1&1 Aktie: Versatel streicht jede vierte Stelle
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 12:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei 1&1 greift der Sparstift dort, wo es Arbeitsplätze kostet. Die Geschäftskundentochter Versatel baut 350 der aktuell 1.350 Stellen ab — fast jede vierte Position fällt weg. Mutterkonzern United Internet hat das Transformationsprogramm nach einer zunächst fehlerhaften Ad-hoc-Meldung am Freitag noch einmal korrigiert veröffentlicht.
Der Abbau soll sozialverträglich über ein Freiwilligenprogramm laufen, ergänzend zu bestehenden Altersteilzeitregelungen. Parallel werden Hierarchieebenen gestrichen und Führungsstrukturen vereinfacht. Bis 2027 soll die neue Organisation stehen.
Kurzfristig teurer, langfristig profitabler
Der Umbau kostet zunächst Geld. Für 2026 rechnet 1&1 mit einmaligen Aufwendungen von rund 60 Millionen Euro, wodurch sich die EBITDA-Prognose auf etwa 740 Millionen Euro reduziert — die bereinigte Zielgröße von rund 800 Millionen Euro bleibt davon unberührt. Ab dem Geschäftsjahr 2028 soll das Programm dann jährlich rund 25 Millionen Euro zum Ergebnis beitragen.
Auf Konzernebene bei United Internet, an dem 1&1 mehrheitlich hängt, summieren sich die Einmalkosten aus den Transformationsprogrammen von 1&1 und der Schwestergesellschaft IONOS auf rund 95 Millionen Euro.
Die operative EBITDA-Prognose des Konzerns von etwa 1,45 Milliarden Euro bleibt davon unberührt, ebenso der erwartete Umsatz von rund 6,25 Milliarden Euro für 2026.
Versatel betreibt ein Glasfasernetz in rund 350 deutschen Städten und verbindet zudem die Mobilfunkstandorte von 1&1 mit dem Festnetz — eine Schlüsselrolle für die Netzqualität der Mobilfunksparte. Der Stellenabbau trifft damit ein Geschäftsfeld, das für die technische Infrastruktur des Konzerns zentral ist, nicht irgendeine Randsparte.
Die Rechnung von 1&1 ist einfach: kurzfristig Kosten schultern, um mittelfristig schlankere Strukturen und höhere Produktivität zu erreichen. Ob die geplanten 25 Millionen Euro zusätzlicher Jahresertrag ab 2028 tatsächlich erreicht werden, hängt maßgeblich davon ab, wie reibungslos sich das Freiwilligenprogramm bei Versatel bis 2027 umsetzen lässt.
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