Zoll deckt bei bundesweiter Razzia massive Mindestlohn-Verstöße auf
08.03.2026 - 03:51:35 | boerse-global.deDie Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) hat bei einer großangelegten Sonderprüfung Hunderte Verfahren eingeleitet. Die Kontrollen offenbaren ein anhaltendes Problem auf dem deutschen Arbeitsmarkt.
Mit rund 1.400 Beamten ging der Zoll in der letzten Februarwoche gezielt gegen Lohndumping vor. Die Bilanz der bundesweiten Razzia ist alarmierend: Knapp 2.700 Beschäftigte wurden befragt, über 400 Arbeitgeber überprüft. Dabei wurden bereits vor Ort etwa 170 Strafverfahren und 330 Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet. Die eigentliche Brisanz liegt jedoch in den neu aufgedeckten Verdachtsfällen – deren Zahl beläuft sich auf rund 1.200.
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Gastronomie und Friseure im Visier der Fahnder
Die Strategie war risikoorientiert. Der Zoll konzentrierte sich auf Branchen mit hohem Kundenkontakt und bekannter Anfälligkeit für Verstöße. Schwerpunkt der Kontrollen waren das Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe sowie Friseur- und Kosmetiksalons. In diesen Sektoren versuchen Arbeitgeber besonders häufig, die gesetzliche Lohnuntergrenze von aktuell 13,90 Euro pro Stunde zu umgehen.
Die Aktion war bundesweit. Das Hauptzollamt Magdeburg etwa setzte 68 Beamte in Sachsen-Anhalt ein. Das Hauptzollamt Singen überprüfte Tankstellen, Werkstätten und Gastronomie in den Landkreisen Villingen-Schwenningen und Waldshut. Die Ergebnisse zeigen ein flächendeckendes Problem.
Sozialbetrug und illegale Beschäftigung als Folge
Die Konsequenzen von Mindestlohnverstößen gehen weit über zu niedrige Löhne hinaus. In fast 40 Fällen leitete die FKS Verfahren wegen Veruntreuung von Arbeitsentgelt ein. Dahinter verbirgt sich ein klassischer Sozialbetrug: Wird der Mindestlohn nicht gezahlt, werden auch die darauf basierenden Sozialversicherungsbeiträge vorenthalten. Das schädigt die Solidargemeinschaft.
Zudem wurden in über 100 Fällen Verdachtsmomente für die unerlaubte Beschäftigung ausländischer Staatsangehöriger ohne Arbeitserlaubnis festgestellt. Solche Praktiken schaffen unfaire Wettbewerbsvorteile für unseriöse Betriebe und können in ausbeuterische Arbeitsverhältnisse münden.
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Jede vierte Kontrolle führt zum Verfahren
Die jüngste Razzia ist kein Einzelfall, sondern Teil eines dauerhaften Kontrolldrucks. Bereits die Zahlen für 2025 zeigten ein erschreckendes Bild: Bei 25.765 Prüfungen leitete die FKS in 6.121 Fällen Verfahren ein. Im Schnitt wurde also bei jeder vierten Kontrolle ein potenzieller Verstoß aufgedeckt.
Dabei kann der Zoll naturgemäß nur stichprobenartig prüfen. Von der letzten Mindestlohnerhöhung auf 13,90 Euro zum 1. Januar 2026 sind schätzungsweise 4,8 Millionen Jobs betroffen. Die risikoorientierten Schwerpunktaktionen sollen daher vor allem abschreckend wirken und die Akzeptanz für Schwarzarbeit senken.
Nachermittlungen laufen an – Kontrolldruck bleibt hoch
Für die rund 1.200 neu aufgedeckten Verdachtsfälle beginnen nun die eigentlichen Ermittlungen. Die Daten vor Ort dienen als Grundlage für tiefgehende Prüfungen der Lohnbuchhaltung. Diese Nachermittlungen sind aufwendig, decken aber regelmäßig das volle Ausmaß der Verstöße auf.
Der Zoll hat angekündigt, seine unangemeldeten Kontrollen konsequent fortzusetzen. Solche konzertierten Aktionen bleiben ein zentrales Instrument, um für mehr Lohngerechtigkeit zu sorgen und die Sozialsysteme zu schützen. Die Frage ist: Reicht der Kontrolldruck aus, um das strukturelle Problem in den Risikobranchen nachhaltig zu bekämpfen?
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