Adidas: Gulden kauft 3.600 Aktien
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 20:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei Adidas greifen Vorstand und Führungsebene derzeit ungewöhnlich häufig selbst zum Aktienpaket. Am 11. September erwarb die künftige Finanzchefin Birgit Kretschmer 720 Aktien zu 140,38 Euro über ein Gemeinschaftsdepot, ein Volumen von rund 101.071 Euro.
Einen Tag zuvor hatte bereits CEO Bjørn Gulden 3.600 Aktien zu 139,98 Euro gekauft, umgerechnet knapp 504.000 Euro. Für Gulden war es bereits der zweite dokumentierte Kauf innerhalb weniger Wochen, nachdem er Ende Juli schon 3.199 Aktien zu 158,93 Euro erworben hatte.
Die Käufe fallen in eine Phase spürbarer Kursschwäche. Der Titel verlor in den vergangenen sieben Handelstagen 4,6 Prozent und büßte binnen 30 Tagen elf Prozent ein. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 16 Prozent zu Buche – jene Marke, die zuletzt bereits mehrfach Thema war. Dass Konzernspitze und künftige CFO in einem solchen Umfeld privat investieren, lesen Marktbeobachter üblicherweise als Signal internen Vertrauens.
Kretschmer übernimmt CFO-Posten Ende 2026
Der Kauf ist nicht zufällig terminiert: Birgit Kretschmer übernimmt Ende 2026 den Posten der Finanzchefin von Harm Ohlmeyer. Für die Marktlogik ist das relevant, weil bei ergebnisgetriebenen Diskussionen häufig erwartet wird, dass die neue Finanzführung Kostensteuerung und Ergebnisdisziplin weiter schärft – ein Thema, das seit den jüngsten Quartalszahlen im Zentrum der Debatte steht.
Denn im zweiten Quartal hatte Adidas zwar operativ geliefert: Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf rund 6,7 Milliarden Euro, gleichzeitig hob der Konzern die Jahresprognose für das Wachstum auf 9 bis 10 Prozent währungsbereinigt an, mit einem erwarteten operativen Gewinn von rund 2,3 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis selbst wuchs jedoch nur um 5 Prozent auf 574 Millionen Euro und blieb hinter den Erwartungen des Marktes zurück – belastet durch deutlich höhere Marketingausgaben und zusätzliche Kostenposten. Die Aktie geriet trotz der angehobenen Prognose unter Druck.
Boykottaufrufe wegen Werbekampagne
Zur wirtschaftlichen Gemengelage kommt Anfang September ein Reputationsthema hinzu: Adidas geriet in die Kritik, weil eine Werbekampagne für den unternehmenseigenen Einzelschuh-Service für Amputierte einen ehemaligen israelischen Soldaten zeigte. Die Autorinnen Susan Abulhawa und Fatima Bhutto riefen öffentlich zum Boykott von Adidas-Produkten auf, weitere Aufrufe verbreiteten sich in sozialen Netzwerken.
Rückkäufe laufen parallel
Während Insider privat kaufen, setzt der Konzern auch sein Aktienrückkaufprogramm fort. Ende Juli erwarb Adidas im Rahmen einer zweiten Tranche 259.419 eigene Aktien zu einem volumengewichteten Durchschnittskurs von 151,04 Euro, einen Tag später weitere 369.529 Aktien zu durchschnittlich 159,49 Euro.
Beide Maßnahmen – Insiderkäufe und Rückkaufprogramm – laufen damit in eine Marktphase, in der die Aktie mit 142,10 Euro zuletzt deutlich unter jenen Kaufkursen notierte, zu denen Vorstand und Unternehmen zuvor selbst zugegriffen hatten.
Anleger richten den Blick nun auf den 29. Oktober, wenn Adidas die Zahlen zum dritten Quartal vorlegt. Bis dahin dürfte sich zeigen, ob die gestaffelten Insiderkäufe tatsächlich einen Boden markieren oder die Kursschwäche aus Kostenproblemen und Reputationsdruck anhält.
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