ABB, Aktie

ABB Aktie: Kursziel nach oben

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 10:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Deutsche Bank erhöht ABBs Kursziel auf 76 Franken. Infinitus soll den Bedarf von KI-Rechenzentren adressieren, doch die Bewertung bleibt hoch.

Orangefarbener Industrieroboter schweißt Fahrzeugkarosserie mit Funkenregen in heller Fabrikhalle
ABB Ltd (CH0012221716) setzt Industrieroboter beim präzisen Lichtbogenschweißen in moderner Fabrik ein Illustration mit AI erstellt.

Deutsche Bank traut ABB mehr zu. Das Institut hebt sein Kursziel für die Aktie von 74 auf 76 Schweizer Franken an, das Rating bleibt bei "Hold". Auslöser sind eigene Markt-Checks der Analysten, die auf eine anhaltend starke Nachfrage aus dem Rechenzentrumsgeschäft hindeuten.

Deutsche Bank rechnet damit, dass ABB seine Wachstumsprognose für 2026 anhebt — von aktuell niedrigen auf mittlere zweistellige Prozentraten beim organischen Wachstum. Beim Blick auf das dritte Quartal zeigen sich die Analysten dennoch vorsichtig: Die bereits hohen Erwartungen der Käuferseite an neue Aufträge dürften schwer zu übertreffen sein.

Auch die Bewertung bremst die Euphorie — beim geschätzten Verhältnis von Unternehmenswert zu operativem Ergebnis für 2027 liegt ABB bei dem 20-Fachen, ein Wert, der aus Sicht der Bank bereits viel Optimismus einpreist.

Gleichstrom-Portfolio für KI-Rechenzentren

Hintergrund der positiven Einschätzung ist die neue Produktfamilie Infinitus, die ABB zu Wochenbeginn vorgestellt hat. Das Portfolio bündelt Gleichstromlösungen für Rechenzentren, die für den Energiehunger der nächsten Chip-Generation ausgelegt sind. Nach ABB-Angaben könnten künftige KI-Chips bis zu einem Megawatt pro Rack benötigen — heute liegt der Bedarf bei knapp 200 Kilowatt.

Die 800-Volt-Architektur soll gegenüber klassischen Wechselstromsystemen weniger Platz brauchen und Umwandlungsverluste reduzieren. Ein gemeinsam mit der Boston Consulting Group erstellter Bericht beziffert die möglichen Effizienzgewinne auf über 5 Prozent. Bei einem 500-Megawatt-Rechenzentrum könnte das nach ABB-Berechnungen mehr als 300 Millionen Dollar zusätzlichen Jahresumsatz bedeuten.

Das Portfolio baut auf der bestehenden Kooperation mit Nvidia auf, in deren Rahmen ABB an 800-Volt-Architekturen für Gigawatt-Rechenzentren arbeitet. Die ersten vollständig auf Infinitus basierenden Anlagen sollen laut Unternehmensangaben innerhalb von zwei bis drei Jahren in Betrieb gehen.

Die Internationale Energieagentur erwartet, dass sich der globale Strombedarf von Rechenzentren bis 2030 mehr als verdoppelt. ABB selbst geht davon aus, dass 25 bis 40 Prozent der neu installierten Kapazität künftig auf Gleichstromverteilung setzen könnte — ein Markt, in dem sich das Unternehmen mit Infinitus früh positionieren will.

Ob ABB die hochgesteckten Erwartungen beim Q3-Auftragseingang tatsächlich übertrifft, dürfte sich mit den nächsten Quartalszahlen zeigen. Bis dahin bleibt die Bewertung mit dem 20-Fachen des geschätzten EBITA für 2027 der entscheidende Faktor, an dem sich Analysten wie Deutsche Bank orientieren.

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