360 Finance Aktie: Gewinn schlägt, Umsatz bricht ein
Veröffentlicht am: 26.08.2026 um 12:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Quartal, zwei Gesichter. 360 Finance übertraf im zweiten Quartal die Gewinnerwartungen deutlich, während der Umsatz weit hinter den Prognosen zurückblieb. Die Börse reagierte eindeutig: Nach einem starken regulären Handelstag brach die Aktie nachbörslich um rund 11 Prozent ein.
Der Grund für die Diskrepanz liegt tief im chinesischen Konsumkreditmarkt. Ein unerwarteter Schock bei Wettbewerbern Ende Juni löste eine branchenweite Liquiditätsklemme aus, die sich bis in den August fortsetzte. Hinzu kommt eine landesweite Regulierungskampagne gegen die Inkasso-Branche, die den Unternehmen die Möglichkeit nimmt, säumige Kredite effizient einzutreiben.
Umsatz bricht ein, Gewinn nur auf den ersten Blick stark
Der Nettoumsatz fiel im Jahresvergleich um rund 32 Prozent auf 3,57 Milliarden Yuan und verfehlte die Konsensschätzung von 4,02 Milliarden Yuan deutlich. Der bereinigte Gewinn je Aktie von 6,56 Dollar lag zwar über der Erwartung von 4,90 Dollar, das Bild trügt jedoch.
Der Non-GAAP-Nettogewinn brach gegenüber dem Vorquartal um mehr als die Hälfte ein, eine einmalige Steuerbelastung von umgerechnet rund 500 Millionen Yuan drückte zusätzlich auf das Ergebnis.
Das Kreditvolumen sank um 2,5 Prozent auf etwa 63,4 Milliarden Yuan, die Zahl neuer Kreditlinien-Nutzer fiel von 1,19 Millionen im ersten Quartal auf rund 830.000. Das Management beschreibt die aktuelle Phase offen als Verteidigungsmodus: Sicherheit und Bilanzstärke stehen vor Wachstum.
Ausblick bleibt gedämpft
Für das dritte Quartal rechnet 360 Finance mit einem Non-GAAP-Nettogewinn zwischen 400 und 500 Millionen Yuan — ein Rückgang von 67 bis 73 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Das Kreditvolumen im Juli fiel bereits um rund 15 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal, wobei laut Unternehmen etwa zwei Drittel davon auf Finanzierungsengpässe und der Rest auf eigene Risikovorsorge zurückzuführen sind. Für August und September erwartet das Management weiterhin Zurückhaltung.
An der Dividende von 0,46 Dollar je ADS für das erste Halbjahr 2026 hält der Vorstand fest, das Aktienrückkaufprogramm wurde nach dem Liquiditätsschock Ende Juni jedoch ausgesetzt.
Jefferies reagierte auf die Zahlen mit einer Kürzung des Kursziels von 20,40 auf 15,40 Dollar, beließ die Kaufempfehlung aber unverändert. Der Analyst verweist auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter 2 und ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,38 — Kennzahlen, die die Aktie trotz der operativen Probleme als unterbewertet erscheinen lassen. Der Titel notiert nahe seinem 52-Wochen-Tief und hat auf Jahressicht rund 59 Prozent an Wert verloren.
Das Management rechnet damit, dass es zwei bis drei Quartale dauern wird, bis sich die Risikokennzahlen normalisieren. Bis dahin bleibt der Ausblick auf das zweite Halbjahr 2026 von Vorsicht geprägt.
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