Zalando, Neapco

Zalando, Neapco, RTL: Wie Transfergesellschaften den Arbeitsmarkt 2026 prägen

09.01.2026 - 09:43:12

Mehrere Konzerne setzen auf Transfergesellschaften, um Massenentlassungen zu vermeiden. Der Automobilzulieferer Neapco etabliert mit 73 Prozent Nettoentgelt einen neuen Standard.

Eine turbulente erste Woche im neuen Jahr hat die Transfergesellschaft als zentrales Instrument des deutschen Arbeitsmarktes zurück ins Rampenlicht gerückt. Innerhalb von nur 72 Stunden kündigten Konzerne aus Logistik, Automobil und Medien umfangreiche Restrukturierungen an. Die Verhandlungen über soziale Pläne bestimmen die Agenda – und zeigen, wie sich die einstige „Warteschleife“ zum entscheidenden Sicherheitsnetz für Tausende entwickelt.

Zalando-Schock in Erfurt: 2.700 Jobs stehen auf der Klinge

Der größte Paukenschlag kam am Donnerstag aus Thüringen. Der Online-Modehändler Zalando kündigte die Schließung seines Logistikzentrums in Erfurt zum September 2026 an. Rund 2.700 Arbeitsplätze sind betroffen – eine der größten Standort-Schließungen der letzten Monate.

Das Management begründet den Schritt mit einer strategischen Neuausrichtung des Logistiknetzwerks. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan beginnen sofort. Bereits jetzt steht fest: Eine Transfergesellschaft soll Kernbestandteil der Lösung werden. Für eine Belegschaft dieser Größenordnung gilt sie als einziger Weg, um Massenarbeitslosigkeit zu verhindern. Im Fokus der anstehenden Gespräche werden die Dauer der Transferphase und die Höhe des gesicherten Nettolohns liegen.

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Neapco setzt Maßstab: 73 Prozent Netto für ein Jahr

Während bei Zalando alles noch verhandelt wird, lieferte der Automobilzulieferer Neapco am Mittwoch ein konkretes Beispiel. Nach der Entscheidung, den Standort Düren bis Sommer 2026 zu schließen, unterzeichneten Unternehmen und Betriebsrat einen umfassenden Sozialplan.

Mehr als 300 betroffene Mitarbeiter wechseln in eine Transfergesellschaft. Die vereinbarten Konditionen sind beachtlich: Sie erhalten 73 Prozent ihres letzten Nettogehalts – und das für bis zu ein Jahr. So bleiben sie beschäftigt, erhalten Qualifizierungsangebote und Unterstützung bei der Jobsuche, anstatt direkt in die Arbeitslosigkeit zu rutschen.

Der Deal zeigt den heute favorisierten „Zwei‑Schienen‑Ansatz“:
* Transfergesellschaft für den Großteil der Belegschaft.
* Weiterbeschäftigung für einen kleinen Stamm von 41 Mitarbeitern an einem neuen, kleineren Standort.
* Sicherheit für Azubis, die ihre Ausbildung garantiert beenden oder vermittelt werden.

RTL-Deal: Medienbranche setzt auf hohe Abfindungen

Bereits am Dienstag hatte die Medienbranche einen Abschluss gefeiert. Bei RTL Deutschland wird der Abbau von rund 600 Stellen – fast 230 davon in Redaktionen – ohne betriebsbedingte Kündigungen umgesetzt.

Auch hier ist eine Transfergesellschaft für bis zu zwölf Monate Teil des Plans, zugeschnitten auf den speziellen Medienmarkt. Besonders auffällig sind jedoch die hochdotierten Exit-Anreize. Freiwillige Abgänge werden mit Boni von bis zu 50.000 Euro belohnt. Für Mitarbeiter über 55 wurde zudem eine „Rentenbrücke“ geschaffen. Dieser gestaffelte Ansatz aus freiwilligen Abgängen, Vorruhestandsregelungen und der Transfergesellschaft wird für wissensintensive Dienstleistungsbranchen immer typischer.

Vom Puffer zum aktiven Politikinstrument

Die Ereignisse der Woche zeigen einen klaren Wandel. Die Transfergesellschaft ist kein passives Wartezimmer mehr, sondern ein aktives Instrument, um den Schlag des Strukturwandels abzufedern.

Rechtsexperten sehen im „Neapco-Standard“ von 73 Prozent ein neues Ziel für Betriebsräte. In der Vergangenheit lagen die Aufstockungen oft näher am Kurzarbeitergeld-Niveau von 60-67 Prozent. Der Druck der Gewerkschaften zeigt Wirkung: Unternehmen zahlen lieber höhere Zuschüsse, als die hohen Kosten sofortiger Massenentlassungen zu tragen.

Die parallele Anwendung in drei so unterschiedlichen Sektoren – E-Commerce, Automobil und Medien – beweist zudem die universelle Tauglichkeit des Sozialplan-Modells im Jahr 2026.

Ausblick: Gespannte Blicke Richtung Erfurt

Im weiteren Verlauf des ersten Quartals richten sich alle Augen auf die Verhandlungen bei Zalando in Erfurt. Sie werden zum Lackmustest für die Logistikbranche, die oft mit geringeren Margen und anderer gewerkschaftlicher Durchdringung als die Automobilindustrie operiert.

Betriebsräte in ganz Deutschland werden genau beobachten, ob der „Neapco-Standard“ auch für die 2.700 Zalando-Mitarbeiter erreicht werden kann. Die Zeit drängt: Bis zur geplanten Schließung im September muss die gesamte rechtliche und organisatorische Infrastruktur der Transfergesellschaft stehen.

Für die Beschäftigten bei Neapco und RTL ist die akute Unsicherheit beendet. Für die Kollegen in Erfurt beginnt der Kampf um ein vergleichbares Sicherheitsnetz erst.

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