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Zoll startet 2026 mit scharfem Kurs gegen Schwarzarbeit

04.01.2026 - 22:51:12

Der deutsche Zoll geht mit verschärften Kontrollen gegen illegale Beschäftigung und Sozialbetrug vor. Besonders im Blick: die gesamte Dienstleistungsbranche.

Nach einer koordinierten Großaktion in Berlin und anderen Metropolen zum Jahreswechsel hat die Bundesfinanzverwaltung für 2026 eine „Null-Toleranz-Strategie“ angekündigt. Im Fokus stehen Branchen mit hohem Risiko für Mindestlohnverstöße und Schwarzarbeit: Gastronomie, Sicherheitsgewerbe und Logistik. Die Kontrollen sind bereits in vollem Gange.

Die verschärfte Lage zeigte sich bereits in den letzten Tagen des alten Jahres. Am 30. Dezember 2025 besuchten Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) und Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) persönlich eine Baustellenkontrolle in Berlin. Die Minister signalisierten damit den politischen Willen, die im Koalitionsvertrag vereinbarten strengeren Regeln auch durchzusetzen.

Parallel demonstrierte der Zoll seine Schlagkraft an den Grenzen. Am Frankfurter Flughafen vereitelten Beamte einen Schmuggelversuch mit Goldschmuck. In Ulm stellten sie in einem türkischen Lkw 25.000 Zigaretten sicher, versteckt in Ersatzreifen. Diese Fälle unterstreichen die länderübergreifende Dimension der Schattenwirtschaft.

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Die Justiz zieht mit: In Magdeburg erhielt ein Bauunternehmer kürzlich eine zweijährige Bewährungsstrafe wegen „Scheinselbständigkeit“. Die Botschaft ist klar: Systematischer Sozialbetrug wird nicht mehr nur mit Geldstrafen geahndet.

Dienstleistungsbranche im Visier

Während das Baugewerbe traditionell im Fokus steht, richtet sich die Strategie 2026 verstärkt auf den gesamten Dienstleistungssektor. Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) meldet einen deutlichen Anstieg von Prüfungen in Gaststätten, im Reinigungs- und im Sicherheitsgewerbe.

Das Problem ist gewaltig. Schätzungen des Deutschen Wirtschaftsinstituts (IW) zufolge gingen im vergangenen Jahr mindestens 3,3 Millionen Menschen in Deutschland einer Schwarzarbeit nach. Ein Großteil davon entfällt auf den Dienstleistungsbereich, wo hohe Lohnkosten und Bargeldgeschäfte illegale Beschäftigung begünstigen.

Aktuelle Beispiele zeigen die Breite der Fahndung: In Kiel deckte der Zoll illegale Beschäftigung auf einer Werft und in einem Nagelstudio auf. In Bergisch Gladbach liefen gemeinsame Aktionen mit dem Landeskriminalamt NRW und den Steuerbehörden. Durch diese „konzertierten Aktionen“ können Daten zu Steuern, Sozialversicherung und Aufenthaltsstatus in Echtzeit abgeglichen werden – was Betrug deutlich erschwert.

Digitale Fahndung und hohe Risiken

Für Unternehmen wird die Einhaltung der Vorschriften immer herausfordernder. Die FKS setzt zunehmend auf digitale Forensik, um Unstimmigkeiten in Arbeitszeitdokumenten aufzudecken. Die „Digitalisierung der Vollziehung“, ein Schwerpunkt im Zoll-Jahresbericht 2025, zeigt jetzt ihre volle Wirkung.

Die Risiken bei Verstößen sind massiv gestiegen. Neben hohen Geldbußen drohen Geschäftsführern persönliche Haftung und sogar strafrechtliche Konsequenzen für organisierten Sozialbetrug. Die Generalzolldirektion stellt klar: Unwissenheit über die Compliance von Subunternehmern schützt nicht mehr. Firmen müssen robuste „Know-Your-Supplier“-Prozesse etablieren.

Neue Zollsoftware und die nächsten Ausbaustufen des NCTS (Neues Computerisiertes Transitverfahren) schließen zudem Schlupflöcher bei grenzüberschreitenden Dienstleistungen. Dadurch lassen sich entsandte Arbeitnehmer und Briefkastenfirmen zur Verschleierung illegaler Jobs besser aufspüren.

Getriebene der scharfen Linie

Der aggressive Start ins Jahr 2026 hat auch haushaltspolitische Gründe. Angesichts des unter Druck stehenden Bundeshaushalts ist die Rückholung von Milliardenbeträgen aus Steuerhinterziehung und nicht gezahlten Sozialbeiträgen für das Finanzministerium zur Priorität geworden.

Die Einbeziehung von Sicherheits- und Pflegediensten in die Hochrisikoliste zeigt zudem: Der Arbeitsmarkt hat sich gewandelt. Im Gegensatz zur Baustelle ist Dienstleistungsarbeit oft transparenter und ohne unangemeldete, datengestützte Razzien schwerer zu kontrollieren. Die Kooperation mit Landesbehörden in NRW könnte zum bundesweiten Vorbild für einen einheitlicheren Kampf gegen Finanzkriminalität werden.

Was jetzt auf Unternehmen zukommt

Compliance-Verantwortliche müssen im ersten Quartal 2026 mit einer anhaltend hohen Zahl unangemeldeter Prüfungen rechnen. Im Frühjahr will die FKS neue Statistiken vorlegen, die den aktuellen Anstieg bei Ermittlungsverfahren belegen dürften.

Experten erwarten, dass die nächste Kontrollwelle gezielt die Plattform- und Gig-Economy ins Visier nimmt. Damit soll sichergestellt werden, dass digitale Dienstleister nicht ihre Sozialversicherungspflicht umgehen.

Unternehmen im Dienstleistungssektor wird dringend geraten, umgehend interne Audits ihrer Personaldokumentation und Subunternehmerverträge durchzuführen. Das Ziel: das Risiko für schwerwiegende finanzielle und reputative Schäden in dieser neuen Ära strikter Durchsetzung zu minimieren. Die Botschaft der Behörden ist unmissverständlich: Die Zeit lascher Compliance ist vorbei.

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