AbbVie Aktie: RBC kauft, UBS bleibt neutral
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 16:14 Uhr | Redaktion boerse-global.deAbbVies Wachstum überzeugt die Analysten, bei der Bewertung gehen ihre Einschätzungen jedoch auseinander. Nach den Quartalszahlen verweist RBC Capital auf weiteres Potenzial durch Immunologie und Margenverbesserungen. UBS bleibt dagegen bei einer neutralen Einstufung. Die Aktie verliert heute -2,8% – die positiven Geschäftszahlen führen damit nicht unmittelbar zu weiteren Kursgewinnen.
Unterschiedliche Maßstäbe für die Bewertung
RBC Capital setzt das Kursziel heute auf 330 US-Dollar und bestätigt seine positive Einschätzung. UBS nennt nun 295 US-Dollar als Ziel und hält an „Neutral“ fest. Beide Häuser haben ihre Ziele angehoben, ziehen daraus aber unterschiedliche Konsequenzen für die Anlageempfehlung.
Der Unterschied liegt nicht allein in der Beurteilung des jüngsten Quartals. RBC begründet seine Einschätzung mit Wachstum, möglichen Margenverbesserungen und einer langen Patentlaufzeit. Damit richtet sich der Blick stärker auf die längerfristige Ertragskraft als auf das einzelne Quartalsergebnis.
Konkret erhöht RBC das Bewertungsmultiple vom 18-Fachen auf das 20-Fache und verweist auf eine Patentlaufzeit bis 2035 und darüber hinaus. Das höhere Kursziel beruht somit auch auf der Bereitschaft, AbbVies Geschäft höher zu bewerten.
Immunologie trägt den Wachstumskurs
Im dritten Quartal 2026 erzielte AbbVie einen Umsatz von 17,404 Milliarden US-Dollar und einen bereinigten Gewinn von 3,82 US-Dollar je Aktie. Beide Kennzahlen übertrafen die Analystenerwartungen.
Entscheidend für die Einordnung ist die Entwicklung der wichtigsten Produkte. Skyrizi und Rinvoq wachsen weiter deutlich, während Humira Umsatz verliert. Die Stärke der beiden Wachstumsträger ist deshalb zentral für die Frage, wie belastbar der Konzern seinen Expansionskurs fortsetzen kann.
Skyrizi steigerte den Quartalsumsatz um 22,7%, Rinvoq um 23,9%. Der gesamte Konzernumsatz legte um 10,3% zu.
Nach Angaben des Managements erreichten insgesamt neun Schlüsselprodukte zweistelliges Wachstum. Dazu zählte neben Skyrizi und Rinvoq auch Vraylar. Der operative Fortschritt beschränkt sich damit nicht ausschließlich auf die beiden besonders stark beachteten Medikamente.
Höhere Erwartungen verlangen weitere Fortschritte
Für das Gesamtjahr erwartet AbbVie nun rund 67,8 Milliarden US-Dollar Umsatz. Die Prognose für den bereinigten Gewinn liegt bei 13,95 bis 13,99 US-Dollar je Aktie.
Die angehobenen Erwartungen liefern eine Grundlage für die optimistischeren Bewertungen. Zugleich machen die unterschiedlichen Analystenurteile deutlich: Gute Ergebnisse und eine attraktive Bewertung sind nicht dasselbe. UBS bleibt trotz des starken Quartals zurückhaltender als RBC.
Zusätzliche Chancen könnten neue Anwendungen von Rinvoq eröffnen. Einführungen bei Vitiligo und Alopezie könnten rund 2 Milliarden US-Dollar Umsatz beitragen. Das ist mögliches Zusatzgeschäft, kein bereits realisierter Erlös.
Für Anleger steht damit die Umsetzung im Mittelpunkt: AbbVie muss den Wachstumskurs seiner Schlüsselprodukte fortsetzen, um die höheren Erwartungen zu untermauern. RBC setzt darauf bereits einen höheren Bewertungsmaßstab an; UBS zieht diese Schlussfolgerung bislang nicht.
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