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ABB Aktie: Entwickelt Stromarchitektur mit Nvidia

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 06:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de

ABB setzt auf 800-Volt-Gleichstrom für Rechenzentren und nennt Effizienzvorteile von mehr als fünf Prozent; erste Komponenten sollen binnen zwölf Monaten in Serie gehen.

Orangefarbener Industrieroboter schweißt Fahrzeugkarosserie mit Funkenregen in heller Fabrikhalle
ABB Ltd (CH0012221716) setzt Industrieroboter beim präzisen Lichtbogenschweißen in moderner Fabrik ein Illustration mit AI erstellt.

Der rasant steigende Energiehunger moderner Rechnerarchitekturen treibt die Elektrifizierungsbranche zu grundlegenden Umbauten. Die Technologie soll den Strompfad vom Netzanschluss bis zum Serverrack abdecken und richtet sich gezielt an künftige Generationen von Hochleistungschips.

Effizienzgewinne im Gigawattbereich

Hintergrund der Entwicklung ist der massive Wandel bei der Leistungsdichte: Während bisherige Server-Racks mit rund 200 Kilowatt operieren, prognostiziert die Branche für künftige Architekturen mindestens ein Megawatt je Einheit.

Nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur IEA wird sich der weltweite Strombedarf von Rechenzentren bis 2030 mehr als verdoppeln. ABB erwartet in diesem Umfeld, dass 25 bis 40 Prozent der bis 2030 neu installierten Rechenzentrumskapazitäten auf eine direkte Gleichstromverteilung (DC) setzen könnten.

Die 800-Volt-Gleichstromarchitektur soll redundante Umwandlungsschritte zwischen Wechsel- und Gleichstrom überflüssig machen und damit Wärmeverluste sowie Flächenbedarf senken. Ein gemeinsamer Bericht von ABB und der Boston Consulting Group beziffert den Effizienzgewinn durch den Verzicht auf mehrfache Wechselstrom-Konvertierungen auf mehr als 5 Prozent.

Bei einer Großanlage mit einer Gesamtleistung von 500 Megawatt setzt diese Ersparnis bis zu 25 Megawatt an zusätzlicher IT-Kapazität frei. Rechnerisch könnten daraus jährliche Mehreinnahmen von über 300 Millionen US-Dollar resultieren.

Zeitplan und Partnerschaft mit Nvidia

Das neue Portfolio gliedert sich in fünf Teilbereiche, darunter die Mittelspannungsversorgung über Festkörpertransformatoren, DC-Schutzkomponenten und die Kühlungsoptimierung. Zudem unterstützt das System hybride Architekturen aus Wechsel- und Gleichstrom.

Wesentliche Schlüsselkomponenten der Reihe sollen innerhalb der kommenden zwölf Monate in die Serienfertigung gehen. Ein erstes vollständig auf der Plattform basierendes Rechenzentrum wird in zwei bis drei Jahren erwartet.

Technologisch baut ABB dabei auf einer im Oktober 2025 verkündeten Kooperation mit dem Chiphersteller Nvidia auf, bei der an Stromarchitekturen für Rechenzentren im Gigawattmaßstab gearbeitet wird. Gleichstromlösungen treibt der Konzern zudem in weiteren Anwendungsfeldern voran: Bei einer Partnerschaft kommt ein 800-Volt-DC-Mikronetz auf einer Hochsee-Rennyacht zum Einsatz.

Analysten heben das Kursziel an

An den Finanzmärkten sorgte der Vorstoß für Zustimmung bei den Analystenhäusern. Die Analysten verweisen dabei auf die solide Nachfrageperspektive durch den Ausbau der weltweiten Stromnetze und digitaler Infrastruktur.

An der Börse ging die Aktie gestern mit einem leichten Minus von 1,1 Prozent bei 87,54 Euro aus dem Handel. Auf Jahressicht profitiert der Titel jedoch deutlich vom strukturellen Elektrifizierungsbedarf und weist seit Jahresanfang ein Kursplus von 37 Prozent auf. Ob die Einsparversprechen der Gleichstromtechnik in vollem Umfang realisiert werden, muss sich nun im praktischen Einsatz der ersten Pilotanlagen beweisen.

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