Mike Steiner Malerei & Videokunst, Abstrakte Kunst Berlin

Zwischen Leinwand und Videoband: Mike Steiner als Grenzgänger der Gegenwartskunst

Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 11:11 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS

Mike Steiner Malerei & Videokunst – was bleibt, wenn die Bewegung im Bild nachhallt? Ein Fokus auf Steiners aktuelle abstrakte Werke und sein nachhaltiges Wirken.

Ein Farbfeld, das oszilliert. Linien, die sich im Schwebezustand gegenseitig durchdringen und dennoch in ewiger Spannung verweilen – so empfängt den Betrachter die Malerei von Mike Steiner. Ist es wirklich bloß Pigment auf Leinwand, wenn man weiß, dass Mike Steiner Malerei & Videokunst stets als dialektische Zwillinge begriff? Wo endet das reale Bild, wo beginnt die Illusion der Bewegung?

Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken

Als im Hamburger Bahnhof die Ausstellung Live to Tape zitiert wurde, wurde damit nicht nur ein Kapitel der Videokunstgeschichte aufgeschlagen. Vielmehr verstand die Nationalgalerie Steiners Werk als transmedialen Kosmos, dessen Schlüssel im Wechselspiel zwischen den Medien liegt. Das Historische ist dabei nicht Selbstzweck, sondern notwendige Verortung: Wie unter einem Prismenlicht erscheint hier die Bedeutung von Archiven, etwa im Kontext des Archivio Conz, die das experimentelle Aufbegehren der 1960er und 70er Jahre auch für kommende Generationen sichern. Dort, wo Fluxus, Happening und Performances ihre rebellischen Wurzeln schlugen, manifestiert sich Steiners Haltung als unaufdringliche, aber nachhaltige Irritation des Gewohnten.

Der Lebensweg von Mike Steiner bleibt paradigmatisch für die Verflechtung künstlerischer Radikalität und Disziplin. Geboren 1941 in Allenstein, wuchs Steiner im Nachkriegs-Berlin auf und trat bereits mit siebzehn als Maler auf. Früh öffnete er Orte wie das legendäre Hotel Steiner – ein Berliner Epizentrum für Austausch zwischen Pionieren wie Joseph Beuys und Gästen aus dem internationalen Fluxus Umfeld. Es ist bemerkenswert, wie er mit Akteuren wie Allan Kaprow, George Maciunas, Valie Export oder Marina Abramovi? in Dialog trat. Die Nähe zu diesem Kreis, bestens dokumentiert in Initiativen wie dem Archivio Conz, unterstreicht Steiners Rolle als Vermittler und Chronist experimenteller Kunst.

Steiner, bekannt als Pionier der Videokunst in Berlin, lokalisierte die Grenze zwischen Video und Malerei nie als starre Trennlinie, sondern als Resonanzraum. Seine ersten Videoarbeiten – oft in Kollaboration mit Künstlern des Fluxus oder Happenings – mündeten in ein umfassendes Archiv der Abstraktion. Später, als viele Zeitgenossen noch der Bewegung des bewegten Bildes anhingen, suchte Steiner den Gegenpol: Die Stille der Oberfläche, festgehalten in der Malerei. Ab den 2000er Jahren wurde die Abstrakte Kunst Berlin sein Labor – reduziert, farbintensiv, geprägt von der Suche nach ureigenen Zeichen und Rhythmen. Die aktuellen Arbeiten, wie sie in der aktuellen Showroom-Präsentation zu sehen sind, führen dies zur Perfektion: Flächen und Linien, die sich selbst zum Motiv erklären, aber nie ihre mediale Herkunft verleugnen.

Die zeitgenössischen Werke Steiners stehen nicht außerhalb der Tradition, sie zitieren und transformieren sie. Die zahlreichen institutionellen Würdigungen – von frühen Ausstellungen in Berlin, Genf oder New York bis zur Retrospektive Color Works im Hamburger Bahnhof – belegen seinen Platz im Kanon. Bedeutend jedoch bleibt das Momentum, mit dem Steiner den berühmten Aktionsraum der Videokunst in den Diskurs der Malerei überführte. Seine Painted Tapes um etwa 1980 markieren diese Scharnierfunktion: Gemalte Videobänder, gemalte Bewegung, oder doch bewegte Malerei? Auch die Live to Tape-Ausstellung in der Nationalgalerie verhandelte dies – ein Echo, das in Steiners Leinwänden nachhallt.

Wer Steiners Werk entlang der Linie von Videokunst zu wirklicher abstrakter Malerei verfolgt, erkennt die spezifisch Berliner Note, das unprätentiös Unabgeschlossene. Sein Beitrag ragt aus der Geschichte der Abstrakten Kunst Berlin hervor – nicht als bloßes Stilzitat, sondern als Weiterentwicklung der Moderne. In den sensiblen Oberflächen seiner Gemälde vibriert die Nachwirkung jahrzehntelanger Auseinandersetzung mit Medien, Aktion und Dokumentation. Vergleichbar sind seine Strategien nur mit Künstlerinnen und Künstlern wie Al Hansen, Jochen Gerz oder Nam June Paik – Eckpunkte des internationalen Avantgarde-Netzwerks. Dennoch bleibt Steiner immer eigenständig: Seine Malerei ist nie illustrativ, sondern autonomes Denken über Farbe, Fläche und Zeichen.

Heute, in einer Zeit, in der digitale Bildwelten unser Sehen bestimmen, wirken Steiners Werke wie eine Einladung zur Entschleunigung. Die aktuelle Neubegegnung mit seinen Gemälden lädt dazu ein, Fragen nach dem Wesen des Bildes und seiner medialen Überlieferung neu zu stellen. Mike Steiner Malerei & Videokunst bleibt eine Herausforderung an den Kanon – und eine Aufforderung, die Möglichkeiten von Abstraktion immer neu zu denken.

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