstoffe und andere Ziele. Diesmal ging es um Flexibilität und Dauerbetrieb, nicht um maximale Ausbeute.
Auch die Belastbarkeit wurde geprüft. Mit jedem Materialtyp führte das Team gezielte Unterbrechungstests durch und stellte danach jeweils die Betriebsbedingungen wieder her. Ein unerwarteter Stromausfall im lokalen Netz überbrückten die Notstromsysteme, die Pilotanlage lief weiter. Solche Eigenschaften entscheiden im industriellen Maßstab über Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit.
Daten für die Anlage in Chemelot
Die Erkenntnisse fließen in die geplante First-of-a-Kind-Anlage in Chemelot ein, wo Engineering und Genehmigungsarbeiten laufen. Eine während der PO95-Verarbeitung entnommene Abwasserprobe wird analysiert. Die Ergebnisse sollen die Auslegung der Abwasseraufbereitung stützen und das Umweltgenehmigungsverfahren unterstützen. Ebert HERA führt die Genehmigungsarbeiten, Saipem verantwortet die frühen Engineering- und Beschaffungsaktivitäten.
Konzernchef Ofer Vicus betont, Skalierung lasse sich nicht allein an Ausbeute und Prozessleistung messen. Ebenso zählten die Eigenschaften der verfügbaren Einsatzstoffe und die Anforderungen der jeweiligen Standorte.
Das Testprogramm geht weiter. Aduro will in weiteren Kampagnen zusätzliche Einsatzstoffe, Betriebsparameter und Prozessbedingungen untersuchen. Die Abwasseranalyse der PO95-Probe liefert als Nächstes Daten für das Genehmigungsverfahren in Chemelot, einen konkreten Termin nennt das Unternehmen dafür nicht.
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