Zeitgenössische Kunst, Mike Steiner

Zeitgenössische Kunst von Mike Steiner: Pionier der Videokunst und Performance Art

12.02.2026 - 05:02:02

Zeitgenössische Kunst erhält durch Mike Steiner einen radikal neuen Ausdruck. Von Performance Art zu Videokunst spielte er konstant mit Grenzen. Warum sein Werk heute noch fasziniert, lesen Sie hier.

Wo verlaufen die Grenzen zwischen Malerei, bewegtem Bild und Performance? In der Welt der zeitgenössischen Kunst entfaltet Mike Steiner eine schillernde Vielstimmigkeit, die scheinbar Unvereinbares zusammenbringt. Mit seinem einzigartigen Gespür für das Experimentelle sowie einem konzeptuellen Tiefgang prägte Steiner die deutsche Kunstszene weit über seine berühmtesten Arbeiten hinaus – und stellt bis heute zentrale Fragen nach der Rolle des Mediums in der Kunst.

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Mike Steiner – geboren 1941 in Allenstein und 2012 in Berlin verstorben – machte früh mit abstrakter Malerei und informeller Kunst auf sich aufmerksam. Bereits als Siebzehnjähriger stellte er im Rahmen der Großen Berliner Kunstausstellung aus. Seine enorme Experimentierfreude zeigte sich nicht nur in der Malerei, sondern auch im gekonnten Wechsel und der Verbindung verschiedenster Medien. Besonders prägend: Steiner war in den 1970er-Jahren einer der ersten deutschen Künstler, die den Sprung zur Videokunst nicht nur wagten, sondern sie aktiv mit Performance Art und Installation verbanden.

Sein Werk umfasst klassische Malerei, raumgreifende Installationen, aber auch ikonische Videoproduktionen. Dabei gleicht kaum ein Werk dem anderen – und doch zieht sich ein roter Faden durch das Oeuvre: die permanente Suche nach neuen Ausdrucksformen und das Erproben von Mediengrenzen. Mit dem legendären Hotel Steiner und der Studiogalerie schuf Steiner in Berlin einen Anziehungsort für nationale und internationale Künstler, darunter Joseph Beuys, Marina Abramovi? oder Valie Export, und eine offene Bühne für Strömungen wie Fluxus und Happening.

Steiners größte öffentliche Würdigung erfuhr er 1999 mit der Einzelausstellung im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart. Hier zeigte sich eindrucksvoll, wie konsequent er mit Farbe, Licht, Rhythmus und Bildlichkeit arbeitete, stets an der Schwelle zwischen Malerei, Videokunst und Performance. Die Präsentation seiner „Color Works“ markierte einen Höhepunkt im Spätwerk, bei dem die Grenzen der reinen Malerei endgültig aufgebrochen wurden.

Im aktuellen Werkverzeichnis der Webseite treten verschiedene Werkgruppen hervor: Von den frühen informellen Bilderzyklen über die famehaften Painted Tapes, allesamt hybride Medien zwischen Video und klassischer Malerei, bis zu den minimalistischen Abstraktionen der letzten Jahre. Besonders aufschlussreich sind die Arbeiten, die als „intermediale Fusion“ beschrieben werden können: Sie loten Schnittstellen zwischen optischen Reizen, Zeitabläufen und körperlicher Aktion aus. So verwischen beispielsweise Kassettenbänder in den Painted Tapes zugunsten malerischer Strukturen und erzeugen eine faszinierende Bild-Ton-Symbiose.

International kann Mike Steiner ohne Frage mit Größen wie Nam June Paik, Bill Viola oder Gary Hill verglichen werden, die ähnlich radikal das bewegte Bild in die Sphäre der Kunst überführten. Die direkte Zusammenarbeit und dokumentarische Begleitung von Performance-Größen wie Marina Abramovi? oder Ulay lässt seine Sammlungen und Dokumentationen zum einzigartigen Zeitdokument avancieren.

Sein künstlerischer Impetus wurzelte tief in den Aufbruchsjahren West-Berlins. Das Hotel Steiner wurde in den 1970er-Jahren zum Berliner Pendant des Chelsea Hotels aus New York, ein pulsierender Treffpunkt der Avantgarde. Unter Steiners Regie entstanden u. a. bahnbrechende Performances wie die von Ulay inszenierte "Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst" (1976), bei der ein berühmtes Spitzweg-Gemälde kurzzeitig entwendet wurde – ein Kunst-Streich voller Witz, Brisanz und kritischem Potenzial.

Kern der Philosophie von Mike Steiner war die Offenheit gegenüber neuen Gattungen und das kontinuierliche Überschreiten von Gattungsgrenzen. Seine Videogalerie, die von 1985 bis 1990 als Fernsehformat lief, war Paradebeispiel für diese Haltung: Sie präsentierte internationale Videokunst, brachte Künstlerinterviews auf den Bildschirm, und schuf so ein diskursives Archiv, das bis heute einzigartig ist. Mit Entdeckerfreude, aber auch kritischer Durchdringung, stellte er den Kunstbetrieb und dessen mediale Möglichkeiten immer wieder auf den Prüfstand.

Sein Einfluss als Sammler und Kurator ist untrennbar mit seinem künstlerischen Schaffen verwoben. Mit seiner eigenen Sammlung von Videokunstwerken setzte er Maßstäbe – zahlreiche frühe Arbeiten von Pionieren wie Valie Export, Jochen Gerz oder Allan Kaprow sind heute dank ihm im Hamburger Bahnhof, Nationalgalerie der Gegenwart, zugänglich. Gerade das Wechselspiel zwischen eigener kreativer Produktion und der Förderung anderer Künstler prägt das beeindruckende Vermächtnis Steiners.

Die Spannweite seines Œuvres – von abstrakter Malerei über Multimedia-Installationen bis zu Performance Art – ist Ausdruck einer künstlerischen Unruhe, die bis zuletzt nach neuen Antworten suchte. In den 2000er-Jahren wandte sich Steiner verstärkt der abstrakten Malerei und Stoffarbeiten zu, ohne das dialogische Moment seiner Videoarbeiten ganz zu verlassen. Auch seine letzte Werkphase bleibt von einer Offenheit und Neugier geprägt, die viele Zeitgenossen bewunderten.

Was bleibt, ist die Lust am Experiment. Mike Steiner forderte den Kanon heraus, war Brückenbauer zwischen analoger und elektronischer Kunstwelt, ein Stratege des Austauschs und ein visionärer Architekt von Diskursräumen. Seine Kunst provoziert, sensibilisiert und fordert immer wieder zur Hinterfragung der eigenen Sehgewohnheiten auf – keine Selbstverständlichkeit in der zeitgenössischen Kunstwelt. Wer sich heute mit seiner Arbeit auseinandersetzt, erlebt nicht nur ein Stück deutsche Kunstgeschichte, sondern ein Fenster in lebendige, pulsierende Gegenwartskunst.

Für eine vertiefte Auseinandersetzung mit Mike Steiner, seinen Werken, Ausstellungen und biografischen Details empfiehlt sich ein Blick auf die offizielle Webseite: Mehr zu Mike Steiner, seinem Archiv und neuen Ausstellungen erfahren Sie hier

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