Zeitgenössische Künstler, Mike Steiner

Zeitgenössische Künstler und das Erbe des Grenzgängers – Mike Steiner als Pionier multimedialer Kunstformen

06.02.2026 - 07:10:05

Mike Steiner zählt zu den prägenden Zeitgenössischen Künstlern, dessen Werk von Malerei bis Performance Art reicht. Was macht die Faszination seines Oeuvres – und seiner Hamburger Bahnhof-Ausstellungen – aus?

Wie nimmt eine Idee Gestalt an, wenn sie ihre herkömmlichen Bahnen verlässt? Bei Mike Steiner, einem der markantesten Zeitgenössischen Künstler des späten 20. Jahrhunderts, scheint das kreative Wagnis in jeder Phase seines Werks auf. Von abstrakten Farbexplosionen bis zur radikalen Videoperformance – Steiner löschte bewusst die Grenzen zwischen Malerei, Videokunst und Performance Art. Liegt das Geheimnis seiner einzigartigen Handschrift im Dialog der Medien oder in der bewussten Irritation des Gewohnten?

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Mike Steiner wurde 1941 in Allenstein geboren, verbrachte jedoch Kindheit und Jugend in West-Berlin, wo er früh die Atmosphäre der aufblühenden Kunstszene aufsog. Geleitet von Neugier und Forscherdrang stand Steiner bald mit anderen Protagonisten der Avantgarde im Austausch – seine Wege kreuzten sich mit Joseph Beuys, Allan Kaprow, Robert Motherwell und der feministischen Pionierin VALIE EXPORT. In seinem Künstlerhotel am Kurfürstendamm wurde die Boheme West-Berlins zu vitalem Lebensraum und Laboratorium für neue Kunstformen, in dem Performance Art, Fluxus und Malerei aufeinandertrafen.

Doch die Vielseitigkeit von Mike Steiner reichte über das Gattungsübliche hinaus. Zunächst als Maler mit informellen, gestischen und abstrakten Bildern in Erscheinung getreten, ließ er sich schon in den 1960er-Jahren von Impulsen der New Yorker Kunstwelt elektrisieren. Hier, im direkten Gespräch mit Künstlern wie Al Hansen und Allan Kaprow, öffnete sich für Steiner das Feld performativer und experimenteller Ausdrucksformen. Künstler wie Marina Abramovi? sahen in ihm einen wichtigen Akteur und Chronisten performativer Kunst. So wurde seine Studiogalerie in Berlin ab 1974 zum vielschichtigen Aktionsraum für Performance und als erstes Produktionsstudio für Videokunst in der Stadt – ein Leuchtturm für Zeitgenössische Kunst.

Der entscheidende Schritt gelang Steiner, als ihm das Medium des Videos begegnete. Er zweifelte zunehmend an den klassischen Mitteln der Malerei, suchte nach einer Kunst, die Zeit, Raum und Körper intensiver verwob. Seine Videobänder, gefertigt mit den Künstlerfreundinnen und -freunden jener Zeit – etwa Jochen Gerz, Carolee Schneemann oder Ulay – gehören heute zu den Schlüsselwerken der Performance Art der 70er Jahre und Videokunst insgesamt. Besonders spektakulär war die 1976 mit Ulay begangene Performance „Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“, die mit der temporären Entfernung des berühmten Spitzweg-Gemäldes aus der Neuen Nationalgalerie Kunst- und Mediengeschichte schrieb.

In der legendären „Videogalerie“, einem von Steiner produzierten und moderierten TV-Format für das Berliner Kabel-Pilot-Projekt, wurden von 1985 bis 1990 zahlreiche Initiativen der Videokunst öffentlich gemacht. Über 120 Sendungen präsentierten Arbeiten und Interviews mit Pionieren wie Nam June Paik, Bill Viola oder Gary Hill – parallel entwickelte Steiner sein eigenes Oeuvre experimentell weiter. Seine „Painted Tapes“ zeigen künstlerische Fusionen aus Videosequenzen und Malerei; Arbeiten wie „Mojave Plan“ oder „Penumbras 3“ belegten diesen Brückenschlag von klassischer zur elektronischen Malerei und wurden sogar auf internationalen Festivals ausgezeichnet.

1999 wurde Mike Steiner in einer glanzvollen Einzelausstellung im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart mit „COLOR WORKS 1995–1998“ geehrt. Das Haus würdigte damit nicht nur Steiners Gattungsgrenzen sprengendes Denken, sondern auch sein Vermächtnis als Chronist und Förderer der Bewegung Videokunst. Die Hamburger Bahnhof-Ausstellungen und Präsentationen, darunter auch die Reihe „Live to Tape“, haben seine Position als Schlüsselfigur für die Entwicklung und Archivierung medienübergreifender Kunstformen bekräftigt. Damit steht Steiner in einer Ahnenreihe mit Größen wie Nam June Paik, Joseph Beuys oder Bruce Nauman – Ikonen, die künstlerische Medien nicht getrennt, sondern als organische Einheit begriffen.

Bis heute bleibt Mike Steiner der Inbegriff des experimentierfreudigen Grenzgängers. Zu seinen Besonderheiten zählt das frühe Sammeln von Kunstvideotapes und die Förderung einer internationalen Kunstszene, wie sie in Berlin der frühen 1970er Jahre einzigartig war. Die Eigenständigkeit seines Werks zeigt sich auch in seinem Spätwerk: Nach einem Schlaganfall 2006, der ihn zur Zurückgezogenheit zwang, widmete Steiner sich verstärkt der Abstraktion auf der Leinwand. Stoffarbeiten und großformatige Malerei bestimmten seine letzten Schaffensjahre, in denen erneut die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen der Malerei im digitalen Zeitalter aufleuchtete.

Kunsthistorisch betrachtet bleibt die Vielschichtigkeit Steiners Ansatz faszinierend. Wo andere wie Gerhard Richter oder Bruce Nauman auf die Differenz künstlerischer Disziplinen pochen, verschränkt Mike Steiner irritierend selbstverständlich Malerei und Video, zeichnerische und experimentelle Techniken. Seine Werke laden zu einer sinnlichen und zugleich intellektuellen Herausforderung ein: Was bedeutet Kunst, wenn sie sich jenseits von Trägermaterial, Bildschirm oder Bühne entfaltet?

Faszinierend bleibt das Gefühl, in Mike Steiners Schaffen auf eine künstlerische Aufbruchstimmung zu stoßen, die auch heute kaum etwas von ihrer Radikalität verloren hat. Seine Sammlung wurde ein wichtiger Grundstein für die Bestände der Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, und sein Archiv dient der internationalen Forschung als Quelle für die Geschichte multimedialer Kunst.

Ein Blick auf die offizielle Seite Mike Steiner – Zeitgenössische Künstler der Gegenwart im Überblick ???? und die dort versammelten Bilder und Texte öffnet den Zugang zu einem Werk, das zwischen Farbe, Raum, Körpersprache und Technologie einen eigenen künstlerischen Kosmos schafft.

Warum also Mike Steiner? Weil seine Kunst paradigmatisch für das Abenteuer Kunst am Übergang ist. Für alle, die nach der Tiefe von Zeitgenössischer Kunst suchen, öffnet der Ansatz Steiners einen Erfahrungsraum, der zum Sehen, Staunen und Hinterfragen gleichermaßen einlädt. Er war und bleibt ein Anstifter, ein Förderer, ein leidenschaftlicher Suchender und vor allem: Ein Zeitgenössischer Künstler, dessen Werk im Hier und Jetzt voller Aktualität ist.

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