ZFA-Mangel: Zahnarztpraxen kämpfen um jede Fachkraft
18.03.2026 - 00:00:26 | boerse-global.deDer Arbeitsmarkt für Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA) ist leergefegt. Während Jobsuchende aus dem Vollen schöpfen können, stehen Zahnarztpraxen vor existenziellen Personalproblemen. Neue Tarifverträge und Digitalisierung sollen die Krise lindern.
Rekordlücke bei Fachkräften
Die Situation ist dramatisch: Die Bundesagentur für Arbeit führt den ZFA-Beruf weiterhin als Engpassberuf Nummer eins im Gesundheitswesen. Eine offene Stelle bleibt im Schnitt über vier Monate unbesetzt. Oft dauert die Suche ein halbes Jahr.
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Der Mangel betrifft alle Ebenen. Gesucht werden nicht nur Assistenzkräfte für den Behandlungsraum, sondern auch spezialisierte Dentalhygieniker, Prophylaxe-Assistenten und Verwaltungsfachkräfte. Der Freie Verband Deutscher Zahnärzte (FVDZ) warnt vor Folgen für die Patientenversorgung und die wirtschaftliche Stabilität der Praxen.
Für Bewerber hingegen herrschen paradiesische Zustände. Sie können zwischen mehreren Angeboten wählen und Arbeitsbedingungen aktiv mitgestalten. Die Machtverhältnisse am Arbeitsmarkt haben sich komplett gedreht.
Tarifvertrag pusht Gehälter
Als Reaktion auf den Notstand hat die Branche die Gehälter deutlich angehoben. Die Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen für Zahnmedizinische Fachangestellte (AAZ) und der Verband medizinischer Fachberufe (vmf) einigten sich auf einen neuen Manteltarifvertrag bis Ende 2026.
Dieser gilt in Hamburg, Niedersachsen, Saarland und Westfalen-Lippe und dient bundesweit als Orientierung. Nach einer Erhöhung um durchschnittlich 4,65 Prozent im Juli 2025 folgte zum 1. Januar 2026 ein weiteres Plus von 2,80 Prozent.
Auch die Ausbildungsvergütung wurde kräftig aufgestockt. Azubis erhalten nun 1.000 Euro im ersten, 1.100 Euro im zweiten und 1.200 Euro im dritten Lehrjahr. Eine voll ausgebildete ZFA verdient bei einer 40-Stunden-Woche durchschnittlich 2.753 Euro brutto im Monat. Mit Zusatzqualifikationen sind deutlich höhere Gehälter möglich.
Nachwuchssorgen trotz guter Bezahlung
Doch selbst die verbesserten finanziellen Anreize reichen nicht aus, um genug junge Menschen für den Beruf zu begeistern. Aktuelle Daten des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zeigen einen Trendwechsel: Medizinische Fachangestellte (MFA) haben die ZFA bei den neuen Ausbildungsverträgen überholt.
16.680 neue MFA-Verträge stehen 16.206 für Zahnmedizinische Fachangestellte gegenüber. Insgesamt ging die Zahl neuer Ausbildungsverträge in allen Berufen um 2,1 Prozent zurück. Zahnarztpraxen konkurrieren also um eine schrumpfende Gruppe von Schulabgängern.
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Hinzu kommt eine hohe Abwanderung. Viele ausgebildete ZFA verlassen den Beruf nach wenigen Jahren wieder. Gründe sind stressige Arbeitsbedingungen, enge Termintakte und wachsende Bürokratie. Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) verweist auf umfangreiche Dokumentationspflichten, die die tägliche Arbeit belasten.
Digitalisierung als Rettungsanker
Um den Beruf attraktiver zu machen und Fachkräfte zu halten, setzen die Praxen auf Modernisierung. Die Ausbildungsverordnung wurde bereits überarbeitet und legt heute stärkeren Wert auf digitale Praxismanagement-Systeme, Hygienevorschriften und interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Künstliche Intelligenz und Softwarelösungen entlasten das Personal von administrativen Routinetätigkeiten. Gleichzeitig eröffnet die Digitalisierung neue Aufgabenfelder: Immer mehr ZFA übernehmen Social-Media-Management, digitale Patientenkoordination oder komplexes Abrechnungswesen.
Diese erweiterten Verantwortungsbereiche machen die Arbeit abwechslungsreicher und eröffnen Aufstiegschancen innerhalb der Praxis. Für technikaffine Assistenten entstehen ganz neue Spezialisierungsmöglichkeiten.
Systemkrise mit Langzeitfolgen
Die Personalnot bei Zahnmedizinischen Fachangestellten ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern Ausdruck einer strukturellen Krise. Der Verband medizinischer Fachberufe prophetzeit bis 2027 eine Lücke von über 11.000 qualifizierten Fachkräften.
Die Diskussionen über branchenspezifische Mindestlöhne werden lauter, um die Abwanderung in besser bezahlte Verwaltungsberufe zu stoppen. Praxen, die keine flexiblen Arbeitszeiten, Fortbildungen und ein gutes Betriebsklima bieten, haben kaum noch eine Chance, Personal zu finden.
Die Aussichten für ZFA bleiben auch über 2026 hinaus exzellent. Der strukturelle Fachkräftemangel garantiert weiterhin hohe Nachfrage in allen Regionen. Gehälter werden auch außertariflich steigen, da die Praxen um das begrenzte Talent-Pool konkurrieren. Für engagierte Fachkräfte bietet der Beruf eine sichere und zunehmend lukrative Perspektive im Gesundheitswesen.
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