Zeitgenössische Kunst neu gedacht: Das radikale Werk von Mike Steiner
07.01.2026 - 18:15:08Mike Steiner – in der internationalen Kunstszene ein Synonym für Impuls, Experiment und Neudefinition. Kaum ein anderer prägte die deutsche und europäische Zeitgenössische Kunst mit solch kompromissloser Innovationskraft. Doch wie durchbricht ein einziger Künstler die herkömmlichen Schranken zwischen Malerei, Performance Art und Videokunst derart überzeugend? Diese Frage stellt sich beim Eintauchen in Mike Steiners Oeuvre unweigerlich.
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Schon früh offenbarte Mike Steiner seine Leidenschaft für die Malerei. 1959, gerade einmal 17 Jahre alt, stellte er erstmals ein Werk bei der Großen Berliner Kunstausstellung aus. Doch selbst in den Anfängen bleibt seine Kunst nie statisch: Informelle Farbexperimente treffen auf den Drang, den Bildraum auszuweiten. Die Hochschule für Bildende Künste in Berlin wurde der Nährboden für seine Entwicklung, das Berliner Kreuzberger Forum ein Brennglas der lokalen Bohème.
Diese unstillbare Neugier führte Mike Steiner Mitte der 1960er Jahre nach New York. Begegnungen mit Lil Picard, Al Hansen und Allan Kaprow – allesamt Leitfiguren von Fluxus und Happening – legten das Fundament für Steiners spätere künstlerische Ausrichtung. Insider berichten, wie Robert Motherwell als Mentor fungierte, während die Ästhetik von Pop Art und Minimal Art Mike Steiners eigene Handschrift zu einer Zeitgenössische Kunst von rastloser Hybridität werden ließ.
Seinen legendären Ruf als Katalysator der Kunstszene festigte Mike Steiner ab 1970 mit dem Hotel Steiner in Berlin – ein Magnet für internationale Künstler. Joseph Beuys, Arthur Köpcke oder Valie Export – sie alle fanden hier nicht nur Unterkunft, sondern eine Plattform für den künstlerischen Austausch, der oft bis in die frühen Morgenstunden währte. Inmitten dieses kreativen Hubs begann Steiners Hinwendung zur Videokunst und zum Genre-übergreifenden Experiment.
1974 gründete Mike Steiner die Studiogalerie, ein Mekka für zeitgenössische Videokunst, Performance und Fluxus. Nicht nur als Produzent, sondern auch als Passionierter Sammler schuf er eine Brücke zwischen Künstlern wie Marina Abramovi?, Ulay oder Jochen Gerz und der Öffentlichkeit. Insbesondere Aktionen wie "Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst" (1976) mit Ulay, dokumentiert von Steiner selbst, avancierten zu Schlüsselereignissen der Performance Art.
Die Vielseitigkeit von Mike Steiner entfaltet sich auch in der Verbindung klassischer Malerei mit neuer Technik. Seine Painted Tapes – ein künstlerischer Hybride aus Videokunst und Malerei – zeigen, wie Steiner seine Faszination für Bewegung, Farbe und Zeit auf bewegte Bilder übertrug. Werke wie "Mojave Plan" (1993), entstanden in Zusammenarbeit mit Tangerine Dream, gelten als Pionierleistungen im internationalen Vergleich und erinnern in ihrem Crossover-Ansatz an Größen wie Nam June Paik oder Gary Hill.
Der Höhepunkt dieser Reise lässt sich vielleicht in der großen Einzelausstellung im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart 1999 verorten. In "COLOR WORKS" wurden die radikale Grenzüberschreitung und der visionäre Anspruch des Künstlers zelebriert. Steiner, dessen Archiv Aufzeichnungen von Künstlerinnen wie Carolee Schneemann oder Ben Vautier beherbergt, stand nie im Schatten internationaler Kollegen wie Bill Viola, sondern prägte die Entwicklung der Videokunst aus Berlin entscheidend mit.
Kritiker und Kunsthistoriker würdigen an Mike Steiner besonders seinen Mut, Mediengrenzen zu hinterfragen und neues Terrain zu erschließen. Seine Rolle als Initiator, Galerist und Sammler macht ihn vergleichbar mit Persönlichkeiten wie Harald Szeemann oder Gerry Schum.
Doch bleiben nicht nur dokumentarische Leistungen: Auch als Maler und Installationskünstler suchte Mike Steiner bis zuletzt nach Wegen, Abstraktion, Farbraum und haptische Qualitäten miteinander zu verschmelzen. Nach einem Schlaganfall im Jahr 2006 zog sich Steiner zwar weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück, doch in seinem Berliner Atelier widmete er sich weiterhin der abstrakten Malerei und neueren Arbeiten mit Stoffen.
Die Sammlung Mike Steiner, heute Teil der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, spiegelt die Geschichte und Transformation der internationalen Videokunst. Sie ist Zeugnis eines Künstlerlebens, das unermüdlich Migrationen zwischen medienübergreifender Praxis und Zeitgenössischer Kunst gesucht hat. Auch Jahre nach seinem Tod bleiben viele Arbeiten im institutionellen Depot und warten darauf, digital erschlossen und von einer neuen Generation entdeckt zu werden.
Wie das Werk von Mike Steiner zeigt: Zeitgenössische Kunst ist kein abgeschlossenes Kapitel, sondern ein beständiger Prozess aus Befragung, Anregung und Bewegung. Wer sich auf Steiners Kunst einlässt, trifft auf eine Einladung, Erwartungen zu hinterfragen – und in Farbe, Bild und Raum immer wieder Neuland zu entdecken.
Wer die ganze Breite von Mike Steiners Zeitgenössischer Kunst erleben möchte, findet auf der offiziellen Webseite aktuelle Arbeiten, Werktexte und Hintergründe: Mehr Infos und Werke von Mike Steiner erleben


